Es schwingt noch immer

Alle sprechen ständig über "Munich Disco" - zum Beispiel dieses Wochenende: Der Zündfunk lädt zu Diskussion, Konzert und Party im Geiste des goldenen Münchner Clubzeitalters. Zehn Fakten zum Mitreden
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Illustration: Julia Schubert



1. Schwer zu glauben, aber deutsche Zeitungen nannten München Anfang der 70er das „San Francisco von Deutschland“. Tatsächlich zählte die Stadt ab den späten 60er-Jahren zu den hippsten Orten der Welt: Alle wichtigen Bands kamen damals nach München, um Alben aufzunehmen und nächtelang zu feiern.

2. Schuld daran war vor allem einer: Giorgio Moroder, visionärer Musikproduzent und Schnauzbartträger aus Südtirol. Er gründete Anfang der 70er die Musicland Studios im Keller des Arabella-Hochhauses. Dort produzierte er einige der wichtigsten Platten des Jahrzehnts – mit den Rolling Stones, Led Zeppelin oder Donna Summer – und machte als erster Discomusik ausschließlich mit Synthesizern: „Munich Disco“. Die spätere House- und Techno-Bewegung in Chicago und Detroit basierte auf seinen Ideen.

3. Im Jahr 1979 stürmte der Song „Pop Muzik“ die Hitparaden der Welt und verewigte Münchens In-Status in seinem Refrain: „New York, London, Paris, Munich / everybody talk about / pop music.“

4. Die Empore im Pimpernel war neben den Musicland Studios der sagenumwobenste Ort dieser Zeit. Sie war meistens reserviert für Moroder und seine Groupies. Oder den anderen berühmten Pimpernel-Ehrengast: Freddie Mercury.

5. Die Studios mussten in den 80ern schließen, weil der U-Bahntunnel zum Arabellapark erweitert wurde und wegen der Züge dort die Wände wackelten.

6. Das P1 ist Deutschlands ältester Nachtclub: gegründet 1949 als „fideles Atelierrestaurant“ im Haus der Kunst, das damals ein US-Offizierskasino war.

7. Angeblich wurde das Prinzip „Türsteher“ in München erfunden. Aber nicht im P1, sondern im Rockschuppen Sugar Shack, in dem Mick Jagger und Uschi Obermaier feierten.

8. Erst ein Club namens „Maximilian's“ bog ab Mitte der 80er das lässige München-Image in Richtung Schickeria. Seine Türpolitik gilt als stilbildend für alle anderen Münchner Promiclubs. In dem Laden findet man heute den Technoclub „Chaca Chaca“.

9. Ende 2008 erschien im Blumenbar-Verlag der Bildband „Mjunik Disco“, der über 60 Jahre Münchner Nachtleben zeigt. Herausgeber des Bildbands war der Münchner DJ und Produzent Mirko Hecktor, der daraufhin zu einer Art Szene-Klassensprecher erklärt wurde.

10. Als musikalische Erben der Moroder-Zeit gelten heute die Münchner Dancelabel Gomma und Permanent Vacation. Wie damals kommen Musiker aus Kopenhagen, New York oder Rom zu ihnen, um Platten zu produzieren – ein bisschen Munich Disco schwingt also noch immer mit.

Am Samstag, den 28. Mai veranstaltet der Zündfunk im Werkraum der Münchner Kammerspiele einen Diskussionsabend zum Thema Munich Disco mit Konzert und Party.

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