Flaschendrehen runterladen

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Oliver Hengstenberg, 35, arbeitet als freier Programmierer in München. Sein Programm „Flaschendrehen +“ macht als kostenlose iPhone-Application Exil-Bayern auf der ganzen Welt viel Freude – einfach nur, weil sie an München erinnert. jetzt.muenchen: Bei deinem Programm dreht sich eine Bierflasche im Kreis. Wozu ist das gut? Oliver Hengstenberg: Das Prinzip Flaschendrehen kennt ja jeder, das habe ich eben aufs iPhone verfrachtet. Die Bierflasche dreht sich nicht nur, der Benutzer kann auch sein eigenes Foto auf das Flaschenlabel laden und sie damit personalisieren. Das ist natürlich ein reines Gag-Utensil, aber ich habe auch schon von Menschen gehört, die damit tatsächlich auf der Party Flaschendrehen spielen.

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Illustration: Julia Schubert

Ein kostenloses Gag-Programm. Warum laden sich das die Menschen auf ihr iPhone? Es gibt ja tausende solche Gag-Apps und die erfüllen eben einfach einen Zweck – dass man sich daran freut und anderen zeigen kann, was man wieder im Netz gefunden hat. Mehr nicht. Für mich war dieses Programm eher eine Fingerübung, die ich neben einem richtigen Projekt gemacht habe, um ein paar Sachen auszuprobieren. Und ich bin natürlich überrascht, dass es so oft geladen wird, etwa 600-mal am Tag holen sich Menschen das Programm auf ihr iPhone. Ich habe jetzt auch eine neue Version geplant, bei der man zum Beispiel seine Facebook-Freunde als Bierfilzl rund um die Flasche legen kann. Die Flasche, die sich da dreht erinnert ja stark an eine Augustiner-Bierflasche – ist das Spiel deswegen so beliebt, weil es ein Münchner Urgefühl transportiert? Wenn ich noch rechtefreie Blasmusik finde, binde ich die auch noch ein! Und klar, als Münchner trinkt man natürlich Augustiner. Deswegen war es für mich keine Frage, welche Flasche sich da drehen soll. Aber offiziell ist das natürlich keine Augustiner Flasche, die Brauerei macht ja keine Werbung in irgendeiner Form und ich wollte auch keinen Ärger. Es ist nur eben die Flasche, die einem einfällt, wenn man an München denkt. Die meisten der Downloads kommen auch von hier – und einige aus Italien. Es wird ja gerade sehr viel über den Markt mit den Zusatzprogrammen geredet und geschrieben, kann man immer noch mit einer guten Applikation reich werden? Also ich würde sagen, für unabhängige Programmierer ist die heiße Phase schon rum. Die Qualität geht jetzt extrem hoch, große Firmen programmieren hochwertige Spiele, die für vier bis acht Euro verkauft werden. Mit denen zu konkurrieren, ist schwierig. Nach wie vor kann man aber mit einer guten Idee, die noch keiner gehabt hat, weit kommen. Ein Freund von mir hat die Krawattenapplikation iTie gemacht, die alle möglichen Sorten von Krawatten- und Fliegenknoten Schritt für Schritt vormacht. Die wird auf der ganzen Welt gerne geladen und das Programm kostet 1,50 Euro. Aber so richtig reich wird man damit auch nicht. Wie geht es mit deinem Flaschendrehen jetzt weiter? Vielleicht nutze ich die gute Verbreitung, um mit einem Upgrade ein neues Spiel von mir vorzustellen. Ich weiß nicht, ob das funktioniert, aber vielleicht lassen sich die Menschen ja von einer netten Applikation auf eine andere locken. Und dieses ganze Souvenir-Thema, auf das ich damit gestoßen bin, ist ja auch noch ein ziemlich interessantes Feld. Vielleicht kann man den Touristen, denen München gefallen hat, Souvenir-Apps verkaufen. Woher kannst du das eigentlich, Programme entwerfen? Klassische Programmiererkarriere – ich habe schon für meinen kleinen Bruder Vokabellernspiele programmiert auf dem Schneider CPC, dann an der TU Informatik studiert, selbstständig gearbeitet, dann zum dotcom-Boom einige Jahre lang an größeren Projekten gesessen, eine eigene Firma gegründet und Spiele für Fitnessgeräte entwickelt, die auf die Biodaten des Benutzers reagiert haben. Gerade arbeite ich vor allem für eine Münchner Firma, die sich mit Ortsinformationen in allen möglichen mobilen Systemen beschäftigt. Damit mir mein Handy also zum Beispiel anzeigt, wo das nächste DB-Leihfahrrad steht.

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