Garison weigerte sich, ein Taxi für den Toten zu bezahlen: Best of ASA-Blogs

Neun Studenten haben dieses Jahr in Hilfsprojekten auf Kuba, Sri Lanka oder in Zambia verbracht und auf jetzt.de bis Weihnachten ihre Erlebnisse notiert. Der Blog schließt nun nach und nach seine Pforten, deshalb hier ein Rückblick, mehr noch: ein Überblick. Außerdem haben wir hier eine Bildergalerie mit den besten Bildern aus den Projekten angelegt. Viel Spaß beim durch die Welt klicken.
peter-wagner
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Illustration: Julia Schubert

Bettina nähte in Guatemala mit Einheimischen Taschen aus Mehlsäcken Am Sonntag ist ein Bus, in dem ich eine Woche früher auch saß, auf dem Weg nach Barillas von der Strasse abgekommen und in eine 100 Meter tiefe Schlucht gestürzt. 35 Tote. Das Unglaubliche daran ist, dass der Busfahrer betrunken war und auch von der Polizei angehalten wurde, jedoch nach Bezahlung des Schmiergeldes weiterfahren durfte. Die ganze Stadt wartete im strömenden Regen auf die „Heimkehr“ der Leichen. Nicole und Julia arbeiteten in Nigeria in der AIDS-Aufklärung Nach zehn Minuten fingen Lai und der Taxifahrer einen Streit an. Der Fahrer hatte den falschen Weg genommen, die beiden wurden ziemlich laut. Auf einmal bog der Fahrer in eine Seitengasse ein und hielt an. Licht aus, Wagen aus. Er stieg aus und ging zum Kofferraum. Tausend Gedanken schossen durch unsere Köpfe: Der holt eine Knarre raus, gleich kommen seine fünf Freunde und rauben uns aus und töten uns. Was zum Teufel geht hier eigentlich vor? Dann drehte sich Lai zu uns. Torben drehte in Chile einen Film über Salpeterminen Ernesto nimmt im Gegensatz zu uns Deutschen das Schauspiel der Pinochet-Fans gelassen auf: „Das wichtigste ist, dass Pinocchio tot ist. Auch wenn er nicht verurteilt wurde.“ Am Abend treffen wir dann auch in Valparaíso auf eine Freudensfeier, es wird gesungen und getanzt: „Er ist tot!“ Das Radio rät, man solle an diesem historischen Tag zu Hause bleiben. Thilo schrieb in Ghana für die Zeitung „Ghanaian Times“ Wenn mir langweilig wird, geselle ich mich zu Garison und lasse mir Geschichten erzählen. Mein Favorit ist die von der Leiche am Strand, die einen Tag lang von den Gästen bestaunt wurde, weil die Polizisten kein Auto für den Abtransport hatten. Garison weigerte sich, ein Taxi für den Toten und die Polizisten zu bezahlen. Das habe er schon bei der Leiche davor nicht eingesehen. Spätestens am folgenden Abend löse sich das Problem eh von selbst. Dann kommt die Flut. Mathias kümmerte sich auf Sri Lanka um Menschen, die durch den Tsunami alles verloren hatten „Nein Matze, so musst Du den Daumen halten! Mit den Fingern eine Schale formen und dann mit dem Daumen den Reis nach vorne schieben. Sooo!“ Mein Daumen macht zwar, was er soll, aber der Reis spielt nicht mit. So landet er wieder auf dem Teller und auf meiner Hose. Kann das so schwierig sein? Sebastian arbeitete in einem Architekturprojekt auf Kuba Meine Projektpartnerin und ich sind in einem Seminar an der Architekturfakultät eingeladen, als zwei Herren in den Seminarraum treten und uns mit folgender Botschaft unterbrechen: „Liebe Studenten, die Kaffee-Ernte steht an. Bitte wählt aus eurem Jahrgang fünf Leute, die heute Nachmittag für eine Woche in die Plantagen mitfahren.“ Nach einer kurzen Diskussion stehen die Arbeitsopfer fest. Die Professorin erklärt uns, dass bei den Arbeitsaufenthalten das Essen recht gut sei – besser als in der Mensa. Ullika befasste sich in Zambia mit Streits zwischen Siedlern Ein paar Fakten über Zambia: 1. Mit spätestens 15 lernt eigentlich jede zambische Frau, wie man ein Huhn schlachtet. 2. Selbst wenn jemand sein Leben lang in der Stadt gewohnt hat, ist auf seinem Personalausweis die Stammeszugehörigkeit des Vaters, sein Heimatdorf und der Name des traditionellen Chiefs der Region vermerkt. 3. Man gewöhnt sich beschämend schnell an die Dienste von Hausmädchen. Charlotte und Lars machten in Bosnien mit Jugendlichen Theater Klar war am Anfang alles super. Aber nach einem Monat kam das Loch. Das Gefühl, dass sich keiner wirklich dafür interessiert, ob wir nun hier sind oder nicht. Und am schlimmsten für mich: dass ich diese verfluchte Sprache nie im Leben lernen würde. Und jetzt? Ist es unvorstellbar, dass wir gehen sollen. Stefanie arbeitete in Georgien bei der Multiple Sklerosos Society Der Tamadar spricht den ganzen Abend Toasts aus. Erst wenn die langen Reden, die bis zu zehn Minuten dauern können, beendet sind, darf getrunken werden. In der Regel wird mit einem Zug auch das ganze Glas geleert. So kommen viele auf bis zu zwei bis drei Liter Wein pro Abend. Alle zehn Minuten musste Dr. Temur über ein neues Thema philosophieren; beim 15. Toast überschlug er sich mit Nettigkeiten. +++ Eine Übersicht über alle Blogs steht hier. Illustration: dirk-schmidt

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