"Gonzalez ist coole Clubs"

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Wilson Gonzalez, Sohn von Schauspieler Uwe Ochsenknecht, war in den letzten Jahren vor allem durch seine Rolle in „Die Wilden Kerle“ bekannt. Nachdem sein jüngerer Bruder bereits letztes Jahr ein Album veröffentlichte, hat sich der 18-Jährige jetzt auch als Sänger versucht. Am 23. Mai ist sein Album „Cookies“ erschienen.

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Illustration: Julia Schubert

Die Vorbilder sind auf Deinem Album recht deutlich herauszuhören . . . Wilson Gonzalez: Soll man ja. Nee, soll man eigentlich nicht. Aber ich hab' eben viele, viele Vorbilder. Und bei jedem bediene ich mich, um mir dann mein eigenes Ding zu formen. Diese Vorbilder haben mich also dazu inspiriert, meine Musik genau so zu machen, wie ich sie mir vorstelle. Unter all diesen Vorbildern scheint die Punkmusik der 70er Jahre eine prominente Stellung einzunehmen. Ja, das ging bei mir so um das Jahr 2004 los, dass ich mich auch für Musik vor meiner Zeit interessiert habe. Sex Pistols, Iggy Pop, aber auch Led Zeppelin. Plötzlich hab’ ich mir diese Musik angehört, mich gleichzeitig aber immer auch für aktuelle Entwicklungen interessiert. Um Damals und Heute zu kombinieren, um meine eigene Richtung zu finden. Es kann natürlich sein, dass ich meine eigene Richtung noch gar nicht gefunden habe. Das zweite Album sieht vielleicht schon ganz anders aus. Ich will mich immer wieder neu erfinden. Wer unterstützt Dich bei diesen ständigen Neuerfindungen? Oliver Rüger, der Gitarrist meines Produzenten, der noch drei andere Bands hat. Mit ihm und meinem Produzenten bin ich die ganze Zeit zusammengesessen. Ich wusste schon, in welche Richtung ich ungefähr gehen wollte, ich konnte bloß noch nicht sagen, wie sich das Ganze dann anhören sollte. Wir haben dann einfach mal angefangen zu schreiben - und waren alle miteinander recht positiv überrascht. Und Du hattest bei aller Liebe auch noch Einfluss auf die Songs? Ja. Ich habe die Texte mitgeschrieben und durfte auch musikalisch ändern, was ich wollte. Abgesehen davon, habe ich mir auch das Albumkonzept überlegt, dessen unterschiedliche Kapitel die Songs bilden. Gibt es einen roten Faden, der diesem Albumkonzept zugrunde liegt? Für mich geht’s auf „Cookies“ um die Jugendlichen heutzutage. Dass wir kein Mauerblümchendasein mehr fristen, wie früher, als man noch aufs Land zum Pferdchenreiten gegangen ist. Heute wird jedes Wochenende gefeiert. „Generation Neon“ sozusagen. Meinst Du „Neon“, die Zeitschrift? Nein, die Farben. Das kommt alles wieder. Verstehe. Generation Retro. Das kann jeder für sich selbst entscheiden, wie er’s nennt. Manche sagen auch einfach nur „Generation Komasaufen“. Ich hab’ das in den letzten Jahren natürlich auch mitbekommen. Dieses Flatratesaufen. Hab’ das auch mitgemacht, es ist ja billig: Acht Euro und man kann den ganzen Abend trinken soviel man will – das nutzt man natürlich aus. Allerdings hab’ ich’s nie übertrieben. Es war nie so: „Hey wir hau’n uns heute so weg bis der erste in der Ecke liegt“ – das war nie der Fall. Hier in München ist es auch nie so gewesen wie in anderen Städten. Wie würdest Du Dein Umfeld beschreiben? Modern. In meiner Szene sind die Leute sehr britisch unterwegs. Die leben ihr Leben und machen das, was sie wollen. Da gibt’s auch keine großen Unterschiede zur Berliner Szene. Die arbeiten in Jobs, die ihnen total Spaß machen und lassen sich nicht von der Masse stressen. Die Masse, das ist Marienplatz, Kaufingerstraße, Kultfabrik. Und Wilson Gonzalez? Ist „coole Clubs“. Trotz cooler Clubs: Wer in Hamburg und Berlin was auf sich hält, hat für München nach wie vor nur ein mildes Lächeln übrig. Ja, ist mir in Berlin auch schon passiert, dass ich gesagt hab’, ich bin aus München und die haben nur verächtlich getan. „München? Was’n das?“ So auf die Tour. Stören Dich solche Sätze? Nein. Die kennen eben nur das reiche und schöne München. Aber nicht die Ecken, wo’s richtig cool sein kann. Auch für Berliner. Wenn zum Beispiel Leute von der Plattenfirma aus Berlin kommen, kann ich ihnen zeigen, dass München auch ein paar unbekannte, coole Seiten hat. Ein echter Lokalpatriot. Deshalb ist es für mich ja auch extrem schwer, mich dafür zu entscheiden, ob ich nicht vielleicht doch nach Berlin ziehen sollte. Weil die Berliner Szene trotz allem eben doch größer ist als die kleine, coole Münchner Szene. Hast Du Dir jemals überlegt, die Schule zu schmeißen? Ja, aber ich will einfach was in der Hand haben. Deshalb hab ich die Schule weiter gemacht. Und im Moment ist das auch alles ziemlich anstrengend, weil ich gerade meinen Abschluss mache. Abgesehen davon habe ich auch noch ständig Termine. Und Freunde und Familie gibt’s auch noch. Was waren die letzten Konzerte, die Du besucht hast? Wilson Gonzalez: Queens Of The Stone Age. Und davor Babyshambles. Die klassische Phase, in der man sich für seine Eltern schämt – hattest Du die auch mal? Als wir das „Cookies“-Video gedreht haben und ich da auf der Bühne stand, war plötzlich mein Vater da. Da wusste ich erstmal nicht, was ich machen sollte. Aber es ging sofort wieder. Er ist ja auch stolz. Nie sauer über die Namenswahl „Wilson Gonzalez“ gewesen? Nie. Ist doch auch besser als beispielsweise „Klaus“.

Text: uli-karg - Foto: dpa

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