Gutes tun: Warum jetzt.de-Userin karin-gespenst Bookcrossing liebt

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Seit vier Jahren bin ich Bookcrosserin und habe hunderte Bücher ausgesetzt. Umgekehrt habe ich auch viele Bücher von anderen Bookcrossern bekommen.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Lesen und weitergeben macht Spaß, aber mein coolstes Bookcrossing-Erlebnis war ganz untypisch. In der Regel wildere ich alleine und auch nur einzelne Bücher aus, wo es mir sinnvoll erscheint. Aber bei dieser Aktion war ich in Begleitung des eifrigsten Bookcrossers Namens „ekorren“. Wir hatten einen Fahrradanhänger mit über 120 Büchern dabei, die wir verteilen wollten. Sechs Stunden zogen wir damit durch die Stadt und brachten sie unter die Leute. Ich habe sicher tausendmal erklärt, was Bookcrossing ist und welches Ziel wir verfolgen, aber mindestens genauso oft wussten meine Gegenüber auch schon Bescheid. Und alle fanden sie unsere Idee brillant. Denn: Am selben Tag wollten die jungen Nationalen aufmarschieren und ihre Propaganda verbreiten. Ganz klar, so was lässt man sich nicht gefallen. Wir sammelten also Bücher gegen rechts, Bücher über Krieg und Frieden, Geschichte und Gegenwart und über Vielfalt und Toleranz. Ich war hingerissen von der Hilfsbereitschaft, die Bookcrosser aus ganz Deutschland an den Tag legten, indem sie uns Bücher von sich spendeten. Gutes tun ohne Gegenleistung, das ist eine verbreitete Tugend unter den Bookcrossern, dafür sind wir bekannt. Es war eine Riesenarbeit, alle Bücher auf bookcrossing.com mit einem Hinweis auf die Aktion zu registrieren, die Bücher mit einer ID-Nummer und Bookcrossing-Aufklebern zu versehen und für jedes die „Release Note“ zu schreiben, wo und wann es freigelassen werden sollte. Wir ließen die Passanten aussuchen, was ihnen gefällt, aber schärften ihnen ein, das Buch nach dem Lesen weiterzugeben, damit seine Botschaft in die Welt getragen wird. Ob das geschieht, können wir nicht wissen und ich glaube, ich will es auch nicht wissen. Sobald ein Buch aus der Sicherheit des Regals herauskommt, kann ihm so gut wie alles passieren. Vielleicht wird es gelesen, vielleicht bekomme ich eines Tages eine Nachricht und ein Dankeschön von jemandem, der sich darüber freut. Wenn nicht, dann nicht. Dann versuche ich es bei einer andern Gelegenheit mit einem andern Buch wieder. Foto: Anke Lübbert

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