Hallo Spycar: Google knipst jetzt München

Der Münchner Blogger Bert Schulze über Googles mobile Helfer - jetzt auch auf deutschen Straßen
dirk-vongehlen

Seit vergangener Woche lässt die Firma Google Autos durch Stadt fahren, die während der Fahrt 360-Grad-Aufnahmen der Straßen und Plätze fotografieren. In den USA nutzt der Suchmaschinen-Anbieter solche Bilder für seinen Dienst Streetview. Dieses Feature des Kartendienstes Google Maps ermöglicht es, online durch die Straßen einer Stadt zu spazieren und alles so wahrzunehmen, als sei man selber da. Dieses Angebot plant Google jetzt auch für Deutschland und Europa. Ende Mai wollte Stefan Keuchel, Pressesprecher von Google Deutschland, auf Anfrage nicht verraten, welche deutschen Städte fotografiert werden. Im Interview mit jetzt.de bestätigte er damals lediglich: „Die Fahrzeuge fahren in Europa, ja.“

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Illustration: Julia Schubert

Der Münchner Blogger Bert Schulze lieferte jetzt den Beweis: Google fotografiert auch in München. In seinem Weblog präsentierte der 28-Jährige Bilder von den Autos, die für Google unterwegs sind. Bert entdeckte die dunklen Fahrzeuge der Firma Opel auf dem Weg zur Arbeit an der Arnulfstraße. Hier beginnen die in den USA als Spycars bezeichneten Pkw offenbar ihren Weg durch die Stadt, Bert sah jedenfalls gleich mehrere der Foto-Fahrzeuge und zückte selber die Kamera: Er fotografierte die Fotografierer. Dabei legte er besonderen Wert auf die Kamera, die mit Hilfe einer besonderen Konstruktion auf dem Dach des Autos angebracht ist. „Ich glaube, es sind mehrere Kameras, die jeweils kurz hintereinander Fotos machen, die anschließend zu einem Bild der Straße zusammengesetzt werden“, erzählte er. Außerdem räumt Bert mit Spekulationen auf, die von einer großen technischen Ausstattung der Spycars berichteten. „Da lag lediglich ein Laptop auf dem Beifahrersitz.“ Die Bezeichnung Spycars bekamen Googles mobile Helfer, weil sich bei der Einführung von Streetview in den USA an den neuen Stadtbildern eine Datenschutzdebatte entzündete: Darf Google jeden Spaziergänger fotografieren und ihn anschließend ins Netz stellen? Der Suchmaschinen-Anbieter reagierte auf die Kritik und entwickelte eine Software, die Gesichter erkennt und diese verpixelt oder unscharf darstellt. „Es lässt sich nicht vermeiden, dass auch Menschen auf den Bildern zu sehen sind,“ erklärt Pressesprecher Keuchel, „aber darum geht es uns nicht. Wir wollen eine Möglichkeit schaffen, eine Stadt virtuell kennenzulernen.“ Und zu diesen Städten zählt vermutlich bald auch München. Blogger Bert Schulze freut sich darüber, dass seine Heimatstadt bald im Netz genauso behandelt wird, wie San Francisco, New York oder Washington. Mehr zum Thema auch in der aktuellen Ausgabe der Süddeutschen Zeitung und im Weblog bertschulze.de.

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