Hinterhofschätze und Abzocker

Am Samstag werden Schnäppchenjäger die Münchner Theresienwiese stürmen, als gäbe es nur diesen einen Flohmarkt in der Stadt. Dabei kann man auch woanders wunderbar alten Krempel shoppen. Eine Auswahl der Münchner Trödel-Umschlagplätze.
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Illustration: Julia Schubert



Hofflohmärkte
Wo, wann und wie oft? Jeden Sommer finden in den Hinterhöfen der einzelnen Münchner Stadtviertel die berühmten Hofflohmärkte statt - eine Münchner Tradition, die sich in den vergangenen elf Jahren von Schwabing aus über die ganze Stadt ausgebreitet hat. Wann genau die einzelnen Viertel ihre Höfe öffnen, steht auf hofflohmaerkte.de. Die Saison beginnt am 7. Mai in Haidhausen.
Was findet man da? Neben interessanten Einblicken in die teilweise umwerfend hübschen Hinterhöfe der Stadt alles, was in den Kellern und Dachböden dieser Stadt rumlungert.
Wen trifft man da? Nette Hausbewohner aller Altersklassen: Babys, Kinder, Jugendliche, Szenemenschen und Großeltern. Anders als auf gewöhnlichen Flohmärkten befinden sich alle in einer gemütlich-fröhlichen Festtagslaune.
Preisniveau: Wunderbar tief. Es geht allen darum, endlich mal ihr Gerümpel loszuwerden oder ehemalige Herzensdinge in gute Hände weiterzureichen. Abgebrühte Geschäftsmänner oder griesgrämige Abzocker trifft man hier nicht.
Ramschfaktor: Null. Das idyllische Dachbodensortiment der Hausbewohner wird zum Glück nirgends von nervigen Handyschalenverkäufern oder fehlplatzierten Obsthändlern unterbrochen.
Außer einkaufen kann man da: Endlich mal hinter die Fassaden der Nachbarhäuser spähen und überrascht sein, was sich dahinter verbirgt. Außerdem: selbstgebackenen Kuchen von talentierten Kochmüttern und selbstgebraute Limonaden von deren Kindern probieren. Für einen Spottpreis.
 
Midnightbazar
Wo, wann und wie oft? In der Kongresshalle auf der Theresienhöhe. Der nächste Termin für den Midnightbazar steht noch nicht fest.
Was findet man da? Viele Klamotten und Bücher, vor allem aber Neunzigerjahre-Schrott
Wen trifft man da? Hippe Mittdreißiger, Studenten, die mal auf einem guten Konzert in der Kongresshalle waren und 16-Jährige mit alten Ledertaschen, die bei Facebook eine Einladung erhalten haben.
Preisniveau: sehr hoch – und dazu kommen drei Euro Eintritt!
Ramschfaktor: ebenfalls hoch, da es so voll ist, dass man kaum den Weg zwischen den Ständen findet.
Außer einkaufen kann man da: Konzerte anhören und Bier trinken. Aus kleinen 0,3-Augustinerflaschen zu großen Clubpreisen.
   
Olympiaflohmarkt an der Parkharfe
Wo, wann und wie oft? Auf dem großen Parkplatz des Olympiageländes, jeden Freitag und Samstag. Der Markt beginnt um 7 Uhr und endet, wenn alle zusammenpacken (meistens gegen15 Uhr).
Was findet man da? Alles. Wirklich.
Wen trifft man da? Bayerische Zwillings-Brüder, die sich jeden Samstag lauthals streiten, türkische Geschäftsleute mit Autoradios und Bundeswehrfetischisten.
Preisniveau: Niedrig
Ramschfaktor: Mittel, denn wie gesagt, findet man hier alles. Natürlich auch Ramsch.
Außer einkaufen kann man da: Wiener in der Semmel und selbst angebaute Äpfel probieren.
 
Flohmarkt Daglfing
Wo, wann und wie oft? Neben der Trabrennbahn, jeden Freitag von 8 bis 15 Uhr und jeden Samstag von 6 bis 17 Uhr.
Was findet man da? Teilweise Ramsch, selten Schätze.
Wen trifft man da? Reisende, Rentner und Reiter.
Preisniveau: Auf dem Flohmarkt niedrig, in den Antikhäusern allerdings sehr hoch. Für eine Sonnenbrille aus den Siebzigern muss man hier 40 Euro hinblättern. Achtung!
Ramschfaktor: Hoch.
Außer einkaufen kann man da: Pferderennen ansehen, natürlich.
   
Flohmarkt Riem
Wo, wann und wie oft? Jeden Samstag von 6 bis 16 Uhr auf den Rollfeldern des ehemaligen Flughafens in Riem. Weitere Informationen gibt es auf flohmarkt-riem.com.
Was findet man da? Klamotten, alte Vasen, skurrile Staubfänger, Elektroschrott, Obst und Fahrräder – alles und viel arger Schund. Mit Suchgeduld stößt man hier aber natürlich auch auf knallermäßige Schätze.
Wen trifft man da? Ältere Männer, die verwirrt dreinschauen, vielköpfige Familien mit Migrationshintergrund und die obligatorischen Indiemädchen auf der Suche nach goldenen Bilderrahmen.
Preisniveau: Trügerisch. Klamotten, Schuhe und Kleinkram sind spottbillig – bei Elektroschrott oder vermeintlichen Antiquitäten muss man sich aber vor absurden Abzockversuchen von Seiten älterer Herrengruppen hüten.
Ramschfaktor: Leider hoch. Wird aber durch die massive Größe des Marktes und sein vielfältiges Angebot letztendlich doch in den Hintergrund gedrängt.
Außer einkaufen kann man da: An etwas ranzigen Buden günstige Pommes essen und Fanta trinken. Und die ausgefallenen Flohmarktfunde nachher in den Riem-Arkaden durch ein paar Sachen von der Stange ergänzen.
 
Trödel dich glücklich
Wo, wann und wie oft? In der Tonhalle auf dem Gelände der Kultfabrik. Grob gesagt findet der Flohmarkt einmal monatlich samstags von 17 bis 23 Uhr statt. Die Abstände sind unregelmäßig, am besten unter nachtkonsum.com nachschauen. Nächster Termin ist der 14. Mai.
Was findet man dort? Von – oft auch ungetragenen – Klamotten und Accessoires wie Schmuck, Taschen oder Sonnenbrillen über Platten oder Videos bis hin zu alten Kameras oder den üblichen Antiquitäten ist in der immer vollen, aber trotzdem relativ überschaubaren Halle ist so ziemlich alles aufzutreiben.
Wen trifft man da? Der Altersdurchschnitt ist hier relativ niedrig, man begegnet hauptsächlich Schülern und Studenten. Die Organisatoren selbst sehen ihren Flohmarkt als „kleines gallisches Dorf" im ansonsten vom Mainstream besetzten Gelände der Kultfabrik.
Preisniveau: Hier herrschen normale Flohmarktpreise – aber man muss drei Euro Eintritt bezahlen.
Ramschfaktor: Gering. Trotzdem gibt es einen unvermeidbaren Restbestand an Verkäufern, die mottenzerfressene Lampenschirme oder die von den Enkelkindern verschmähten Spielzeuge an den Mann bringen wollen.
Außer Einkaufen kann man da: Bei einem Bier den Indie- beziehungsweise Alternative- oder Folk-Bands lauschen, die auf der Empore spielen. Noch zwei Vorteile: Man ist bei jedem Wetter im Trockenen und muss nicht früh aufstehen, um die besten Schnäppchen zu ergattern.


Text: jetzt-redaktion - Foto: juri-gottschall

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