„Ich mache mich gerne ein bisschen zum Deppen“

Was hast du denn da an? Wir haben Münchner Faschingsgänger nach ihrem Outfit und dem Sinn des Verkleidens gefragt
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Illustration: Julia Schubert

Julian, 24, studiert Geschichte und Archäologie Was hat dich zum Papageien-Dasein bewegt? Wir, das sind meine fünf besten Freunde und ich, gehen jedes Jahr zum Studentenfasching im Olympiadorf und da brauchte ich eben ein neues Kostüm. Letztes Jahr war ich ein Elch. Mir ist es wichtig, nicht so auszusehen wie alle anderen. Cowboy oder Indianer sind doch langweilig, ich mache mich gerne auch ein bisschen zum Deppen. Verändert Fasching für einen Abend deine Persönlichkeit? Zu Fasching ist man immer unbefangener, weil alles irgendwie nur Spaß ist und jeder in eine andere Rolle schlüpft. Was warst du als Kind zu Fasching? Cowboy und Indianer, abwechselnd. Das haben meine Eltern damals immer bestimmt. Wie ziehst du dich im Alltag an? Unauffällig, keine knalligen Farben oder so. Ich kann das gar nicht benennen, ich ziehe eben irgendwas an. Aber individuell würde ich es schon nennen, es gibt ja nie jemanden, der genau die gleichen Klamotten wie man selbst besitzt.


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Illustration: Julia Schubert

Julia, 23, studiert Mathe Was bist du heute und wo hast du dein Kostüm her? Ich bin Schlumpfine und mein Kostüm habe ich aus der riesigen Verkleidungskiste, die bei den Eltern einer Freundin von mir herumsteht. Wie kamst du auf Schlumpfine? Ich mag die Schlümpfe und fand es lustig, mir mal das Gesicht ganz blau anzumalen. Gehst du regelmäßig zum Fasching? Letztes Jahr war ich auch unterwegs. Als Biene. Aber das war blöd, immer sind mir meine Flügel abgefallen. Fasching ist schon nett, aber ein Fanatiker bin ich nicht. Eigentlich ist das komisch, denn meine Eltern kommen aus Düsseldorf und sind da total in die Karnevalskultur hineingeboren worden. Was warst du denn beim Kinderfasching? Beim ersten Mal war ich ein Pfau, später immer nur noch Vampir. Das war, glaube ich, eine Zeit lang ziemlich in. Wie kleidest du dich sonst? Schon modisch, aber dezent. Ein bisschen sportlich, manchmal elegant, aber nie so, wie man es in Modezeitschriften liest.


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Illustration: Julia Schubert

Alex, 27, Student der freien Kunst Was bist du heute und woher hast du dein Kostüm? Ich bin eine Mischung aus Faun und Teufel. Die Ohren und die Hörner habe ich von einem Piercingladen aus der Müllerstraße im Glockenbachviertel. Mein Jackett ist schon über 30 Jahre alt und noch von meinem Vater. Wieso hast du dir genau diese Verkleidung ausgedacht? Mein Familienname ist Deuble, da lag der Teufel nah. Die Idee, dieses Jahr überhaupt zum Fasching zu gehen, kam von meinem Bruder. Er hat Karten für die „Weißen Nächte“ hier in der Max-Emanuel-Brauerei besorgt. Ich interessiere mich sonst gar nicht so sehr dafür. Hast du denn das Gefühl, du kannst heute Nacht eine Seite an dir ausleben, die du dich sonst eher nicht auszuleben traust? Ja. Man begegnet sich insgesamt viel wertfreier und offener, hat einfach keine Hemmung sich auch mal von einer Seite zu zeigen, die man sonst eben nicht rauslässt – weil es eben verspielt und doof wirken würde. Was warst du denn als Kind beim Fasching? Erst Cowboy und später Roboter. Wie kleidest du dich im Alltag? Ich bin immer sehr schlicht und klassisch unterwegs und trage zum Weggehen gerne auch mal einen Anzug.


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Illustration: Julia Schubert

Julia, 28, Krankenschwester Was bist du heute und wo hast du dein Kostüm her? Ich bin eine Meerjungfrau. Meine Schwägerin hat das Kostüm kürzlich im Internet ersteigert. Wie kam es dazu? Sie hat es eigentlich für sich selbst gekauft, weil sie verkleidungsmäßig zu meinem Bruder – der jedes Jahr als Neptun geht – passen wollte. Der wiederum passte aber auf einmal nicht mehr in sein Kostüm, weil er zu dick geworden war. Also hat sie sein altes Neptun-Kostüm übernommen und das der Meerjungfrau war plötzlich frei. Gehst du denn auch jedes Jahr zum Fasching? Nein! Ich bin ja eigentlich der absolute Faschingsgegner und nur von meinem Freund überredet worden. Obwohl das alles schon extrem lachhaft und albern ist, ist es gar nicht so schrecklich wie erwartet. Eine Weile halte ich es hier wohl noch aus heute Abend. Und wie war das als Kind? Ach, als Kind ist Fasching ja okay. Damals ging ich als Maiglöckchen. Wie kleidest du dich sonst? So als normaler Mensch, meinst du? Da bin ich eine Mischung aus total unmodern und sehr eigenwillig. Ich folge nie irgendwelchen Trends und laufe seit ich 20 Jahre alt bin nur noch in Schlaghosen herum. Ich kaufe nie bei H&M oder ziehe diesen komische 80er-Jahre-Leggins an, ich trage, was mir wirklich persönlich gefällt.


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Bianca, 23 Jahre, arbeitet in einer Bank Als was bist du heute verkleidet und wo hast du dein Kostüm her? Ich bin heute eine Fußballspielerin. Schuhe, Hose und Armbänder sind allesamt aus meinem Kleiderschrank und die Stulpen habe ich von einer Freundin aus dem Frauenfußballverein. Die T-Shirts haben meine Mädels und ich selbst bedrucken lassen. Es gibt also noch mehr von euch? Ja, wir sind insgesamt 13 Freundinnen. Jedes Jahr zu Fasching überlegen wir uns ein einheitliches Motto und kleiden uns dann dementsprechend. Was warst du als Kind zu Fasching? Eigentlich immer Prinzessin und einmal eine Erdbeere. Da habe ich sogar noch das Kostüm zu Hause liegen. Wie ziehst du dich an, wenn nicht gerade Fasching ist? Ich kleide mich immer sehr schlicht und sportlich – die Fußballerin ist jetzt also eigentlich gar kein großes Kontrastprogramm.


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Markus, 28, arbeitet als Unternehmensberater Was bist du heute und woher hast du dein Kostüm? Ich bin Malle-Tourist. Die meisten der Klamotten habe ich tatsächlich beim KIK gekauft, die Kette ist von H&M, die Trainingsjacke aus einem Second-Hand Laden und der Aufklebe-Schnurrbart aus einem Schnurrbartset. Wie kamst du zu deiner Verkleidungsidee? Ich habe vor kurzem Urlaub auf Mallorca gemacht und dort tatsächlich viele Menschen gesehen, die so herumliefen. Nimmst du also regelmäßig am Fasching teil? Ja. Letztes Jahr war ich Vietnamese. Was gefällt dir denn so an Fasching? Man geht doch das ganze Jahr immer auf dieselben Partys. Fasching ist einfach so eine erfrischende Ausnahmeveranstaltung. Man kann sich ganz früh schon Gedanken zu seiner Verkleidung machen und sich dann lange darauf freuen. Es ist eben etwas Besonderes. Welches Kostüm siehst du gerne an Mädchen? Ich finde ja Indianerinnen sehr schick, die gibt es aber leider selten.


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Lisa, 20, englische Austauschstudentin Was bist du heute und woher hast du dein Kostüm? Ich bin ein Baum und habe das Kostüm zu Hause selbstgebastelt. Die Äste aus dem Garten und den Rest aus dem Kleiderschrank. Wie kamst du darauf? Ich habe einfach überlegt, was ich wohl so mit den Sachen, die mir zur Verfügung standen, machen könnte. Und so kam ich schließlich auf den klassischen Baum. Wie gefällt dir der deutsche Fasching? Ich finde es toll, dass so viele Menschen mitmachen. In England gibt es das ja gar nicht. Da haben wir bloß Halloween, die Leute verkleiden sich zwar, sind aber sehr düstere Gestalten. Hier ist alles so bunt und lustig, in der U-Bahn stehen Piraten und Vögel herum. Wie kleidest du dich im Alltag? Ich bin, glaube ich, ein typisches Jeans-und-T-Shirt-Mädchen, ganz einfach. Deshalb gefällt mir Fasching übrigens ja auch so gut – ich habe mir ausnahmsweise mal mehr Gedanken über mein Outfit gemacht.


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Konstantin, 27, arbeitet im Online-Marketing Was bist du heute und woher hast du dein Kostüm? Ich bin ein Marienkäfer und habe mein Kostüm aus dem Kaufhof. Wieso hast du dich für das Marienkäfer-Outfit entschieden? Ich war jetzt seit mindestens 15 Jahren nicht mehr beim Fasching, da musste jetzt erstmal etwas Einfaches, aber trotzdem irgendwie Ausgefallenes zur Wiedereinstimmung her. Was warst du denn als Kind beim Fasching? Fliegenpilz. Jetzt wo du es sagst, ich glaube ich mag Punkte. Wie ziehst du dich im Alltag an? Da ich im Modebereich arbeite, schaue ich schon immer auf die Trends. Welche Kostüme findest du bei Mädchen gut? Da ich ja ein sehr extrovertierter Mensch bin, finde ich das auch bei Frauen gut. Und so ganz spontan würde ich da jetzt mal die typische Krankenschwester nennen.

Text: mercedes-lauenstein - Fotos: Juri Gottschall

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