"Ich war beim Dealen ein Versager"

Donald Trump nannte ihn den "neuen Eminem", dabei wohnte er noch bei Mama: Ein Gespräch mit Mac Miller über seine jüdischen Wurzeln, frühen Ruhm und verbale Kraftmeier.
jonathan-fischer

Malcolm McCormick kommt aus Pittsburgh, Pennsylvania, und hat mit 21 Jahren schon verdammt viele Rekorde angehäuft: Seine Youtube-Seite wurde bisher über 400 Millionen Mal angeklickt, er hat knapp vier Millionen Twitter-Follower und ebenso viele Fans auf Facebook. Sein erstes Album „Blue Slide Park“ schoss als erstes Independent-Album seit den 90ern direkt an die Spitze der Billboardcharts. Jetzt legt der HipHop-Shootingstar nach, sein zweites Album erscheint nächste Woche auf einem Major Label: „Watching Movies With The Sound Off“ ist eine ultra-entspannte musikalische Hängematte zwischen Kiffer-Groteske und anspruchsvollem Space Jazz.  


jetzt.de: Gefällt es dir, von deiner Plattenfirma als „Donald Trumps Lieblingsrapper“ vermarktet zu werden?
Mac Miller: Ach, hör’ mir auf mit Donald Trump. Er hat mir, nachdem mein Song „Donald Trump“ über 72 Millionen Klicks angehäuft hatte, getwittert, ich würde ihm was schulden. Überhaupt nichts schulde ich ihm, ich habe seinen Namen eher zufällig gedroppt.  

Warst du nicht geschmeichelt, dass der Billionär und damalige Präsidentschaftsanwärter der Republikaner sich so für deinen Song interessierte und dich sogar als „neuen Eminem“ bezeichnete?
Ich twitterte, wir könnten mal zusammen ausgehen – aber er hat sich nie gemeldet. Und ich der neue Eminem? Der Typ hat keine Ahnung von HipHop.  

Hast du denn mit Eminem außer der Hautfarbe irgend etwas gemeinsam? Du kommst weder aus dem Trailerpark, noch scheinst du der geborene Provokateur zu sein.
Erstmal sehe mich nicht in der Schublade „weißer Rapper“. Mir geht es um Mac Miller. Und was die Provokation betrifft: Ich bin einfach kein aggressiver Mensch. Lieber gebe ich anderen ein „Thumbs up“, als dass ich ihnen ein „Fuck you“ entgegen schleudere. Nein, ich habe mit niemandem einen Beef, und ich kämpfe nicht gegen andere...  

...sondern nur gegen dich selbst?
Mein letztes Album „Blue Slide Park“ hat schreckliche Kritiken bekommen. Ich wurde als Nachmacher und Studentenverbindungs-Rapper beschimpft – das hat mich übel getroffen. Der Stress war so groß, dass ich am Ende dachte, nur mit Tabletten weiter zu kommen.

Mac Miller, nach eigener Aussage der "coolste jüdische Rapper", wurde mit 19 tablettensüchtig. Kommende Woche erscheint sein zweites Album.

Allerdings bist du aus eigener Kraft von Alkohol- und Tablettensucht wieder runtergekommen und klingst auf dem neuen Album entspannter denn je. Liegt das auch an Los Angeles, wo du jetzt lebst?
Ja, das Wetter hier ist großartig. Jeden Tag Sonne und milde Temperaturen. Bis vor einem Jahr lebte ich noch bei meiner Mutter in Pittsburgh, die hat für mich gekocht, meine Klamotten gewaschen, mein Zimmer aufgeräumt. Los Angeles fühlt sich viel freier an. Und dann hängen in meinem Haus dauernd Typen wie Earl Sweatshirt, Wiz Khalifa und Flying Lotus ab...

...lauter ziemlich bekannte und ziemlich junge Rapper und Produzenten. Ihr raucht also Dope und macht Musik?
Das geht perfekt zusammen. Wir schrauben gemeinsam an den Stücken rum, schieben uns gegenseitig an. Earl Sweatshirt hat viele Tracks für mein neues Album gemacht, Flying Lotus hat ein paar unglaubliche Beats beigesteuert. Am Ende habe ich mich wochenlang ins Studio eingeschlossen, nicht geduscht, nicht rasiert und kaum geschlafen – um alles noch mal nach meiner Vorstellung umzumodeln.  

Deine Lyrics drehen sich um deine Schüchternheit, die Absurdität der Liebe – und immer wieder Dope. Stimmt es, dass du dich selbst mal als Dealer versucht hast?
Ja, aber ich war beim Dealen ein ziemlicher Versager. Ich hatte nicht mal eine Waage. Einmal habe ich irgendwelchen Kindern viel zu viel Geld für das halbe Gramm abverlangt, ein andermal konnte ich meinen Dealer nicht bezahlen – und musste meine Eltern um Hilfe bitten.  

Dafür hast du als HipHop-Geschäftsmann ein umso besseres Händchen. Forbes hat dich in die Liste der 30 erfolgreichsten Musiker unter 30 Jahren aufgenommen. Stärkt das nicht dein Selbstbewusstsein?
Mir ging es nie darum, der Tollste zu sein. Als ich zwölf war, habe ich die Outkast-Platte „Aquemini“ aus dem Zimmer meines Bruders geklaut und tagelang nichts anderes gehört: So ein Gesamtkunstwerk aus absurden Lyrics, überraschenden Beats und merkwürden Klamotten wollte ich auch gerne auf die Beine stellen. Dann habe ich mir das Alter Ego Mac Miller ausgedacht. Das hat mir geholfen, Abstand zu gewinnen. Ich bin schon immer ein introspektiver Typ gewesen, habe mich bisher bloß nicht damit nach vorne getraut.  

Mac Miller – Loud

Da scheinst du ja zusammen mit Typen wie Kendrick Lamar die neue Sensibilität im HipHop zu verkörpern.
Warum sollte ich als Rapper etwas anderes darstellen als abseits der Bühne? Ich habe viel von der Ostküsten-Old School gehört, schätze wortgewaltige Typen wie Big L oder Rakim – aber ich war selbst nie der verbale Kraftmeier.  

Wie passt das dazu, dass du dich als „coolsten jüdischen Rapper der Szene“ beweihräucherst?
Ich habe das nur erfunden, weil Drake sich den „besten jüdischen Rapper der Szene“ nannte. Ein Witz. Vielleicht machen wir ja mal zusammen einen Hanukkah-Song.  

Du hast dir das hebräische Wort für Leben auf deinen linken Arm tätowieren lassen und rappst von deiner Bar Mitzwa. Welche Rolle spielt deine jüdische Herkunft für deine Musik?
Meine Familie mütterlicherseits ist jüdisch. Ich habe das nie verheimlicht – immerhin gibt es doch diese große jüdische Tradition im HipHop. 3rd Bass, die Beastie Boys, The Alchemist... Waren es nicht Juden und Schwarze, die zusammen die amerikanische Popkultur entwickelt haben? Egal, ich stehe jedenfalls zu meiner Herkunft.  

Stehe zu deiner Herkunft und bekenne auf T-Shirts, ein „Nice Jewish Boy“ zu sein – ist das deine Botschaft?
Mit den Botschaften habe ich es nicht. Aber wenn jemand behauptet, meine Texte lieferten nur absurden Kiffer-Mist, antworte ich: Steckt nicht gerade im Absurden ein höherer Sinn? Schau dir mal Typen wie Sun Ra an...

...den legendären Jazzmusiker – du hörst also auch Jazz?
Ja, ich stehe auf Sun Ra, Miles Davis, Pharoah Sanders. Gerade habe ich mir einen Film über Sun Ra angeschaut: „Space Is The Place“. Der komische Typ vom Jupiter mit seiner Bigband in den Weltall-Kostümen. Dieser Scheiß ist so dope! Er kümmert sich nicht darum, was andere erwarten, folgt einfach seiner Kreativität – gibt es ein besseres Vorbild?

Text: jonathan-fischer - Foto: Universal

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