Im Geschwindigkeitstausch - Wie funktioniert eigentlich BitTorrent?

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Ein Torrent ist ein Sturzbach, eine Sturzflut oder ein reißender Strom – BitTorrent kann man also grob als „reißenden Datenstrom“ übersetzen. Und reißend ist auch der Erfolg von BitTorrent: Bram Cohen, 30 Jahre alt und Erfinder des Formats, schätzt, dass bereits ein Drittel des Datentauschs BitTorrent zuzurechnen ist. 45 Millionen User sollen es bereits sein. Das ist allein deshalb recht glaubwürdig, weil BitTorrent vor allem für das Umherreichen von sehr großen Dateien geschickt und vor allem leistungsschonend ist. Wer also eine besonders große Datei hat, die sich besonders großer Beliebtheit erfreut, muss so nicht den kompletten Datenverkehr über seine Homepage abwickeln – und alleine dafür bezahlen. Und das ist es, was BitTorrent auch für Medienunternehmen so interessant macht: die Effizienz. Sehr große Dateien? Ein Schelm, wer dabei nicht auch an Filme, Staffeln von TV-Serien und das neue Album der Arctic Monkeys denkt. Aber BitTorrent, das der Amerikaner Cohen bereits 2001 erfand, versteht sich vor allem als Werkzeug der Meinungsfreiheit, das es jedem ermöglicht, Informationen zu verbreiten. 10 000 User können sich zur gleichen Zeit auf eine Datei stürzen, und BitTorrent funktioniert immer noch sehr gut. Das ist möglich, weil auch bei Usern, die noch nicht die komplette Datei geladen haben, schon wieder runtergeladen werden kann. So werden nicht nur die oft blockierten Downloadkanäle genutzt – sondern auch die oft verwaisenden Uploadkapazitäten. Dafür sucht BitTorrent Dateistückchen bei allen Anbietern der Datei und baut nicht nur eine Verbindung pro Datei auf, sondern ständig neue. Um BitTorrent zu nutzen, muss man einen entsprechenden Client installieren, etwa Bit Comet, Azureus oder Bit Lord. Dieser Client greift auf die .torrent-Dateien zu und wandelt sie um. Und: Manche der Clients können auch das Internet nach den zugehörigen Dateien durchsuchen. Man kann sich aber auch mit Tools wie TorrentSearch durch die BitTorrent-Sites suchen. Manchmal sind die Dateien aber auch einfach im Internet verlinkt – zum Beispiel bietet Pete Doherty seine Sessions im BitTorrent-Format an. Keine Angst: das ist legal. Vieles andere aber nicht. Und das ist es, was BitTorrent für Medienunternehmen auch so bedrohlich mach. Grundsätzlich ist BitTorrent aber, im Gegensatz zu Napster vor Jahren, rechtlich vollkommen unproblematisch. Das Format wird mittlerweile zum Beispiel auch zur Verbreitung von Open-Source-Software, etwa Linux, genutzt. Allerdings wurde in Hongkong im vergangenen November ein BitTorrent-User zu einer dreimonatigen Haftstrafe verurteilt. Er hatte, so die Richter, unter anderem die Hollywood-Filme „Daredevil“, „Red Planet“ und „Miss Undercover“ zum Download zu Verfügung gestellt – und so das Copyright verletzt. Laut der zuständigen Behörde ist dies die weltweit erste Verurteilung eines BitTorrent-Users. Bram Cohen findet das wenig überraschend: „Copyrightverletzungen sind illegal. Ich stelle nur ein Werkzeug zur Verfügung – wenn auch ein sehr leistungsfähiges Mehrzwecktool. Es ist wie bei einem Auto: Sein Hauptzweck ist sehr, sehr nützlich. Aber ein Auto kann auch einen Menschen umbringen.“

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