Interview über Großstadtsurfen: „München ist die beste Surfstadt ohne Meer“.

Am Wochenende suchen die Münchner Großstadtsurfer beim Munich Surf Open die perfekte Welle. Andreas Probst ist im Vorstand des Münchner Vereins der Großstadtsurfer e.V. Er ist gelernter Schreiner, Karosseriebauer und Rettungssanitäter. Mit jetzt.muenchen spricht der 37-Jährige darüber, wie es ist, einen Verein für Menschen zu machen, die für die Behörden lange Zeit gar nicht existierten: Die Flusssurfer.
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Euer Verein ist einzigartig in Deutschland. Wie kommt es eigentlich, dass es nur hier in München einen eigenen Verein für Flusssurfer gibt? München ist weltweit die beste Surfstadt ohne Meer. Als einzige Stadt der Welt gibt es hier zwei stehende Wellen im Stadtbereich, eine am Eisbach und eine an der Floßlände . . . . . . das ist in Thalkirchen, wo die Floße aus Wolfratshausen landen? Genau. In München hat das Flusssurfen auch die längste Tradition: Seit ungefähr 30 Jahren wird auf den Münchner Wellen gesurft. Inzwischen gibt es hier ungefähr 400 Surfer, die Hälfte davon ist in unserem Verein organisiert. Was hat euch veranlasst den Verein Großstadtsurfer e. V. zu gründen? Bevor es den Verein gab, war jeder Münchner Surfer auf sich allein gestellt. Das Problem war: Offiziell existieren als Nutzer auf der Isar nur Flöße, Kajaks und Schwimmer, aber keine Surfer. In Bayern besteht an den meisten Stellen, an denen gesurft werden könnte, aus Sicherheitsgründen ein Badeverbot. Und obwohl sich Surfer sicher in Strömungs- und Brandungsbedingungen bewegen können, in denen sich ein Schwimmer in Gefahr bringen würde, gilt das Badeverbot bei uns auch für die Surfer, da sie ja offiziell nicht existieren. In den meisten Ländern aber, in denen eben viel am Meer gesurft wird, wird in den gesetzlichen Regelungen zwischen Surfern und Schwimmer unterschieden, zum Beispiel in der Form, dass das Surfen noch bei Bedingungen erlaubt ist, bei denen Baden zu gefährlich wäre. Mit dem Verein haben wir jetzt die Möglichkeit, die Interessen der Flusssurfer in München gegenüber den Behörden besser und überhaupt einmal zu vertreten. Was sind denn dann genau die Ziele des Vereins, wofür kämpft ihr? Wir möchten vor allem einmal erreichen, daß auch in Bayern zwischen Schwimmern und Surfern differenziert und unser Sport unterstützt wird. Das Flusssurfen gehört nun mal zu den einzigartigen Attraktionen in München, die Eisbachwelle steht in jedem München-Reiseführer und wärend der Fußball-WM waren täglich neue Fensehteams an der Welle um Bilder vom Flußsurfen um die ganze Welt zu schicken. Also sollte die Stadt eher froh sein, dass es euch gibt? Gibt es etwas angenehmeres für eine Stadt als eine Sportart anbieten zu können, die es fast nirgendwo sonst gibt, die keinen Strom verbraucht und noch dazu regelmäßig die Touristen anlockt? Einen kleinen Erfolg gibt es für uns aber schon: Seit diesem Jahr wird Surfen an der Floßlände in Thalkirchen geduldet und das Verbotsschild, das bisher dort stand, wurde durch ein Schild ersetzt auf dem steht: „Surfen auf eigene Gefahr“ . Am kommenden Samstag veranstaltet ihr dort an der Floßlände auch einen richtigen Surfcontest. Worum geht es da und was wird da passieren? Genau, zum sechsten Mal schon findet dann das „Munich Surf Open“ statt. Ab neun Uhr treten dabei 50 Teilnehmer in den Kategorien „Open Men“, „Open Women“ und „Under 18“ gegeneinander an. Das ganze ist aber natürlich ein Fun Contest, es geht uns in erster Linie um den Spaß und die Unterhaltung beim Flusssurfen. Der Contest läuft den ganzen Samstag, es gibt Barbecue, eine Foto-Ausstellung, ein Graffittikünstler malt für einen guten Zweck und die Band The Speedfires spielt live auf der Bühne. Das „Quiksilver Munich Surf Open 2006“ findet am Samstag, 22. Juli, an der Floßlände in Thalkirchen statt. Beginn ist um 9 Uhr, der Eintritt ist frei. Mehr Informationen über den einzigartigen Verein der Münchner Flusssurfer gibt es auf der Homepage grossstadtsurfer.de

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