Kampf dem Klangteppich

Am Mittwoch startet die WDR-Jugendwelle Eins Live ein neues Radioangebot im Internet, das sich an ein junges kulturinteressiertes Publikum richten will: Eins Live Kunst. jetzt.de sprach mit Eins Live-Programmchef Jochen Rausch.
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Was kann man auf Eins Live Kunst im Internet hören? Vor allem aktuelle Kulturberichterstattung: Theaterpremieren werden besprochen, neue Bücher oder neue Filme. Es wird nicht so sehr um Hochkultur gehen, aber eine Debatte wie die über die Absetzung der Mozart-Oper „Idomeneo“ in Berlin, würde natürlich auftauchen. Diese Themen wollen wir mit anspruchsvoller Popmusik verbinden. Was für Bands kann man denn hören? Coldplay ist schon das Kommerziellste, was wir spielen. Wir wollen unbekannte Bands und ihre Alben vorstellen. Im Rockbereich wäre das vielleicht eine Band wie „Panic! At The Disco“. Das Musikprogramm soll für Leute sein, die wirklich an Musik interessiert sind und darüber etwas erfahren wollen, keinKlangteppich, der vor sich hin dudelt.

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Illustration: Julia Schubert

Wird es auch Band-Interviews geben? Im Wesentlichen wollen wir aus unserer Kulturwelle WDR 3, aus anderen Kultursendungen und von Eins Live die interessantesten Beiträge und Themen rausfiltern, sie ein wenig bearbeiten und dann in einem völlig anderen Kontext noch einmal senden. Da bei Eins Live aber viele Interviews mit Bands laufen, werden die sicher auch im Internet auftauchen. Es geht uns aber nicht darum, einen neuen Sender zu eröffnen. Es wird jeden Tag auch nur vier Stunden aktuelles Programm geben, das wir danach wiederholen. Das Neue daran ist, dass klassisches Kulturradio mit Musik und Moderationen verbunden wird, die eine deutlich jüngere Zielgruppe ansprechen. Wie kommt es, dass man plötzlich ein junges kulturinteressiertes Publikum als Hörergruppe entdeckt? Die hat es natürlich immer gegeben. Kulturradio wird bisher nur in Verbindung mit klassischer Musik definiert oder mit Jazz. Für Jazzmusik interssieren sich aber gerade ein Prozent der Hörer. Eine Kombination mit junger Popkulturmusik gibt es bisher nicht. Wir glauben, dass in den etablierten Kulturwellen Beiträge laufen, die auch junge Leuteinteressieren. Die schalten sie aber nicht ein, weil dort Klassik läuf oder Jazz. Eins Live hat laut der letzten Mediaanalyse vom Juli bei den 14- bis 29-Jährigen 6 Prozent Hörer verloren. Ist Eins Live Kunst darauf eine Reaktion? Das Problem ist, dass die Älteren heute alle jung bleiben wollen. Deshalb liegt der Altersschnittvon fast jedem jungen Radio bei etwa 30. Das gerade die 20 bis 29-Jährigen schwer zu erreichen sind, liegt auch daran, dass es durch Internet und Podcasting andere Wege gibt, an neue Musik zu kommen. Einen Musikinteressierten erreiche ich mit dem Eins Live Hauptprogramm nicht, weil wir ein möglichst breites Publikum erreichen wollen. Da landet man natürlich beim Mainstream. Genau das stellt das Internet auf den Kopf. Man kann sich dort als Hörer viel mehr spezialisieren. Darauf müssen Antworten finden und Eins Live Kunst sehe ich als eine. Wohin muss junges Radio entwickeln, damit man die Hörer wieder erreicht? Auf der einen Seite gibt es Leute, die ganz traditionell Radio hören und sich nicht stundenlang Podcasts zusammen stellen wollen. Gleichzeitig müssen wir Angebote für die bieten, die darüber hinausgehen. Da ist Eins Live Kunst ein Zwischenschritt. Für uns ist das Internet eine wichtige Plattform. Es ist uns allen klar, dass für dieJungen der Empfang von Radio über UKW nur eine Möglichkeit ist. Wir müssen bei den anderen Sachen auch mitspielen. Logo: Eins Live

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