Karriere oder Theater machen? Bernhard besucht das „Munich Art Lab“

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"Vom Leibniz Kolleg hatte ich während der Oberstufe gehört. Eine Freundin hatte begeistert von dem einjährigen Studium erzählt, bei dem man Einblick in verschiedene Fächer bekommt und gemeinsam im Kolleg lebt. Man bekommt dort Orientierung für das Studium. Nach dem Zivildienst habe ich mich beworben und bin zum Auswahlgespräch nach Tübingen eingeladen worden. Zu dem Zeitpunkt hätte ich auf jeden Fall gesagt: Ich will dahin. Aber nach dem ersten Termin, bei dem über die Bewerber beraten wird, war noch nicht klar, ob ich aufgenommen würde. Ich habe sehnsüchtig auf eine Nachricht gewartet, aber mich auch nach Alternativen umgesehen, falls es nicht klappt. Über eine Freundin habe ich vom International Munich Art Lab gehört, einem Projekt für junge Menschen, die gerne mal Kunst und Theater ausprobieren möchten. Seit der Gründung 1999 sind dort drei Stücke entstanden, zum Beispiel die erfolgreiche „Westend Opera“.

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Illustration: Julia Schubert

Bernhard Kreutzer. (Foto: privat) Gleich von Anfang an habe ich die Faszination gespürt, die für mich von diesem Projekt ausging. Wenn du die Leute siehst, wie die auf der Bühne stehen und singen und tanzen – das ist Wahnsinn. Theater hatte ich zuvor nur in der Schule gespielt. Damals hatte ich Probleme damit, ich kam mit meiner Klasse nicht klar und es war sehr schwierig, mit denen auf der Bühne zu stehen. Jetzt macht es sehr viel mehr Spaß. Toll finde ich, das jeder mitmachen kann, der zwischen 16 und 25 Jahren ist. Für die Bewerbung kannst du vortanzen, singen, ein Instrument spielen oder Akrobatik vorführen. Ich habe Bilder, Kurzgeschichten und Gedichte mitgebracht. Außerdem habe ich ein Lied auf der Gitarre gespielt und gesungen. Seit Juli 2006 bin ich dabei. Es war die Entscheidung, in die künstlerische Richtung zu gehen und ich bereue sie nicht. Das Leibniz Kolleg wäre sicher nicht falsch gewesen, aber dadurch wäre mein Leben mehr in Richtung Studium und Karriere gegangen. Das Art Lab dagegen steuert dem klassischen Studium zu Karrierezwecken entgegen, könnte man fast sagen, und geht in Richtung Schauspielschule und Theaterakademie. Besonders die Anfangszeit war beeindruckend, man lernt so viel. Schon am ersten Tag habe ich angefangen, Dinge wie einen Flickflack zu lernen, auch wenn der bis heute noch nicht klappt. Die erste Aufgabe war das Stück „System Error“, das wir am Dienstagabend zum ersten Mal aufführen. Es ist gut geworden, wie ich finde, und sehr politisch (Premiere heute Abend im Theaterzelt „Das Schloss“; siehe auch systemerror.info). Zum Beispiel waren wir zu fünft als Clowns auf den Sicherheitskonferenzprotesten. Die Idee dahinter – kreativer, gewaltfreier Protest im Clownskostüm – kommt aus Großbritannien. Mit der roten Nase hatten wir ganz andere Möglichkeiten als normale Demonstranten. Als ein Gerangel zwischen Schwarzem Block und Polizisten begann, haben wir eine Polonaise zwischen den beiden Gruppen gemacht. Uns fiel auf, dass das genau zu unserem Stück passt, bei dem es auch um eine Gruppe politisch aktiver junger Menschen geht. Also haben wir jemanden mitgenommen, der uns gefilmt hat. Filmausschnitte sind auf der Bühne zu sehen und Szenen, die sich ereignet haben, werden im Stück umgesetzt. Auch wenn vom Leibniz Kolleg noch eine Zusage kam – meine Entscheidung fürs Theater war richtig. Ich will weitermachen, vielleicht ein neues Stück schreiben, Regiehospitanzen machen und was eigenes auf die Beine zu stellen.

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