Kellner-Kolumne (2): Patrick über seinen Job im Münchner Atomic Café

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Was macht einen angenehmen Gast aus? Ein angenehmer Gast ist höflich, das heißt, er kann bitte und danke sagen und im besten Fall sogar lächeln. Er sollte sich nicht zu wichtig oder unwichtig nehmen.

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Illustration: Julia Schubert

Rauchverbot – was denkst du darüber? Das wäre mir ganz recht. Blöd wäre nur, wenn die Hälfte der Gäste dann vorm Laden rumlümmelt und die Nachbarn sich darüber aufregen müssen. Gibt es Konsum-Trends oder neue Tendenzen im Ausschank, die du beobachtest? Naja, also, wenn’s mal einen großen Film im Kino gibt, in dem der Held ständig einen bestimmten Drink in der Hand hat, dann gibt’s Nachahmer. Der Dude in „The Big Lebowski“ mit seinem White Russian ist da ein Beispiel. Da hab ich ne Frage: Trinken die Damen in „sex and the city“ eigentlich Cosmopolitans? Da würde sich mir einiges erklären... Ansonsten trinken die Leute nach wie vor Bier und Longdrinks, wohl je nach Geldbeutel und Toleranz. Die höchste Zeche, die du je kassiert hast? Ungefähr 300 Euro, aber genau weiß ich das nicht mehr. Der Satz, den du nicht mehr hören kannst? Ab und zu nörgelt jemand wegen des Bierpreises. Aber es ist doch naiv zu glauben, man bezahlt nur für den Inhalt der Flasche. Der Unterschied zwischen einem Getränkemarkt und einem Club wie unserem ist offensichtlich und auch der Vergleich mit anderen Läden, wo es vielleicht 20 Cent günstiger ist, hinkt manchmal. Auf jeden Fall wollen wir niemanden ausnehmen, sondern haben einfach hohe Kosten wie Miete, Konzerte und tausend Sachen, die sich gar keiner vorstellen will. Schon mal Prominente bedient? Wie war’s? Prominente sind auch bloß Menschen. Unsere sind ganz nett, die wissen das auch. Wie sieht deine Arbeitskleidung aus? Das Bild, das der Barkeeper abgibt, ist schon wichtig, er ist ja schließlich der sichtbare Gastgeber und hantiert noch dazu mit Lebensmitteln. Also Löcher im T-Shirt gehen nicht. Bestimmte Vorgaben gibt’s bei uns aber nicht. Wie sieht deine Wunsch-Kneipe aus? Mit dem Atomic Café bin ich zufrieden. Ich wüsste keinen anderen Club, in dem ich gern arbeiten würde. Hast du dich schon mal in einen Gast verliebt? Da war letztens dieses bezaubernde ausländische Mädchen, das blinzelte und sagte: “Aben...Sie eine...Karte von Cocktail...?“ Die hätte ich auf der Stelle geheiratet. Dein größtes Missgeschick? An meinem ersten Arbeitstag, eigentlich in den ersten zehn Minuten, habe ich einen Stapel Becks-Kästen umgeschmissen. Hast Du schon mal von einer Bestellung abgeraten? Klar, wenn ein Gast nur geraten hat, welcher Cocktail ihm schmeckt, muss ich eingreifen. Kleine Früchtchen zum Beispiel werden mit einem Herrengetränk wie dem Old Fashioned nicht glücklich. Wie rufe ich einen Kellner, ohne dass es unhöflich wirkt? Es kommt auf den Ton an - solange der zivilisiert ist, kann man mich rufen, wie man will. Foto: Jan Stremmel Hier geht es zu Teil eins der Kellner-Kolumne

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