Kellner-Kolumne (3) im Edelrestaurant: Tellertaxen und einfache Produkte

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1. Was macht einen angenehmen Gast aus? Sachen, die ein Gast auch von mir erwartet. Also Freundlichkeit, Zuvorkommenheit und vor allem Gepflegtheit. Es ist nicht gerade schön, den Abend mit einem stinkenden, nach Schweiss riechenden Menschen zu verbringen. Außerdem Respekt gegenüber mir und meinem Beruf. Und am besten sind Gäste, die schätzen, was ich für sie leiste.

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Illustration: Julia Schubert

2. Rauchverbot: Was denkst du darüber? Wäre eine enorme Arbeitserleichterung für mich (das lästige Aschenbecher wechseln entfällt), und gesundheitlich höchstwahrscheinlich besser. Da ich jedoch selber rauche, denke ich, es würde reichen, wenn die Raucher einfach von sich aus Rücksicht nehmen würden, und sich nicht unbedingt eine Zigarette anzünden, wenn jemand einen halben Meter neben ihnen isst. Das Problem ist meiner Meinung nach nicht die Zigarette zum Kaffee, sondern das sind Leute, die während eines dreistündigen Essens 15 Zigaretten rauchen. 3. Gibt es Konsum-Trends, die du beobachtest? Die Gesellschaft teilt sich in diejenigen, die gerne viel Geld für Qualität ausgeben und einfach an gutem Essen und guten Getränken interessiert sind und diejenigen, die leider Ihren Geschmacksinn verkümmern lassen und kein Geld für gute Produkte ausgeben, weil sie eh keinen Unterschied merken. Ich denke aber, dass bei ersteren der Trend zurück zu einfachen Produkten geht und weg von Schicki-Micki-Produkten. 4. Die höchste Zeche, die du je kassiert hast? Einmal für eine Person mehr als meinen Nettolohn. Könnte vielleicht von einigen schon als dekadent bezeichnet werden. Aber naja, wer kann, der kann. Ist in Ordnung für mich, wenn der Gast Ahnung davon hat, was er konsumiert (meist Weine) und es nicht nur zum Angeben macht. 5. Der Satz, den du nicht mehr hören kannst? „Ist der Chef da?“ bei Kleinigkeiten wie Tischreservierungen. Der Chef kann auch nicht mehr Tische als ich vergeben. Und bei der Reservierung der Satz „Ich möchte aber einen schönen Tisch“. 6. Schon mal Prominente bedient? Wie war’s? Schon öfter, aber Promis sind auch nur Menschen. Vor allem echte Promis sind meist sehr unkompliziert und zuvorkommend. Am interessantesten war es für mich während des G8-Gipfels 2005 in Schottland. Acht „Worldleader“ zusammen mit der Queen bedient man doch eher selten. Die waren alle sehr nett. 7. Was lernt man beim Kellnern? Menschenkenntnis, dass der Schein manchmal trügt, Nervenstärke und Belastbarkeit, Flexibilität und natürlich auch ein paar Fachkenntnisse... 8. Wie viel Trinkgeld gibst du selbst? Wenn ich mit dem Gesamtprodukt zufrieden bin mindestens acht oder zehn Prozent, oft aber auch mehr. 9. Was machst du, wenn du dich über einen Gast ärgerst? Ich explodiere innerlich, bin jedoch äußerlich extra freundlich und zuvorkommend, so dass ich keine Angriffsfläche biete. 10. Wie sieht deine Arbeitskleidung aus? Schwarz-weiß. Man sollte nie besser angezogen sein als seine weiblichen Gäste, schließlich möchte man, wenn man essen geht, im Mittelpunkt stehen. 11. Größtes Vorurteil über Kellner? Kellner wären dumm und nur „Tellertaxen“. Die meisten Kellner haben sehr viel Allgemeinbildung und Menschenkenntnis und könnten auch in anderen Berufen arbeiten oder studieren. Sie lieben aber ihren Beruf. 12. Dein größtes Missgeschick? Eigentlich einige. Wie zum Beispiel Latte Macchiato über Gast verschüttet, meinem damaligen Hoteldirektor in einem 5-Sterne-Hotel korkigen Champagner ausgeschenkt, vorm Gast beim Flambieren ein „Crèpe Suzette“ verbrannt, ein Tablett mit 20 vollen Bellinis fallen lassen (aber damals wurde ich geschubst) und noch einiges mehr. Bin aber immer glimpflich davon gekommen. Foto: jan-stremmel

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