Komm' und tausch' ein Lied mit mir

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Auf ciiju.de kann man legal Musik tauschen. Wie? Boris Blum-Oeste gehört zu den Machern des Göttinger Start Ups und erklärt das Freunde-Konzept. jetzt.de: Überall liest man, dass Tauschbörsen verboten werden müssen. Ihr aber habt ein Start Up gegründet, das eine Tauschbörse ist. Wie geht das? Boris: Dazu muss man wissen, dass ciiju.de auf einem wirklichen sozialen Netzwerk aufbaut. Wir sind also eine Tauschbörse, in der die Nutzer ein echtes soziales Band verbindet. Und das ist etwas völlig anderes als bei den Peer-to-Peer-Netzwerken von denen du sprichst. jetzt.de: Wieso? Boris: Dort tauschen Leute anonym Musik, die sich gar nicht kennen. Der rechtliche Rahmen in Deutschland sieht aber vor, dass nach Paragraph 53 des Urheberrechtsgesetzes ein Tausch so lange legal ist, wie er im engen persönlichen Kreis stattfindet, wenn also das persönliche Band vorhanden ist. jetzt.de: Bei ciiju.de kann ich also nur meinen direkten echten Freunden Musik zur Verfügung stellen? Boris: Genau. In der Grundfunktionalität hat man einen gewissen Speicherplatz, auf den man Musik laden kann, die man legal erworben hat. Was nicht geht, ist, dass man kopiergeschützte Musik dort einstellt. Das wäre ein Umgehen des Kopierschutzes und somit verboten. jetzt.de: Nehmen wir an, ich habe ein Album hochgeladen – wie geht es weiter? Boris: Ich würde jetzt bei dir im Profil schauen, welche Songs mir gefallen. Die kann ich tauschen. Die Lieder erscheinen dann in meinem Musikportfolio und von dort kann ich sie downloaden. Dieser Tauschprozess ist auf insgesamt sieben Tauschvorgänge pro Song beschränkt. jetzt.de: Wieso sieben? Boris: Es wird in der juristischen Literatur und in der Rechtsprechung davon ausgegangen, dass nach sieben Kopien von einer Datei auch mit der Privatkopie Schluss sein muss. Daran halten wir uns natürlich. jetzt.de: Habt Ihr keinerlei rechtliche Bedenken? Boris: Nein. Wir haben uns von einem renommierten Urheberrechtsexperten beraten lassen. Deshalb werden wir mit ciiju weiter machen – selbst wenn die Musikindustrie sich nicht überzeugen lässt.

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Illustration: Julia Schubert

jetzt.de: Gibt es von deren Seite Kritik? Boris: Wir hatten bereits Kontakt zu den größeren Plattenfirmen. Die waren skeptisch, stehen uns aber konstruktiv wohlwollend gegenüber. jetzt.de: Ärgern die sich nicht über euer Angebot? Es entgeht den Plattenfirmen ja Umsatz, wenn sieben Leute weniger eine CD kaufen. Boris: Na, das stimmt ja nicht ganz. Es ist so, dass viele Leute gar nicht gewillt sind, für Musik zu bezahlen. Man kann nicht unterstellen, dass die Leute Musik kaufen würden, wenn es die kostenlose Alternative im Netz nicht geben würde. Wir glauben sogar, dass ciiju sie erst wieder dazu bringt, sich Songs zu kaufen. jetzt.de: Wie das? Boris: Wir wollen die Leute erreichen, die sich noch illegal verhalten und nach einer legalen Möglichkeit suchen, die ihnen entspricht. Unser Ziel ist es, sie zurück in den Markt zu holen. Viele sind einfach nicht bereit, 99 Cent für einen Song zu bezahlen. Da steigen wir ein. Denn wenn ich Songs tauschen kann, sinkt der subjektive Preis, den ich für ein Lied bezahlen muss: Ich kaufe einen Song, bekomme dafür aber von anderen auch Lieder. jetzt.de: Den eingetauschten Song könnte ich auch wieder tauschen, oder? Boris: Um einen Dominoeffekt, also eine Kopie von der Kopie zu vermeiden, haben wir beim Fraunhofer-Institut ein Wasserzeichen eingekauft, das dies verhindern soll. Bei uns ist nur ein Tausch in erster Instanz möglich. Ich kann also nur von direkten Freunden Lieder tauschen. jetzt.de: Muss ich tauschen oder kann ich auch einfach nur runterladen? Boris: Man kann ciiju auch so nutzen, dass man lediglich Songs runterlädt und nichts selber einstellt. Wir sprechen aber hier von echten Freundschaften und da stellt man sich schon die Frage: Wenn einer nur runterlädt und nichts selber zur Verfügung stellt – ist das dann wirklich eine Freundschaft? jetzt.de: Wie seid ihr auf die Idee zu dieser Tauschbörse gekommen? Boris: Die Idee zu ciiju beruht auf Ergebnissen im Rahmen der Forschung zu digitalen Medien an den Wirtschaftsinformatik-Instituten der Uni Göttingen. Da ging es um illegales Verhalten in Peer-to-Peer-Netzwerken und wir haben versucht, aus diesen Ergebnissen ein Geschäftsmodell abzuleiten, das es erlaubt, die Tauschvorgänge legal in einer Plattform abzubilden. jetzt.de: Verdient ihr Geld damit? Boris: Zum einen gibt es Premium-Accounts, für die man als Nutzer zahlen muss, um zum Beispiel mehr Speicherplatz zu haben. Zum anderen verdienen wir durch klassischen E-Commerce. Schon jetzt kann man Musik in ciiju auch kaufen – und auch Ticketverkauf zu Konzerten wird kommen.

Text: dirk-vongehlen - Illustration: Judith Urban

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