Maccabi München ist schon seit 16 Jahren mein Verein. Früher habe ich Fußball und Tennis gespielt, inzwischen nur noch Fußball. Am wohlsten fühle ich mich im Mittelfeld, ich bin Rechtsfuß. Meine Spezialität sind Freistöße, am liebsten Vollspann flach ins Eck. Mein bisher größter Erfolg war, dass ich bei der Maccabiah – das ist die größte jüdische Sportveranstaltung der Welt, so etwas wie Olympische Spiele für Juden – 20 Minuten für Deutschland gegen Frankreich gespielt habe. Ich hoffe, wir schaffen es bald, bei uns draußen in Riem einen großen Fußballplatz zu bauen. Die Pläne gibt es, bebaubarer Grund wäre auch da, aber am Geld fehlt es leider. Weder der Deutsche Fußballbund (DFB), noch der Bayerische Fußballverband oder die Israelitische Kultusgemeinde in München haben bisher finanziell helfen können. Die Kultusgemeinde hat alle Kräfte auf das Neue Jüdische Gemeindezentrum am Jakobsplatz konzentriert. Das bedeutet, dass wir keinen eigenen Heimplatz und erst mal weiter immer nur Auswärtsspiele haben – in Sendling, im Hasenbergl oder wo gerade ein Platz frei ist.

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Patrick beim Training auf dem Vereinsgelände Trotzdem hat sich auf dem Vereinsgelände von Maccabi in den letzten zwei Jahren viel getan. Die Anlage wurde ausgebaut und es gibt mittlerweile viel mehr Angebote für Kinder und Jugendliche. Damit sind wir sehr erfolgreich, die Mitgliederzahl ist deutlich gestiegen, wir haben jetzt schon über 700 Aktive und viele freiwillige und ehrenamtliche Helfer. Geschenke an acht Tagen Das Besondere an Maccabi München ist, dass wir ein jüdischer Sportverein sind: Im Vereinsheim gibt es koscheres Essen und an jüdischen Feiertagen werden die Punktspiele verlegt, stattdessen feiern wir manchmal gemeinsam auf dem Vereinsgelände. Wir spielen auch nur am Sonntag, da der Shabbat (Freitagabend bis Samstagabend) ein hoher jüdischer Feiertag ist. Auch wenn die meisten Spieler bei uns nicht religiös sind, wird auch auf die Minderheit und die Tradition geachtet. Maccabi will die Menschen zusammenbringen. Mein Vater sagt: Das Beste, was man dafür machen kann ist Sport, weil Sport verbindet. Da hat er recht. Inzwischen ist etwa jeder Vierte unserer mehr als 700 Mitglieder nichtjüdisch. Ich trainiere die G- und die F-Jugend, also die etwa Vier- bis Achtjährigen. Ich weiß nicht mal, welches Kind zu welcher Religion gehört. Ich frage vorher ja nicht: „Bist du Jude?“ Für die Kinder ist das auch nicht wichtig, die haben keine Vorstellung davon, was das ist, ein Christ oder ein Jude. Ich habe als Kind auch immer mit nichtjüdischen Kindern in der Mannschaft gespielt und habe mich nicht weiter dafür interessiert. Erst als ich zwölf oder dreizehn Jahre alt war, habe ich angefangen zu fragen, wie das denn so ist bei den anderen mit Feiertagen und Geschenken. Und umgekehrt haben sie mich gefragt, ob wir auch Weihnachten feiern und dann waren sie neidisch, weil man bei Chanukka, dem jüdischen Lichterfest im Dezember, an acht Tagen lang Geschenke bekommt und an Weihnachten nur an zwei. So haben sich Freundschaften gebildet. Vor ein paar Wochen haben wir einen neuen Sechsjährigen dazubekommen, der ist nichtjüdisch. Beim Training hat er plötzlich andere Spieler als „Scheißjuden“ beleidigt. Da hab ich ihn zur Seite genommen und wollte wissen, woher er das hat. Das konnte er nicht beantworten, er hätte das einfach nur so gesagt. Ich habe ihm erklärt, dass es keine Unterschiede zwischen Juden und Nichtjuden gibt, dass wir alle in einer Mannschaft spielen und manche einfach nur eine andere Religion haben. Zuerst war er glaube ich geschockt, dass ich ihn darauf anspreche, er wusste gar nicht, was ich von ihm wollte. Am Ende hat er es dann verstanden. Ich selbst habe in München kaum Erfahrungen mit Antisemitismus gemacht. Wenn ich eines meiner T-Shirts mit dem Davidstern oder mit Sprüchen auf Hebräisch trage, habe ich zwar auch schon mal „Scheißjude“ gehört oder wurde angerempelt. Aber das ist die absolute Ausnahme. In meiner Klasse auf der FOS für Sozialwesen wissen alle, dass ich jüdisch bin, da hat keiner ein Problem damit. Im Spaß kommt manchmal ein Spruch, so nach dem Motto: „Ja ja, der Jude war’s!“, wenn irgendwer etwas angestellt hat. Das ist aber nicht böse gemeint, sondern nur eine Stichelei. Am Anfang hat mich das aber gestört. Damals habe ich auch noch jedes Mal ein bisschen aggressiv reagiert und versucht zu erklären, dass ich mich davon angegriffen fühle. Aber da war ich noch jung. Irgendwann hab ich dann verstanden, dass es nur Spaß ist, dass es ja außerdem meine Freunde sind und dann hat es auch nachgelassen. Am Anfang habe ich einfach die Grenze zwischen Spaß und Ernst nicht so richtig einschätzen können. Sobald die Leute hören, dass ich Jude bin, sagen viele: „Ah, du kommst also aus Israel.“ Dabei bin ich in München geboren und aufgewachsen und auch meine Familie ist aus München. Wenn ich ihnen erkläre, dass Judentum zwar meine Religion ist, ich aber Münchner bin, dann sagen sie: „Aber du musst doch in Israel wohnen!“ Manche Leute sind einfach unglaublich engstirnig. In München schaut auch jeder, wenn ich mit der Kippa, der jüdischen Kopfbedeckung, rumlaufe. Da müsste ich zwar im Grunde drüberstehen, aber mich stört es trotzdem. Daher trage ich die Kippa auch nur, wenn ich an hohen Feiertagen in die Synagoge gehe. Karten für die Eröffnung Ich bin traditionell erzogen worden. Die jüdischen Feiertage begehen wir in der Familie gemeinsam und auch am Freitag Abend, am Shabbat, sitzen wir zusammen, die ganze Familie, Großeltern, manchmal auch die Tanten. Dann halten wir den Shabbat zwar nicht so, dass wir kein Licht machen und nicht fernsehen, aber wir essen gemeinsam, zünden die Kerzen an und sprechen den Kiddusch, einen Segensspruch. Mir gefällt, dass wir als Familie durch die Religion dann doch etwas Zeit zusammen verbringen, gerade in der heutigen Zeit, in der das Familienleben immer mehr schwindet, sind die jüdischen Feiertage richtige Familienzusammenkünfte. Auf die neue Synagoge freue ich mich und bei der Eröffnung werde ich mit meinem Vater sogar dabei sein. Wir haben zum Glück noch zwei Karten bekommen. Ich finde es schön, dass es jetzt wieder etwas repräsentatives Jüdisches mitten in der Stadt gibt. Vor dem Krieg waren die Synagogen in Deutschland auch nicht unsichtbar oder an den Rand der Stadt gedrängt, wie sie es jetzt oft sind. Ich glaube, dass es für die Gemeinde gut ist und auch für die nichtjüdischen Münchner. Die Menschen können kommen, Fragen stellen, sich umsehen. Wenn Juden und Nichtjuden so zusammenkommen, kann man etwas gegen Ängste und Vorurteile tun, weil sie sich gegenseitig kennen lernen und Zeit zusammen verbringen. Also genau das, was wir auch bei Maccabi München machen. Foto: Caroline v. Lowtzow