"Mein Styling soll neue Perspektiven eröffnen"

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1. Anna, 21, studiert Kunstgeschichte und Archäologie

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Was trägst du heute und erinnerst du dich noch, wie viel es einmal gekostet hat? Die Schuhe sind von dem schwedischen Label Minimarket und haben 200 Euro gekostet. Der Rest ist komplett von Zara, die Hose hat 50 Euro, das Shirt 40 Euro und der Mantel 70 Euro gekostet. Erinnerst du dich wann du angefangen hast, bewusst eine Art Stil zu entwickeln? Ich würde sagen das war so mit 14 Jahren, als ich angefangen habe, die Vogue meiner Mutter zu lesen. Aber eigentlich ist dieser Stilfindungsprozess noch lange nicht abgeschlossen, ich probiere mich gerne aus. Kannst du trotzdem sagen, was deinen Stil auszeichnet? Worauf achtest du besonders bei der Auswahl deiner Klamotten? Ich kaufe tatsächlich einfach, was mir gefällt. Farblich stehe ich da eher auf gedecktere Töne. Ich mag klare, raffinierte Schnitte mit interessanten Details. Zur Zeit versuche ich mehr Wert darauf zu legen, mich mit zeitlosen Klassikern einzudecken. Eine Lederjacke, einen Trenchcoat und ähnliches, das kann man immer gut kombinieren. Was bedeutet die Berlin Fashion Week für dich? Natürlich versuche ich auf so viele Shows wie nur möglich zu gehen. Ich genieße es, mich für meinen Blog Reigen (reigen.tumblr.com) und auch persönlich inspirieren zu lassen. Man muss aber leider sagen, dass es in Berlin generell eigentlich gar nicht so sehr um die Shows an sich geht, die größere Rolle spielt meinem Empfinden nach eigentlich das Leute treffen, Kontakte knüpfen, Sehen und Gesehen werden. Ohne welches Kleidungsstück kannst du nicht leben? Das ist tatsächlich das gute alte Kleidchen. Das kleine Schwarze. Wie sieht deine Trendprognose für die Zukunft aus? Das ist schwierig, zur Zeit mischt sich sehr viel. Ich kann eigentlich nur sagen, was bleibt. Und das sind definitiv Plateauschuhe, Schulterpolster und Skinny Jeans. *** 2. Gérald, 30, Kostümdesigner

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Was trägst du heute und erinnerst du dich noch, wieviel es einmal gekostet hat? Das ist einfach: die Schuhe sind von Y-3 und waren sicherlich unglaublich teuer, zum Glück habe ich sie aber geschenkt bekommen. Die Hose und das T-Shirt hat mir ebenfalls eine Freundin geschenkt und das goldene Jackett habe ich selbst entworfen und genäht. Die Kette ist von meiner Uroma und den Ring habe ich auf dem Dachboden gefunden. Erinnerst du dich wann du angefangen hast, bewusst eine Art Stil zu entwickeln? Ja, das war ungefähr mit zehn Jahren. Damals bin ich immer wie ein kleiner Matrosenjunge rumgelaufen, Uniformen haben mich fasziniert. Das hält immer noch an, nicht umsonst bin ich Kostümdesigner geworden. Was zeichnet deinen Stil aus und worauf achtest du besonders bei der Auswahl deiner Klamotten? Ich experimentiere gerne, benutze klare, schlichte Basics und ironische, auffällige Details. Im Englischen würde ich es meinen Stil als Funny/Nervous bezeichnen. Ich begreife Mode als Kunst. Was bedeutet die Berlin Fashion Week für dich? Arbeit, Arbeit, Arbeit. Ich habe hier im HBC die Uniform der Platzanweisungen entworfen, treffe viele Leute, schließe viele Bekanntschaften. Ganz ehrlich: Ich freue mich am meisten auf den Moment, in dem das alles vorbei ist und ich ins Bett fallen kann. Ohne welches Kleidungsstück kannst du nicht leben? Ich liebe meine Nike Air Max Classics, Silver Reflector. Ohne die kann ich wirklich nicht, ich kaufe sie ständig neu, wenn ein Paar kaputt ist. Wie sieht deine Trendprognose für die Zukunft aus? Ich glaube es wird viel Dunkelheit in die Mode kehren, dieser Witwen- und Funeralstyle ist jetzt immer häufiger zu sehen.


3. Annika, 21, Filmstudentin

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Was trägst du heute und erinnerst du dich noch, wieviel es einmal gekostet hat? Die Schuhe sind Vintage, 60 Euro. Meine Hose ist von American Apparel, 70 Euro. Das weiße Shirt ist von COS, 40 Euro. Der Mantel von einem Designer aus Tokio, 380 Euro. Die Strickjacke unter dem Mantel ist von Mutti, mein Tuch vom Kleidermarkt für 10 Euro. Die goldene Kette aus Istanbul, ebenfalls 10 Euro. Die Tasche gehörte einmal meine Opa, die Mütze meiner Oma. Die braunen Lederhandschuhe sind von meiner Mutter. Erinnerst du dich wann du angefangen hast, bewusst eine Art Stil zu entwickeln? Da meine Eltern mir nie vorgeschrieben haben, was ich anzuziehen habe, hat das schon sehr früh begonnen. Dabei kann ich natürlich viele Fehltritte, wie zum Beispiel dumme-Sprüche Shirts und solche Scherze nicht leugnen. Mit 14, 15 fing ich an, Wert darauf zu legen, nicht so auszusehen wie die meisten anderen. Was zeichnet deinen Stil aus und worauf achtest du besonders bei der Auswahl deiner Klamotten? Ich achte an sich immer auf gute Schnitte. Außerdem mag ich es, wenn jede einzelne meiner Anziehsachen Seele besitzt. Ich trage deshalb gerne alte Klamotten meiner Großeltern oder Flohmarktfundstücke. Nur ungern kaufe ich meine Kleidung von der Stange, auch wenn das für Basics natürlich oft sein muss. Ich habe keine Lust, nach Kettenmode auszusehen. Was bedeutet die Berlin Fashion Week für dich? Ich finde es zwar interessant, die vielen Menschen in der Stadt zu beobachten, gehe aber selbst nicht zu Shows. Mode ist nett und ich kann nicht abstreiten, ein großes Faible dafür zu besitzen, aber mein Leben ist es nicht. Ohne welches Kleidungsstück kannst du nicht leben? Ich habe so 80er Jahre Adidas Sneaker, die sind knöchelhoch und ich habe sie früher jeden Tag getragen. Langsam sind sie ziemlich abgenutzt, aber ohne sie kann ich nicht. Wie sieht deine Trendprognose für die Zukunft aus? Falls die auf die Idee kommen, dieses New-Wave-Ding wieder aufzurollen, werde ich es nicht mitmachen. Ansonsten glaube ich, dass der Plateauabsatz, den man jetzt überall sieht, noch nicht auf seinem Zenit ist. Außerdem bleibt meines Erachtens nach die Röhre als gängigstes Jeansmodell bestehen. *** 4. Philipp, 20, studiert Kommunikationswissenschaften

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Was trägst du heute und erinnerst du dich noch, wieviel es einmal gekostet hat? Die Doc Martens sind von ebay, ungefähr 30 Euro. Jeans von American Apparel für 70 Euro. Mein Hoodie habe ich selbst genäht, weil das ursprüngliche Designerstück zu teuer gewesen wäre. Die Jacke ist vom Flohmarkt aus der Schweiz, 5 Euro. Die Fliege ist von Karstadt, 3 Euro. Das Hemd habe ich noch von meiner Konfirmation und die schwarz-weiße Brosche ist ein Geschenk. Erinnerst du dich wann du angefangen hast, bewusst eine Art Stil zu entwickeln? Vor drei, vier Jahren. Ich bin auf einem Dorf in Rheinland-Pfalz aufgewachsen, da gab es kein großes Stilbewusstsein - geschweige denn Anschluss an die modische Avantgarde der Großstädte. Als ich die ersten Modeblogs für mich entdeckte, fing ich an, mit meinem Stil zu experimentieren. Was zeichnet deinen Stil aus und worauf achtest du besonders bei der Auswahl deiner Klamotten? Ich glaube, das Bezeichnendste für meinen Stil ist mein permanenter Geldmangel. Ich kleide mich daher so billig wie möglich. Entweder ich nähe Entwürfe nach oder gehe auf den Flohmarkt. Am liebsten trage ich schwarz, es darf immer nur eine andere Farbe dabei sein. Individualität ist mir sehr wichtig, ich falle auch gerne auf. Das letzte, was die Welt braucht, sind noch mehr H&M Puppen. Was bedeutet die Berlin Fashion Week für dich? Ich treibe mich vor den Locations herum und versuche, mich in die Shows zu schleichen. Gestern hat das schon sehr gut funktioniert, ich habe mir einen Volunteer Pass organisiert und den Türstehern damit solange vor der Nase herumgewedelt, bis sie mich hereingelassen haben. Ich habe es so zu Penkov und Dimitri geschafft. Ohne welches Kleidungsstück kannst du nicht leben? Ein weißes Oversize T-Shirt. Wie sieht deine Trendprognose für die Zukunft aus? Oversize bleibt, soviel kann ich sagen.


5. Inga, 19, Praktikantin

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Was trägst du heute und erinnerst du dich noch, wieviel es einmal gekostet hat? Die Schuhe sind von Deichmann für 12 Euro. Die Strumpfhose von H&M, mein Blazer von Zara für 150 Euro, den Federgürtel habe ich selbst genäht. Das Kleid ist von Jean Paris und hat im Sale 80 Euro gekostet. Der Rucksack hat 10 Euro gekostet und ist vom Mauerparkflohmarkt hier in Berlin. Erinnerst du dich wann du angefangen hast, bewusst eine Art Stil zu entwickeln? Ich habe mich immer schon gerne verkleidet. Meine Eltern haben mir früh geholfen, das Stricken und Nähen zu lernen und ich habe ständig an meinen Outfits herumgebastelt. Was zeichnet deinen Stil aus und worauf achtest du besonders bei der Auswahl deiner Klamotten? Ich will nicht bewusst anders aussehen, lege aber schon Wert darauf, dass mein Stil sehr individuell bleibt. Ich nähe eben gerne kleine, auffällige Details an klassische Basics und bringe so immer ein Stück meiner Persönlichkeit in meine Outfits. Was bedeutet die Berlin Fashion Week für dich? Viel Spaß. Außerdem Kontakteknüpferei, nette Parties, neuer Inspirationsinput. Ich bin ja nur Praktikantin und erst angehende Fotografin, kann aber trotzdem schon bei allem dabei sein. In Paris wäre das ganz anders, da kommt man nicht so einfach in das Fashion-Spektakel herein. Ohne welches Kleidungsstück kannst du nicht leben? Ich könnte nie im Leben auf Ketten verzichten. Es ist schon eine große Ausnahme, dass ich heute keine trage. Wie sieht deine Trendprognose für die Zukunft aus? Ganze hohe Schuhe. Ich glaube, dass jetzt viel mit Schuhen experimentiert wird, verrückte Farben und grenzenlose Fantasie, was die Absatzformen angeht. *** 6. Manuel, 23, studiert Modejournalismus

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Was trägst du heute und erinnerst du dich noch, wieviel es einmal gekostet hat? Die Hose habe ich von einem Designerfreund geschenkt bekommen und für den Blazer habe ich auf dem Flohmarkt 8 Euro bezahlt. Meine Schuhe hat mir mein Vater aus Spanien mitgebracht. Das sind ganz einfache Arbeiterschuhe dort, den goldenen Reißverschluss habe ich dann hier einnähen lassen. Hat mich zum Schluss wohl so 30 Euro gekostet. Die MCM Tasche ist natürlich vom Flohmarkt und hat 20 Euro gekostet. Das schicke Kettchen ist mein Backstage-Kettchen hier von der HBC-Designer Scout Show. Erinnerst du dich, wann du angefangen hast, bewusst eine Art Stil zu entwickeln? Ja, sicherlich. Als ich zum ersten Mal ohne meine Mutter einkaufen war. Da habe ich mir einen im Nachhinein wahnsinnig hässlichen, knallgrünen Pulli gekauft. Plötzlich wurde mir klar, wie groß die Modewelt ist und was es alles zu entdecken und ausprobieren gibt. Was zeichnet deinen Stil aus und worauf achtest du besonders bei der Auswahl deiner Klamotten? Früher wollte ich um jeden Preis auffallen, das ist jetzt vorbei. Ich will nur noch anziehen, was mir Spaß macht. Oft kommen da zum Schluss dann die exzentrischsten Kombinationen heraus. Was bedeutet die Berlin Fashion Week für dich? Jede Menge kostenlosen Alkohol. Ohne welches Kleidungsstück kannst du nicht leben? Schwierig. Ich kann auch ohne Klamotten leben. Wie sieht deine Trendprognose für die Zukunft aus? Ethno Look, Federn und Haare, wohin man sieht. Ich weiß aber nicht, ob ich das mitmache, das habe ich vor Jahren schon abgefeiert.


7. Marcella, 21, Model

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Was trägst du heute und erinnerst du dich noch, wie viel es einmal gekostet hat? Ich trage einen Pulli von H&M, den ich geschenkt bekommen habe. Meine Strickjacke gehört meiner Oma, genauso wie die Spitzenstrumpfhose. Meine Ketten sind allesamt vom Flohmarkt, den Preis erinnere ich nicht mehr. Die Schuhe ebenfalls vom Flohmarkt und meine Wollstrümpfe sind für drei Euro vom Weihnachtsmarkt. Erinnerst du dich wann du angefangen hast, bewusst eine Art Stil zu entwickeln? Das war mit 16, als ich anfing zu modeln. So direkt mit den Kollektionen der Designer und anderen Models konfrontiert, begann ich plötzlich, mich (selbst-)bewusster anzuziehen. Was zeichnet deinen Stil aus und worauf achtest du besonders bei der Auswahl deiner Klamotten? Ich stehe auf sehr weite, schlabbrige Klamotten. Stilbruch ist mir wichtig, weil ich gerne von allem etwas habe: feminine Schnitte mit dreckigen Boots oder etwas Glitzerndes mit einem derben Lederteil zum Beispiel. Was bedeutet die Berlin Fashion Week für dich? Viel Stress. Ich muss zu tausend Castings und Shows und dabei dauernd wach, fit und schön sein. Da bleibt der große Highlight-Spaß etwas auf der Strecke, leider. Ohne welches Kleidungsstück kannst du nicht leben? Ohne meine langen Übergrößenshirts und ein ganz klassisches Sakko. Wie sieht deine Trendprognose für die Zukunft aus? Ich kann da nicht für die Allgemeinheit sprechen. Was ich zur Zeit gerne hätte, ist ein schöner, großer und alter Pelzmantel. *** 8. Jake, 21, Musiker

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Was trägst du heute und erinnerst du dich noch, wieviel es einmal gekostet hat? Meine Schuhe sind Vintage, 50 Euro. Die Hose ist eigentlich eine Mavi Frauenjeans, die ich selbst zerschnitten habe. Das Shirt ist Second Hand und hat 15 Euro gekostet. Mein Sakko ist aus Hamburg, ich habe es mir für 700 Euro bei Herr von Eden anfertigen lassen. Das rote Tuch in der Brusttasche ist ein alter Küchenlappen von meiner Mutter. Mein Pelzmantel gehörte einmal meiner Oma und mein Ohrring ist ein Geschenk. Erinnerst du dich wann du angefangen hast, bewusst eine Art Stil zu entwickeln? Ich würde fast sagen, ich bin mit Modebewusstsein auf die Welt gekommen. Meine Oma ist eine dänische Modedesignerin und hat mir schon mit drei Jahren das Nähen beigebracht. Wir haben alles mögliche zusammen geschneidert, hauptsächlich aber Anzüge. Als Kind trug ich ständig Anzüge. Mein Vater ist auch so ein richtiger Dandy, wahrscheinlich hatte ich gar keine Wahl. Was zeichnet deinen Stil aus und worauf achtest du besonders bei der Auswahl deiner Klamotten? Ich würde meinen Stil als avantgardistisch bezeichnen. Dass ich Trends setze, will ich mir nicht anmaßen, aber ich will durch mein Styling den Menschen zumindest neue Perspektiven eröffnen. Mode muss frei und experimentell sein. Was bedeutet die Berlin Fashion Week für dich? Langeweile, leider. Es gibt nichts Neues, keine Inspiration dieses Mal. Ich komme gerade von der Patrick Mohr Show und selbst die war schlichtweg große Scheiße. Wo ich hinsehe, alles ist schon so abgenudelt und selbst fällt mir gerade auch nichts Besseres ein. Ohne welches Kleidungsstück kannst du nicht leben? Kann ich gar nicht sagen. Wahrscheinlich mein Herr von Eden Jackett. Wie sieht deine Trendprognose für die Zukunft aus? Haare, Federn, Pelz und zwar überall. Auf Ketten, Jacken, Hosen und Socken.

Text: mercedes-lauenstein - Fotos: Autorin

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