MfG - Mit freundlichen Genitalien. Über die Titel Von Pornofilmen

Ein Gespräch mit Dennis Ramaty, dem Geschäftsführer des Erotikvertriebs Cybernetto, über die fantasievollen Hintergründe solcher Pornofilmtitel wie „Fickness-Studio“, „Bundesjungfernspiele“ oder „Oral – Anal – Egal".
daniel-schieferdecker

jetzt.de: Bei der Beschäftigung mit Ihren Pornos entdeckt man auf der einen Seite viele eher unspektakuläre Filmtitel wie „Girls Playing With Girls“ oder „Euro Babes Gone Wild“, auf der anderen Seite aber auch unglaublich kreatives Material mit Alliterationen, Reimen, Metaphern oder Bezügen zu populären Spielfilmen. Macht sich die wortspielerische Mühe denn auch im Absatz bemerkbar? Dennis Ramaty: Ich glaube nicht, aber wir versehen die Filme gerne mit einer leicht humoristischen Komponente. Viele Leute haben ja bereits ein leicht verschmitztes Grinsen auf dem Gesicht, wenn sie in die Pornoabteilung gehen. Ob aus Scham oder Vorfreude, darüber kann man nur spekulieren. Aber ich kann mir schon vorstellen, dass es vielen Kunden leichter fällt, sich mit einen Film an den Tresen zu stellen, dessen Auswahl man im Zweifelsfall mit dem humorvollen Titel begründen kann. Sie haben ja auch einige wortspielerische Perlen wie „Die Schluckimpfung“, „…aber bitte mit Sahne“ oder „Nipple Tuck – Schönheit hat ihren Preis“ im Repertoire. Kaufen Sie denn auch bevorzugt Filme mit solchen Titeln ein? Diese Filmtitel sind auf unserem eigenen Mist gewachsen. Für unsere Eigenproduktionen kaufen wir aber auch keine fertigen Filme ein, sondern lediglich Rohmaterial, das wir dann in unserem eigenen Schnittstudio nach dem Geschmack unserer Kunden zusammenschneiden und mit entsprechenden Titeln versehen. Die meisten Pornofilmregisseure drehen nämlich keine durchstrukturierten Filme, sondern lediglich Szenen. Diese werden dann vor allem so aneinandergefügt, dass es vom Genre her passt. Denn die meisten Kunden haben einen bestimmten Fetisch, den sie befriedigen wollen, stehen zum Beispiel auf große Brüste oder nur auf Blondinen. Daher kommt in vielen Filmen auch Material von unterschiedlichen Regisseuren zum Einsatz. Ach so. Fühlen sich die Regisseure da nicht in ihrer künstlerischen Freiheit beschnitten? Nein, da ist das Geld ausschlaggebender als der Stolz. Den Meisten ist das auch egal. Aber man muss auch ehrlich sein: Pornofilmregisseure sind keine Steven Spielbergs. Die einzige Parallele ist die, dass auch in Hollywood am Ende des Tages die Produzenten darüber entscheiden, wie ein Film schlussendlich aussieht.

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Illustration: Julia Schubert

Das heißt also, dass Sie sich die Filmtitel überlegen, nachdem Sie den fertigen Zusammenschnitt der Szenen gesehen haben? Genau. Der Titel sollte das Genre natürlich in gewisser Weise widerspiegeln. Es macht ja keinen Sinn, einen Film „Teenieparade“ zu nennen, wenn darin nur Omas vorkommen. In „Muschi statt Sushi“ spielen zum Beispiel auch Asiatinnen mit. Im Vorgespräch haben Sie aber gestanden, dass in meinem Lieblingsfilmtitel „Splitternackt im Sicherheitstrakt“ kein einziges Gefängnis auftaucht. Das stimmt (lacht). Aber das ist dann einfach die künstlerische Freiheit unserer Cutter und Designer. Aber wenn ich mir einen Pornofilm mit dem Titel „Splitternackt im Sicherheitstrakt“ ausleihe, dann will ich doch irgendwo auch ein paar inhaftierte Mädels in Handschellen sehen. Das stimmt schon. Aber wenn ich ehrlich bin, habe ich den Film selbst auch gar nicht gesehen. Vielleicht gibt es da ja doch irgendwo eine Zelle, aber ich wage es zu bezweifeln. Ganz ehrlich: Im Endeffekt spielt das auch keine Rolle. Sie könnten die Filme genauso gut von 1 bis 10 durchnummerieren, weil die Leute einen Film sowieso wegen der Bilder auf dem Cover kaufen oder ausleihen. Aber wenn sich die Leute eh nur für die Bilder interessieren, warum betitelt man die Filme dann nicht einfach mit „Bumsen Teil 1 bis 100“? Das tun einige Firmen ja auch. Allerdings ist so eine Durchnummerierung nicht ganz ungefährlich. Denn wenn einem Kunden bereits der zweite Teil einer Serie nicht gefällt, wird er sich die kommenden Teile auch nicht mehr besorgen. Man schränkt sich im Verkauf also unnötig ein. Sie haben eben im Zusammenhang mit der Titelfindung von der künstlerischen Freiheit der Cutter und Designer gesprochen. Dann überlegen die sich also die Filmtitel? Ja. Denn derjenige, der die Filme schneidet, ist der Einzige, der jeden einzelnen gesehen hat und wiederum eng mit dem Grafiker zusammenarbeitet, der die Entscheidungsgewalt über die zu verwendenden Bilder auf dem Cover trägt. Den Traumberuf eines Pornofilmtexters gibt es also nicht? Ich würde es zumindest niemandem glauben, der so etwas behauptet. Wieso beziehen sich denn viele Pornofilme auf bekannte Spielfilme oder Serien? Sie haben ja beispielsweise Filme wie „Casino Anal“, „Drei Stengel für Charlie“ oder „Muschi: Impossible“ im Programm. Das passiert eher zufällig. Bei „Casino Anal“ gab es zum Beispiel eine Szene, in der die Hauptdarstellerin eine Pistole in der Hand hält und etwas schicker gekleidet ist. Und weil es sich dabei um einen Analporno handelt, der genau zu der Zeit von „Casino Royal“ gedreht wurde, hat das einfach gepasst. Meistens sind es nur kleine Dinge, die einen auf so einen Titel kommen lassen. Solche vermeintlichen Erotik-Adaptionen bekannter Spielfilme oder Serien haben also in keinster Weise etwas mit den Originalen zu tun, auf die sie sich beziehen? Richtig, wenngleich es auch dafür Gegenbeispiele gibt. Hustler bringt zum Beispiel ab und an Filme heraus, die sich aufgrund ihrer Handlung an bestehenden Spielfilmen oder Serien orientieren. Aktuell zum Beispiel mit „This Ain’t The Partridge Family“, wo die auch alle so 70er Jahre-mäßig gekleidet sind – wenn sie denn mal etwas anhaben. Diese Filme werden dann wirklich nach einem entsprechenden Drehbuch gedreht, was es bei den meisten Pornos gar nicht gibt. Generieren solche Filme wie „Fuck Me If You Can“ oder „A Fuckwork Orange“ denn auch mehr Publikum? Verallgemeinernd ist das schwer zu sagen, aber ich könnte mir das durchaus vorstellen – zumindest in der Startphase. Ich erinnere mich zum Beispiel daran, dass ein Geschäftspartner von uns mal zu uns meinte, dass wir einen Film mit dem Titel „Muschi Maus und Donald Fuck“ machen sollten. Das haben wir dann auch getan, und der lief am Anfang wirklich grandios. Aber auch darin taucht noch nicht einmal ein Comic-Heft auf. Wenn ich mir in der Videothek einen Film wie „Desperate Housewhores“ ausleihen würde, wäre ich aber schon ein wenig enttäuscht, wenn es darin keinerlei Anlehnung an die Original-Serie gäbe. Das dürfen Sie nicht erwarten. Und ein regelmäßiger Pornofilmkonsument weiß das auch. Wobei ein Titel wie „Desperate Housewhores“ inhaltlich wahrscheinlich sogar näher am eigentlichen Sinn dran ist als die Original-Serie. Denn in „Desperate Housewhores“ geht es wirklich um sexuell frustrierte Hausfrauen, die Besuch vom Klempner, vom Milchmann oder Fernmeldetechniker bekommen und jede sich bietende Gelegenheit wahrnehmen. Haben Sie denn einen persönlichen Lieblingsfilmtitel? Ich sehe das aus rein ökonomischer Sicht: Der Film, der sich am besten verkauft, ist immer mein persönlicher Liebling. Die Titel-Top-Ten 1. Splitternackt im Sicherheitstrakt 2. Oral – Anal – Egal 3. Muschi Maus und Donald Fuck 4. Drei Stengel für Charlie 5. Muschi: Impossible 6. Muschiplizieren 7. Willst du viel, wix mit Stiel 8. Die Bären sind los 9. Mundpropaganda 10. Flutschfinger

Text: daniel-schieferdecker - Foto: Dominik Pain

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