Mobiles Wohnen

Ein eigener Kleinbus zum Reisen und für Festivals ist der Traum einer jeden ordentlichen Jugend. Wir haben sieben Busmenschen befragt, wie sie an ihr Gefährt gekommen sind und wie es sich darin lebt
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Im Bus: Felix, 24, mit seiner Freundin Anne, 25. Mit einem Klick auf das Bild startest du die Bildergalerie:

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Illustration: Julia Schubert

onloads[onloads.length] = makeImageLightbox; var myLightbox = null; function makeImageLightbox() { myLightbox = new JetztImageLightbox(); } Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Felix: „Ich habe mir den Bus dieses Jahr extra für die Festivalsaison zugelegt. Ich musste schon ganz schön lange suchen, aber das hat sich gelohnt. Ich habe ihn zwei älteren Herrschaften abgekauft, die selbst gar nicht viel darin gefahren sind. Alles in allem ist er in einem Top-Zustand und ich habe ihn sogar auf 950 Euro runterhandeln können. Die komplette Grundausstattung ist vorhanden - Gasherd, Lampen, Kühlschrank, Toilette, Bett. Sogar eine richtig echte Truckerhupe habe ich auf dem Dach. Dort ist übrigens auch noch eine Satellitenantenne angebracht. Leider habe ich es verschlafen, mir eine zweite Batterie mitzunehmen - wenn die Heizung liefe, wäre es noch gemütlicher hier drinnen. Die Hitze könnte ich natürlich auch durchs Kochen generieren, aber Grillen ist irgendwie angenehmer. Da bleiben Geruch und Dreck draussen. Außerdem sind die Temperaturen ja auch schon so sommerlich, dass das alles überhaupt kein Problem ist. Und wenn es gleich doch wieder anfängt zu regnen, verkriechen wir uns einfach in den dicken Decken. Man bleibt hier drinnen wirklich traumhaft trocken. Gestalterisch habe ich mich in meinem Bus noch nicht sonderlich verausgabt - eine super Deko ist allerdings der schrammelige Handtuchhalter auf dem Klo, in Gestalt von Ananas und Orange. Der ist noch von den Vorbesitzern und so hässlich, dass er schon wieder schick ist. Nach dem Immergut geht es noch auf Fusion, und dann mal sehen. Bald ziehe ich für ein halbes Jahr nach Madrid, wegen eines Erasmus Semesters. Und der Bus kommt mit, denn ich plane eine Portugaltour.“


Vorm Bus: Jakob, 32. Mit einem Klick auf das Bild startest du die Bildergalerie:

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Illustration: Julia Schubert

onloads[onloads.length] = makeImageLightbox; var myLightbox = null; function makeImageLightbox() { myLightbox = new JetztImageLightbox(); } Bild Bild Bild Bild Jakob: „Das Einsteigen ist für mich überhaupt kein Problem, ich ziehe mich einfach an dem kleinen Türgriff hoch und schwinge mich hinein. Aber um von vorne anzufangen: Vor fünf Jahren war ich auf der Suche nach einem älteren Wohnmobil. Ich wollte gerne so einen schönen alten Düsseldorfer, die Dinger, die früher als Krankenwagen genutzt wurden. Ich habe gesucht und gesucht und lange nichts richtig Passendes gefunden. Ich hatte ja auch nicht viel Geld. Beim Internetsurfen stieß ich dann plötzlich auf die Geschichte eines Mannes aus Amerika, der zehn Jahre lang mit seinem zum Wohnmobil umgebauten Feuerwehrauto um die Welt gereist ist. Ich war von der Idee begeistert und schickte den Link zu einem befreundeten Arbeitskollegen. Der rief mich Minuten später an und sagte: „Mann, hast du mal auf seine Homepage geguckt? Der Typ ist tot, die Karre ist zu verkaufen! 10.000 Euro, steht in Arizona!“ Und dann ich: „Machen wir gemeinsame Sache, jeder 5000, okay?“ Ich rief die hinterbliebene Ehefrau des verstorbenen Mannes an und verhandelte mit ihr. Ihr Mann war an einem Herzfehler gestorben, er wusste das schon lange vorher und ist deshalb auf eine große Weltreise aufgebrochen. Weil sie nun in den USA für den alten Wagen ohnehin kein Käufer fand - die wollen da ja alle bloß High-Comfort Mobile mit Servolenkung und Klimaanlage - ließ sie sich auch noch auf 5000 Euro herunterhandeln. Wir holten einen dritten Freund ins Boot und da waren es nur noch 1600 Euro für jeden. Und von nun an fuhren wir abwechselnd in Teams nach Arizona und reisten durch das ganze Land. Bestimmt vier, fünf Jahre lang. Es war sozusagen unsere Gemeinschaftskarre in Amerika. Irgendwann wurde das zu teuer und ich dachte: So ein Fahrzeug brauche ich auch hier. Wir verkauften den Wagen schließlich und ich machte mich auf die Suche nach demselben Modell in Deutschland. Ich fand es, musste es aber komplett selbst ausbauen. Er war zuletzt in Berlin als Abschleppwagen der BVG benutzt worden, damals, als die noch dieses Sandgelb zur Farbe hatten. Wie man sieht, rostet es ganz schön. Aber ich kriege den flott. Habe schon den ganzen Kasten hinten aufgeschnitten und so komplett durchgängig gemacht. Alles ist selbstgebaut: Das Bett, die Schränke, das Licht, die Servolenkung. Ich habe gerade den Plan für einen neuen Kasten fertig gezeichnet. Der jetzige soll wieder runter. Ich möchte, dass Platz für vier Leute hier drinnen ist. Ich selbst wohne in Berlin und arbeite als Maschinenbauingenieur. Das Auto steht auf einem alten russischen Militärflughafen im Süden Berlins, dort kann ich in Ruhe an ihm herumschrauben. Weil ich Drachenflieger bin, kenne ich die Leute dort unten auch sehr gut. Bisher machen meine Freundin und ich nur kleine Wochenendtrips mit dem Auto, es muss noch zu viel gebaut werden. Aber das Ziel ist, eines Tages tatsächlich über längere Zeit darin leben zu können.“


Kristian und Gesine, beide 26 und Teilzeitbusbewohner. Mit einem Klick auf das Bild startest du die Bildergalerie:

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Illustration: Julia Schubert

onloads[onloads.length] = makeImageLightbox; var myLightbox = null; function makeImageLightbox() { myLightbox = new JetztImageLightbox(); } Bild Bild Bild Bild Bild Bild Kristian und Gesine: „Das hier ist unser Sommerfreizeitmobil. Wir haben es vor einigen Jahren vom Wagenburgplatz in Hamburg gekauft. Der Ofen war schon drin, alles andere haben wir komplett neu gemacht. Schränke eingebaut, Bett eingebaut, Sitze eingebaut. Der Ofen ist gewissermaßen das Herzstück des Autos, man kann sogar darauf kochen. Und ob man es glaubt oder nicht: Alles ist vom TÜV kontrolliert und für absolut in Ordnung befunden worden. Was viele Beamte dennoch verwirrt, ist die Tatsache, dass der Wagen von der Anschnallpflicht befreit wurde. Es gab nie Anschnaller und es wird nie welche geben. Man kann sich denken, dass wir immer wieder mit Beamten diskutieren müssen - schließlich sieht die Kiste verdächtig nach hippieskem Drogenmobil aus. Wir werden also laufend zur Kontrolle aus dem Verkehr gezogen. Weil das hier aber als Wohnwagen gilt, dürfen die Polizisten nur mit einem ausdrücklichen Durchsuchungsbefehl eintreten. Bis sie das und die Anschnallsache per Funk bestätigt bekommen haben, vergeht immer sehr viel Zeit. Das ist nervig, aber okay. Im letzten Jahr haben wir eine Kroatienreise gemacht und ganze zwei Wochen in dem Auto gewohnt. Das hat super geklappt und war voller Komfort, ob man es glaubt oder nicht. Mit zwei LKW-Batterien an Bord, die sich gegenseitig synchronisieren, muss man nicht einmal Strom sparen. Deshalb haben wir auch eine Stehlampe hier drin und können jeglichen SchnickSchnack anschließen. Blöd ist nur, dass unser mobiles Heim so teuer ist. 300 Euro Steuern im Jahr kostet uns der Bus, dabei ist er schon vierzig Jahre alt. Aber wir haben ihn zu gern, um ihn deshalb aufzugeben.“


Am Bus: Matthias, 32, und Kirsten, 31. it einem Klick auf das Bild startest du die Bildergalerie:

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Illustration: Julia Schubert

onloads[onloads.length] = makeImageLightbox; var myLightbox = null; function makeImageLightbox() { myLightbox = new JetztImageLightbox(); } Bild Bild Bild Bild Matthias und Kirsten: „Wir haben unseren alten Feuerwehrwagen jetzt schon drei Jahre lang - eigentlich wollten wir ja einen VW-Bus, und wenn möglich sogar einen relativ neuen. Aber dann stießen wir auf diesen Osnabrücker Hippie, der seinen Wagen loswerden wollte. Er war heilfroh, dass wir so begeistert davon waren und ihn sofort kaufen wollten. Er selbst hatte nämlich eigentlich von seinen Kindern erwartet, sie würden sein heißgeliebtes Auto eines Tages voller Dankbarkeit übernehmen. Aber die interessierten sich kein Stück für die alte Kiste ihres Vaters. Glück für uns. Wir haben schon unsere Hochzeitsreise in ihm verbracht, übrigens auch hier in der Gegend. Die Müritz mit ihrer Mecklenburger Seenplatte ist super um zu Campen. Man muss sich nur daran gewöhnen, dass der Wagen eben nicht schneller als 75 fährt. Aber er hat alles, was wir brauchen: Gasherd, Spüle, Bett, genügend Stauraum für Campingmöbel, Geschirr und Essen. Wenn es es richtig doll regnet, tropft es leider manchmal an der Tür leicht herein, aber das ist okay. Denn dafür ist es bei Sonnenschein umso schöner, alle Türen aufreißen zu können. Man liegt dann beinahe in der freien Natur, nur das Dach über einem und sonst von allen Seiten Luft.“

Text: mercedes-lauenstein - Fotos: Juri Gottschall

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