München ausgeliefert

Kokoskrapfen und Pizza im Puff: Vier Bestelldienste erzählen vom Alltag an den Türen der Stadt
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Von Pizza bis zu Krapfen – bestellen kann man inzwischen fast alles in der Stadt. Ein Anruf, und Lieferdienste bringen das Gewünschte. Die Geschichten, die die Zusteller dabei erleben, umfassen Bestellungen in Bordellen oder Besäufnisse auf dem Parkplatz vor dem P1. jetzt.muenchen hat vier Lieferdienste gebeten, einen Überblick über ihre Arbeit zu geben – vom beliebtesten Produkt bis zum seltsamsten Lieferort.

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Illustration: Julia Schubert

1. Pizza Avanti Das beliebteste Produkt: Pizza Regina, etwa 1000 Stück pro Tag. Der prozentuale Anteil der Pizza Regina am Umsatz liegt bei circa 4,5 Prozent. Begrüßungsspruch der Lieferkräfte: „Pizza Avanti, schönen guten Tag“ beziehungsweise „Guten Abend“. Abgefahrenstes Erlebnis der Lieferkräfte: Ein Fahrer blieb im Aufzug stecken und der Kunde fragte nach dem Verbleib seiner Pizza. Wir entgegneten, dass die Pizza eigentlich längst beim Kunden sein müsse. Als der Kunde aus dem Fenster schaute, stellte er fest, dass das Lieferauto mit Warnblinkanlage vor dem Haus stand. Nach einigem hin und her wurde klar, dass der Fahrer im Aufzug feststeckte. Da er ziemlich korpulent war, musste ihn die Feuerwehr befreien. Es gab auch Bestellungen in ein Bordell, wo der Fahrer dann in Naturalien bezahlt werden sollten. Er lehnte wegen Zeitmangel natürlich ab. Durchschnittliche Zahl der Bestellungen pro Tag: Kann man schwer schätzen, da das sehr stark vom Wetter abhängig ist. Bei einem plötzlichen Gewitter können 20 bis 30 Bestellungen pro Stunde allein aus einem Geschäft kommen. Bei heißem Wetter und früh am Abend gibt es Stunden ohne eine einzige Lieferbestellung. Was war der arbeitsintensivste Tag für ihren Lieferdienst? Erfahrungsgemäß ist das der 1. Januar. Die Kunden schlafen lange und haben dann keine Lust zu kochen. Oder sind noch nicht in der Lage. Ausgefallenster Kundenwunsch: Es gab Kunden, die kamen in den Laden, haben Pizza nach Hause bestellt und wollten gleich mit dem Fahrer fahren. Es war den Kunden schwer verständlich zu machen, dass das verboten ist. Die Spezialität: Magnum Pizza mit 45 Zentimetern Durchmesser Das Outfit der Lieferboten: Besteht im Sommer aus einem bestickten schwarzen Poloshirt und einer bestickten Baseballkappe. Im Winter tragen unsere Mitarbeiter bestickte schwarze Sweatshirt, bestickte Jacken sowie Baseballkappen. Der seltsamste Lieferort: Diverse Bordelle, in denen der Pizzabote bei der Anlieferung Kunden antraf, die gerade Geschlechtsverkehr hatten. Auf der nächsten Seite: Was passiert, wenn der Chef der Mitarbeiterin Blumen ins Krankenhaus schicken lässt - und die aber gar nicht im Krankenhaus ist


2. Call-a-flower Das beliebteste Produkt: Ein Strauß namens Giallo (gelb, mit Sonnenblumen) für 25 Euro, wird circa vier bis 15 Mal am Tag bestellt. Der Anteil am Gesamtumsatz liegt bei zwölf Prozent. Begrüßungsspruch der Lieferkräfte: „Ich habe Blumen für Sie!“ Das abgefahrenste Erlebnis: Bei uns hat vor kurzem ein Chef für seine kranke Mitarbeiterin Blumen bestellt, die wir zu ihr ins Krankenhaus liefern sollten. Als unser Fahrer dort ankam, hat man ihm gesagt, dass die Dame nicht da sei. Das kommt öfters vor, dass der Patient schon entlassen wurde. Wir haben dann den Auftraggeber angerufen. „Das kann nicht sein“, meinte der Chef und betonte, dass er erst vor einer halben Stunde mit der Dame telefoniert hat. Das Krankenhaus fand den Namen der Frau dann in der Kartei: Sie war zuletzt 2006 Patientin. Ich habe das dem Auftraggeber mitgeteilt. Der war natürlich ziemlich wütend, da seine Mitarbeiterin wohl nur krank gemacht hatte. Er sagte dann, wir sollten ihr die Blumen nach Hause schicken. Durchschnittliche Zahl der Bestellungen pro Tag: 15 bis 50 Ausgefallenster Kundenwunsch: ein Golfschläger im Strauß. Die Spezialität: der Amorestrauß in Herzform mit roten Rosen Der seltsamste Lieferort: Der Pavillon im Hofgarten um 23.45 Uhr. Geliefert haben wir da einen Strauß roter Rosen für einen Heiratsantrag. Heute schon gehögelt? Auf der nächsten Seite liest du, welcher Lieferdienst diesen Spruch als Begrüßung gewählt hat.
3. Café Högl Das beliebteste Produkt: Außerhalb der Krapfenzeit der Frischkäsering (Brezenring mit Frischkäse und Schnittlauch). In der Faschingszeit ist der Puderzucker-Krapfen mit Aprikosenmarmelade der Renner. Wie oft die beiden Produkte pro Tag bestellt werden, können wir allerdings nicht sagen. Begrüßungsspruch der Lieferkräfte: „Heute schon gehögelt?“ Abgefahrenstes Erlebnis der Lieferkräfte: Die Geschichte mit der Firma, bei der eine Mitarbeiterin ihr Büro nicht mehr gefunden hat. Unser Lieferservice ist mit Torten bepackt fast 15 Minuten mit ihr gemeinsam durch die Flure gelaufen. Ein anderes Mal hatten wir einen Kunden, der nur in Unterhose bekleidet die Tür geöffnet hat – der Lieferumfang betrug in diesem Fall übrigens 33 Kokosnusskrapfen. Bestellungen pro Tag: Außerhalb der Faschingszeit durchschnittlich eine Bestellung am Tag, in der Faschingszeit circa 15 pro Tag. Ausgefallenster Kundenwunsch: Das war ein XXL-Krapfen mit einem ganzen Meter Durchmesser. Ihre Spezialität: Krapfen. Und ausgefallene Torten nach Kundenwunsch. Der seltsamste Lieferort: Eine Waldhütte irgendwo in der Mitte des Nichts. Wo in München welcher Alkohol getrunken wird und ob man auf dem Parkplatz vor der Nobeldisco P1 aus der Flasche oder dem Becher getrunken wird - das erfährst du auf der nächsten Seite.
4. Alkoport Das beliebteste Produkt: Helles von Augustiner. Bei den nichtalkoholischen Getränken steht Coca Cola an der Spitze. Als Snack bevorzugen die Leute die PaprikachipsSorte „Funny Frisch Ungarisch“. Wer bestellt hauptsächlich? Menschen zwischen 19 und 30 Jahre, Männlein und Weiblein gleichermaßen. Am meisten Bestellungen bekommen wir aus Schwabing und Maxvorstadt. An die Isar liefern wir praktisch nur Bier. Rein subjektiv ist uns noch folgendes aufgefallen: Jack Daniels liefern wir am häufigsten ins Hasenbergl. Begrüßungsspruch der Lieferkräfte: „Alkoport!“ (In die Gegensprechanlage gebrüllt) Abgefahrenstes Erlebnis der Lieferkräfte: Wir hatten im Laufe eines Monats drei Unfälle mit einer Trambahn. Und jedes Mal ist die Tram schuld gewesen. Durchschnittliche Zahl der Bestellungen pro Tag: Wochentage: 25; Wochenende: 95 Was war der arbeitsintensivste Tag für ihren Lieferdienst ? Wir arbeiten immer so hart wir können. Krass sind verlängerte Wochenenden, vor allem in der Wiesn-Zeit oder beim ersten Tag im Jahr, an dem es richtig gutes Wetter hat. Ausgefallenster Kundenwunsch: Immer dasselbe: Sex und Drogen. Aber das liefern wir nicht. Ihre Spezialität: 20 Kästen Bier, 80 Flaschen Wodka, 16 mal 24 Dosen Red Bull und dazu noch zehn Kilo Eis in 40 Minuten an jeden beliebigen Ort in München liefern. Das Outfit der Lieferboten: Alltagskleidung mit Alkoport-T-Shirt. Das ist schwarz und mit einem weißen Schriftzug versehen. Der seltsamste Lieferort: P1-Parkplatz. Inklusive folgender Bitte: „Könnt ihr bitte Becher mitbringen?“

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