München zum Abhaken

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Mitte Oktober beginnt das Wintersemester an den Münchner Universitäten und Fachhochschulen. Für tausende Erstsemestler bedeutet das auch ein neues Leben in einer neuen Stadt. Doch wie zurecht finden zwischen all den Ratschlägen der Daheimgebliebenen, Klischees und Reiseführerbefehlen? jetzt.muenchen hat 20 Pflichtpunkte zusammengestellt, die man als studentischer Neumünchner ausprobieren sollte. 1. Baden in einem der zwei Unibrunnen an der Ludwigstraße So wird’s: Eigentlich ist es immer viel zu kalt, um in diesem Brunnen zu baden. Die Erkältung hängt wie ein Damoklesschwert über diesem Vorhaben. Trotzdem hat man nicht zu erklärenden, kindlichen Spaß – und danach möglicherweise aufgeschnittene Füße von den Bierflaschenscherben. Zuhause erzählen: „Die Autos haben ständig gehupt und irgendwann kam die Polizei. War ja eh klar.“ 2. Stadtrundfahrt im Touri-Bus mit einem Kasten Bier So wird’s: Du erfährst klassisch, was welcher Irgendwann-Münchner irgendwo getan hat. Dank deines Biervorrates hörst du aber ab der Hälfte nur noch die russische oder die Kinderführung auf deinen Kopfhörern. Später kannst du dich nur noch an ein Drittel erinnern. Dafür ist der Kasten viel leichter, wenn du ihn jetzt in den Englischen Garten trägst. Zuhause erzählen: „Oma, wusstest du, dass Lola Montez, die Geliebte von König Ludwig I., in Brooklyn begraben ist?“ 3. Kuchen kaufen im Café Schneller in der Amalienstraße So wird’s: Erst stehst du geduldig eine Viertelstunde an, weil die liebenswerte ‚Oma Schneller' noch ‚schnell etwas in der Küche machen muss'. Dazwischen fragt sie mindestens dreimal nach deiner Bestellung, um sie genauso oft zu vergessen. Macht nichts: Der erstandene Streuselkuchen ist jeden Aufwand wert. Zuhause erzählen: „Das war der beste Kuchen meines Lebens!“ 4. Bibliotheksausweis beantragen So wird’s: Ohne Bibliothekszugang kein Studium – das wird dir auf jeder Orientierungsveranstaltung gesagt. Pflichtbewusst stellst du dich mit 200 anderen Studenten deshalb zuerst in der Uni- und danach in der Staatsbibliothek an, um die weiße Plastikkarte zu bekommen. Weil aber in der Schlange vor dir mindestens die Hälfte der Studenten ihre Immatrikulationsbescheinigung vergessen hat, ist die Dame am Schreibtisch überreizt. Da du brav alles dabei hast, entgehst du ihrem Feueratem. Im Laufe deines Studiums wirst du ihn aber sicher noch kennen lernen. Zuhause erzählen: „Die machen da einen bürokratischen Aufwand, das kannst du dir nicht vorstellen. Und dann sind sie auch noch alle schlecht gelaunt.“


5. Promo-Wundertüten vor der Uni geschenkt bekommen So wird’s: Wenn du aus deiner Einführungsveranstaltung kommst, empfangen dich vor der Uni mehrere bunte Transporter mit vielen aufgeregten Menschen, die eine der feilgebotenen Tüten ergattern wollen. Vom Aufruhr angelockt schnappst auch du dir eine und nennst nun Instant-Suppen, Kugelschreiber und Bonbons dein eigen. Zuhause erzählen: „Die haben das einfach so vor der Uni verschenkt und ich habe mir den Einkauf gespart.“ 6. Frühstücken am Viktualienmarkt So wird’s: Du bist nach einer durchzechten Nacht auf dem Nachhauseweg, obwohl du eigentlich gerne noch weiter getanzt hättest. Doch das Putzlicht im Club hat dir einen grellen Strich durch die Feierrechnung gemacht. Spontan hältst du am Viktualienmarkt und kaufst eine warme Breze und frisch gepressten Saft. Selig beobachtest du, wie die Sonne aufgeht und verstehst vielleicht, warum dieser Markt so berühmt ist. Zuhause erzählen: „Das war der perfekte Morgen. “ 7. Am Monopteros knutschen So wird’s: Du hast schon längst vergessen, wie deine Clubbekanntschaft heißt und willst weder zu ihr oder zu dir. Aber weil ein bisschen Knutschen immer geht, holt man sich die passende Portion Romantik eben am Monopteros. Später wirst du zusätzlich zum Namen auch die Telefonnummer verlegen. Absichtlich. Zuhause erzählen: „Wer? Nee, kenn ich nicht.“ 8. Strafnachlass bei der MVG in der Poccistraße beantragen So wird’s: Du hast deine Monatskarte vergessen und bist just an diesem Tag kontrolliert worden. Als wäre der Aufstand, den der Kontrolleur dabei gemacht hat, nicht schon peinlich genug gewesen, musst du in die Poccistraße zur MVG, um wenigstens nur 20 Euro statt 40 Euro bezahlen zu müssen. Du bist dir deiner Schuld bewusst, trotzdem wirst du dort vom Personal behandelt als wärst du ein Kinderfresser. Zuhause erzählen: „Ich dachte wirklich, die Karte wäre im Geldbeutel. Das war so erniedrigend. Ich fahr’ jetzt nur noch Rad.“ 9. Beim Radfahren auf der falschen Straßenseite von der Polizei erwischt werden So wird’s: Aus purer Faulheit fährst du auf dem Radweg ganz kurz in die falsche Richtung. Plötzlich springen zwei Polizisten aus dem Gebüsch und verlangen nach einer Strafpredigt 15 Euro. Weil du sowieso nicht flüchten kannst, bezahlst du sofort. Immerhin bekommst du eine Quittung. Zuhause erzählen: „Überall in München ist Polizei! Überall!“ 10. Bratkartoffeln in der Schweinchenbau-Mensa essen So wird’s: Mindestens einmal muss man die Mensa ausprobiert haben – allein schon wegen der Preise, denkst du dir. Enttäuscht stocherst du in deinem lauwarmen Gericht herum und beschließt, in Zukunft doch lieber ein Sandwich beim Bäcker zu kaufen. Zuhause erzählen: „Mama, du hast so gut gekocht. Vielen Dank!“


11. Vormittags ins Arri-Kino gehen So wird’s: Du hast dieser Vorlesung am Montagmorgen nun schon mehrere Chancen gegeben. Trotzdem bist du jedes Mal eingeschlafen. Diesmal biegst du auf dem Weg in die Uni einfach in der Türkenstraße ab und siehst dir einen französischen Kunstfilm im Arri-Kino an. Danach fühlst du dich schlauer als nach der verpassten Vorlesung. Zuhause erzählen: „Kennst du schon diesen Film von Claude irgendwas? Ach, der läuft in eurem Provinzkino bestimmt nicht.“ 12. Eine Sonnenbrille am Automaten (Leopoldstr. 27) ziehen und sich in der Fotobox knipsen lassen So wird’s: Erst denkst du, der Sonnenbrillenautomat sei eine Fata Morgana. Weil dich die Absurdität der Situation aber so mitreißt, ziehst du eine Brille und dokumentierst diesen Vorfall in der nächsten Fotobox. Zuhause erzählen:„Das ist kein Witz, da steht wirklich ein Automat mit Brillen.“ 13. Abstürzen im Pimpernel So wird’s: Wie du genau ins Pimpernel (Müllerstraße 56) gekommen bist, weißt du nicht mehr. Die Musik ist aber laut und gut und außerdem hat nichts anderes mehr offen. Durch die großen Fenster strahlt schon das erste Sonnenlicht und du lernst: Ist zwar nicht das Berghain, aber‚ basst scho’! Zuhause erzählen:„Ich bin in einer Facebookgruppe, die heißt: ‚Ich komm normal aus'm Pimpernel, da tritt mir jemand auf die Hand.’“ 14. Sich am Gärtnerplatz verabreden und gleich dort bleiben So wird’s: Mit einem Bier bewaffnet triffst du dich mit neuen Bekanntschaften aus zentralen Gründen am Gärtnerplatz. Weil du dort aber gleich noch vier weitere neue Freundschaften schließt, schaffst du es vor dem Morgengrauen nicht mehr weg. Und irgendwer geht immer rüber zum Bergwolf und holt neues Bier und/oder Fritten. Zuhause erzählen: „Und dann waren wir auf einmal über zehn Leute. Und dieser eine Grafiker hat versprochen, mir einen Nebenjob zu organisieren.“ 15. Sich über die Sauberkeit der Straßen wundern So wird's: Manche Klischees über München sind absolut zutreffend, stellst du fest. Wie es möglich ist, dass die Straßen immer sauber sind, kannst du dir selbst nicht erklären, aber einen vollen Mülleimer hast du noch nie gesehen. Ebenso wenig wie ein Müllauto. Es muss wohl kleine Elfen und Trolle geben, die das erledigen. Zuhause erzählen: „Irgendwie macht mir diese ständige Sauberkeit Angst.“


16. An den Durchsagen der U-Bahn-Schaffner scheitern So wird’s: Du stehst in der U-Bahn und plötzlich hallt aus den Lautsprechern ein Donnerwetter: „Ihr miasts ned alle imma nua voan oasteign. In da Mittn san a no Düan.“ Mit diesem Satz kannst du rein gar nichts anfangen und vermutest einen Bombenalarm oder ein kaputtes Ansageband. Weil die Leute um dich herum aber schelmisch grinsen, schließt du Ersteres wieder aus. Zuhause erzählen: „Ich glaube, Bayerisch werde ich nie lernen.“ 17. Boule spielen im Hofgarten So wird’s: Freundlich bittest du die drei älteren Herren, ob du bei ihrer Boule-Runde einsteigen darfst. Mit einem skeptischen Nicken drückt man dir die Kugel in die Hand. Dann spielst du über eine Stunde, keiner spricht mit dir, trotzdem erfährst du ein wohliges Zugehörigkeitsgefühl. Drei Semester später steht einer der Herren in der Uni vor dir und stellt sich als dein Vordiplomsprüfer vor. Die Note ist geritzt. Zuhause erzählen: „Boule ist das, was bei uns früher Boccia hieß.“ 18. Japanern den Weg zum Dallmayr erklären So wird’s: Mindestens fünfmal spricht dich ein Japaner auf dem Weg zwischen Marien- und Odeonsplatz auf den Dallmayr an. Ganz im Sinne der Pfadfindermaxime erklärst du geduldig die Richtung. Ein halbes Jahr später bist du von diesem sich ständig wiederholenden Vorgang so entnervt, dass du dich als Tourist ausgibst oder gleich als Taubstummer. Zuhause erzählen: „Diese Dallmayr-Fernsehwerbung ist Quatsch, das Sonnenlicht scheint da nie so gedämpft rein.“ 19. Sonntags ins Museum gehen, weil es nur einen Euro kostet So wird’s: Sparsam und deswegen beschwingt wanderst du durch das Brandhorst. Vor einem großen, bunten Blechhaufen fragst du dich sehr lange, warum dieses Ding ‚Lord Suckfist' heißt? Zuhause erzählen: „Ich hätte mal besser das gesparte Geld in einen Audio-Guide investiert.“ 20. Am Türsteher scheitern So wird’s: Folgsam stehst du über eine Stunde in der Schlange, dann erklärt dir der Türsteher, dass deine Schuhe nicht in Ordnung sind. Irritiert erwiderst du, dass du exakt mit diesen Schuhen doch letzte Woche auch schon in exakt diesem Club warst. Er kontert: „Kann nicht sein und jetzt geh' bitte zur Seite.“ Zuhause erzählen: „Ich dachte ja, es wäre Wirtschaftskrise, aber wenn die mein Geld nicht wollen ..."

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