Münjing: Bayern am Meer, München kriegt einen Hafen

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Alles begann damit, dass ich mit meinem Kollegen Johannes Schele an der Hackerbrücke saß. „München hat als Hightech- und Finanzmetropole eigentlich alles, was man will. Bis auf einen Ort, an dem man echtes Fernweh erleben kann.“ Etwa so verlief unser Gespräch. Was fehlt, ist ein Hafen. Am Kai stehen, einem Schiff nachschauen, das ablegt. Sich vorstellen, dass es am Stachus losfährt, in die Ferne steuert, zur Adria und dann nach Shanghai. Die Ausweitung ins Ungewisse, darum geht es.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Mit den Leuten von den Kammerspielen bekam unser Gedankenexperiment dann Ecken und Kanten. Die Idee: Bunnyhill schenkt dem Münchner Zentrum diesen Sehnsuchtsort. Er heißt Münjing und steht ab nächster Woche auf dem Stachus. Wir wollen den Menschen ein städtebauliches „Was wäre, wenn?“ vor Augen führen. Vor das Neuhauser Tor stellen wir ab Donnerstag acht Überseecontainer. Daneben errichten wir drei große Bautafeln. Die erste Tafel beschäftigt sich mit dem Transrapid. Wir nennen ihn Skytrain. Auf unserer Fotomontage sieht man seine Trasse über der Maximilianstraße. Der Skytrain biegt dann ab und fährt schräg über der Fußgängerzone entlang. Bautafel Nummer zwei: Der internationale Hochseehafen Münjing. Sein riesiges Becken beginnt beim Hauptbahnhof und erstreckt sich bis in die Innenstadt. Das letzte Hafenbecken befindet sich am Opernplatz. Der Hafen soll in alle Himmelsrichtungen offen sein. Er steht nicht nur dafür, dass Münchner ihre Stadt verlassen. Es geht in erster Linie um diejenigen, die reinkommen wollen. Eine Demonstration der Weltoffenheit und ein Hafen für Menschen, die in Not sind. Die dritte Bautafel zeigt das Wohnheim Minjing. Wir verbinden die Hochhausdiskussion mit der schwierigen Wohnungssituation und dem Aspekt der Immigranten. Die bekommen in der Nähe des Botanischen Gartens ein Wohnheim. Ein offenes Gästehaus. Unsexy im Ausschuss Wir wollen, dass die Leute stehen bleiben, sich aufregen, diskutieren. Münjing ist für uns keine Wunschstadt, aber sie ist mit der Forderung verbunden, dass sich München verändern soll. Allerdings müssen sich dafür gerade die Jüngeren auch ihrer Verantwortung bewußt sein und sich ihren Teil der Stadt erstreiten. Da muss man sich eben auch mal in eine unsexy Bezirksaussschusssitzung hocken und argumentieren. Etwa: „Ich sehe nicht ein, warum ich vor dem Zerwirk nicht laut sein darf, während um die Ecke am Hofbräuhaus die Meute tobt.“ Wir haben einige Interviews mit Bürgern geführt. Viele haben Angst davor, dass man Münchens Image besudeln könnte. „Ja nicht zu modern! Nicht zu kaputt! Die gute Stube muss sauber bleiben!“, so der Kanon unserer Gespräche, auch im Bezirksausschuss. Da sagte einer: „Es kommen so viele Touristen zum Stachus. Und dann stehen da die Container. Die verstellen die schöne Fotoachse.“ Wenn Stolz umkippt und zur Verpflichtung wird, entsteht ein beengendes Lebensgefühl. Mehr über die Aktion "Bunnyhill" gibt es auf jetzt.de im Bunnyhill-Blog. Hier berichten die Macher des Projekts der Münchner Kammerspiele über den Ablauf und ihre weiteren Pläne. Zum Beispiel für den kommenden Mittwoch: dann lädt jetzt.de gemeinsam mit den Münchner Kammerspielen nach Münjing: zur Lesung des Autors Michal Hvorecky. Also vormerken: 24. Mai, 20 Uhr!

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