Ortstermin: Wenn die EU Schule macht

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Dietlind Jering Foto: Hannes Kerber Der Musiksaal des Elsa-Brändström-Gymnasiums in München-Pasing ist abgedunkelt, damit man die Beamer-Slideshow mit Bildern von Barroso, Verheugen und Co. sehen kann. Trotzdem trägt Dietlind Jering eine dunkle Sonnenbrille. Sie wartet mit verschränkten Armen darauf, dass die Schüler im Saal ruhig werden. Dietlind Jering, 59, ist stellvertretende Leiterin der Vertretung der Europäischen Kommission in Berlin – oder, so wurde sie vom Sozialkundelehrer angekündigt, „ein hohes Tier bei der EU“. Dietlind Jering hat 1967 am Elsa-Brändström-Gymnasium Abitur gemacht und ist eine von vielen EU-Mitarbeitern, die im Rahmen einer Informationsinitiative an ihre ehemaligen Schulen zurückkehren, um mit den Schülern über die EU zu sprechen. „Wir haben den Eindruck, dass die EU im Unterricht zu wenig vorkommt und dass sie bei den jungen Leuten noch nicht angekommen ist. Obwohl sie die EU alle von morgens bis abends betrifft“, sagt die 59-Jährige. „Wir hoffen, dass wir Ihr Interesse wecken.“ Sie hat die Sonnenbrille abgenommen und öffnet ihre verschränkten Arme, während sie dies sagt. Dietlind Jering möchte die EU vorstellen und für sie werben. Wenn sie erklärt, worin ihre Arbeit besteht und was die EU ist, fallen häufig Worte wie „Bürgernähe“. Worte, die ein bisschen deplaziert wirken, so deplaziert wie die beiden kleinen Papier-EU-Fähnchen, die im Hals einer Mineralwasserflasche stecken, die auf dem Tisch vor Dietlind Jering steht. Nach der kurzen Einführung stellt Dietlind Jering in ihrer Beamer-Slideshow von Bildern berühmter EU-Beamter für Schüler nicht ungewohnte Frontalfragen: „Welches Organ verabschiedet die EU-Gesetze?“ oder „Wie viele deutsche EU-Kommissare gab es bisher?“ Dann möchte sie mit „meinen Schulkameraden“, wie sie sagt, über die EU diskutieren. Sie sammelt die Fragen der Schüler: „Wie stellen Sie sich die EU in zwanzig oder in fünfzig Jahren vor?“, „Was wird passieren, wenn die Türkei beitritt?“ und „Was tut die EU, damit die Zustimmung zu einem Beitritt im türkischen Volk nicht noch weiter sinkt?“ Sie sammelt die Fragen der Schüler und sagt: „Ich möchte das gleich an Sie zurückgeben: Kann jemand etwas sagen, der für den Beitritt ist und jemand, der dagegen ist? Vielleicht auch, weil die Schüler Zweifel haben, die sie in Fragen formulieren, geht Dietlind Jering nur selten auf die anschließenden Wortmeldungen der Schüler ein. Nach einigen Minuten sagt sie: „Wir wollen das nicht vertiefen und ich meine, wir sollten die Türkei-Frage jetzt verlassen.“ Zwei Zehntklässler in der dritten Reihe schauen sich irritiert und fragend an. Sie lachen leise auf. Einer fragt hinter vorgehaltener Hand: „Warum antwortet sie nicht?“ Das nächste Diskussionsthema wählt Dietlind Jering selbst: die ambitionierten Klimaschutzziele, welche die EU im Februar 2007 verabschiedet hat. Nach knapp zwei Stunden resümiert die ehemalige Schülerin über das Treffen mit den heutigen Schülern des Elsa-Brändström-Gymnasiums: „Einige Schüler waren sehr, sehr nachdenklich und haben hervorragende Beiträge geleistet, andere haben wiedergegeben, was sie aus den Medien kennen und haben dadurch auch ganz toll zur Diskussion beigetragen.“ Zwei Schüler reagieren auf das Ende der Diskussion anders: „Naja“, sagt einer, „besser als Bio.“

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