Produktbiografie: Der Schmuck, den ich trug

Zur eigenen Biografie zählen nicht nur Zeugnisse und Praktika, sondern auch Produkte, Frisuren und Moden. Heute: Dominik Schottner über Körperdeko
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Der Ohrring

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Illustration: Julia Schubert

Juwelier Lachner sagte noch: "Links cool, rechts schwul", nahm die Zange und stieß mir den kleinen Silberstecker ins linke Ohrläppchen. Ich war 10 Jahre alt, alle Jungs hatten das und ich wollte "alle" sein. Weil der kleine Silberstecker ziemlich bescheiden aussah, tauschte ich ihn bald gegen einen goldenen Ring, der noch schlimmer war. Das Ohrloch ist bis heute nicht zugewachsen.


Das Freundschaftsbändchen

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Illustration: Julia Schubert

Wegscheide Firmgruppe: Zum Zeichen der Verbundenheit mit meinen katholischen Mit-Firmlingen knüpfte ich, auf der Wiese des Pfarramtes sitzend, diese dünnlichen Bändchen aus buntem Faden, die man an Sicherheitsnadeln einfädelt und sich in den Oberschenkel rammt. Alle meine Freunde von heute sind entweder Protestanten oder waren damals nicht dabei.


Die Holz-Kette

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Illustration: Julia Schubert

Eine der Hürden auf dem Weg zum eigenen Stil ist der Versuch, in Skaterklamotten gut auszusehen. Neben geruchsanfälligen Sneakern trug ich Ketten mit gigantisch großen Holzkugeln, die auf Gummibändern aufgereiht waren. Später tauschte ich die Kugeln gegen kleine Scheiben aus Perlmutt und noch später gegen Muscheln auf Lederband. Aber auch die konnten nichts.


Der Ring

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Illustration: Julia Schubert

Das Einzige, was Frodo Beutlin richtig erkannt hat, war die Kraft, die in Ringen stecken kann: Trug ich den falschen Ring, gab es massiven Stunk mit meiner Freundin. Trug ich gar keinen, gab es auch Stunk. Seit der Scheidung meiner Eltern halte ich Ringe aber für einigermaßen verzichtbar. Und eigentlich muss ich nicht extra erwähnen, dass meine Freundin das anders sieht.


Das Tattoo

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Illustration: Julia Schubert

Subkutan injizierte Farbe kann man als Körperschmuck bezeichnen, man kann aber auch hergehen und das mit der Injektion einfach sein lassen. Bisher habe ich es getan, es also gelassen, stelle mir aber gerne vor, wie ich breitbeinig ins Tattoo-Studio gehe, mich vor das Monster namens Tätowierer setze und mit dünner Stimme darum bitte, wenn möglich nicht zu doll zuzustechen!

Text: dominik-schottner - Illustration: Katharina Bitzl

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