Produktbiografie. Heute: Meine Witze

Zu einer Biografie gehören nicht nur die Schulabschlüsse und Wohnorte, sondern auch die Produkte, Frisuren und Moden, die man mit der Zeit so mitgemacht hat. Heute geht es um Stefans Witze.
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Illustration: Julia Schubert

Sag mal ... - Witze Witze erzählen nur Menschen wie Fips Asmussen oder Mario Barth. Das ist wahr, stimmt aber nur ab einem gewissen Alter. Im Kindergarten interessiert sich nämlich in Sachen Humor noch niemand für das so genannte Coolsein. Im Kindergarten brüllt man (voller Vorfreude auf die eigene Antwort) wahllos ein anderes Mitglied der Hasengruppe mit den Worten „Sag mal Klettergerüst“ an. Die prustende Antwort auf das Wort „Klettergerüst“ zieht ihren Humor dann aus dem bloßen Reim, sie lautet natürlich „Du hast ’ne nackte Frau geküsst“ – und mit Abstand betrachtet, fragt man sich, was genau daran so lustig war, dass es am Ende die gesamte Hasengruppe in Verzückung versetzt hat.


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Illustration: Julia Schubert

Wie heißt?-Witze Die elaborierte Form des „Sag mal ...“-Witzes ist die Scherzfrage. In mein Leben trat sie in der Grundschulzeit in Form des scheinbar weltläufigen Namenskalauers. Man fragte einen ahnungslosen Klassenkameraden: „Wie heißt der chinesische Verkehrsminister?“ und gab auf dessen Achelzucken weltmännisch zur Protokoll: „Um-Leit-Ung“. Mit dieser Art Witz konnte man nicht nur seine Mitschüler erfreuen, sie eigneten sich auch, um auf Familienfeiern Onkels und Tanten zum Lachen zu bringen.


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Illustration: Julia Schubert

Alle Kinder-Witze Keineswegs tantentauglich waren die „Alle Kinder“-Witze, die ihren Reiz aus dem Comeback des Kindergartenzaubers zogen. Sie paarten das Kleinkind-Brüllen der „Sag mal ...“-Witze mit einer neu gewonnenen Humor-Aggressivität: Sätze wie „Alle Kinder haben Haare, nur nicht Thorsten, der hat Borsten“ funktionieren wie ein gereimter ausgestreckter Finger, der auf Thorsten zeigt. Dabei sind sie so dämlich, dass sie das Niveau von Barth und Asmussen noch unterbieten und vermutlich deshalb unter gewissen vermeintlich erwachsenen Menschen einen so genannten „Kult“-Status genießen.


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Illustration: Julia Schubert

Nicht-Witze Da das Witze-Erzählen ein eher schlechtes Image hat, das Lachen aber ein recht gutes, verlegte ich mich während der Pubertät auf so genannte Nicht-Witze. Diese basieren auf ihrer fortgeschrittenen Sinnfreiheit und gipfeln fast immer in einer fehlenden Pointe; wie zum Beispiel: „Stehen zwei Pilze am Abgrund. Sagt der eine Pilz: Wenn wir da runter fallen sind wir tot. Sagt der andere Pilz: Halts Maul, Pilze können gar nicht reden.“


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Illustration: Julia Schubert

Deine Mudder-Witze „Deine Mudder“-Witze sind ein relativ junges Phänomen und ich bin sicher kein typischer Vertreter dieser Humorkunst. Ich habe mich nämlich vergleichsweise lange dagegen gewehrt, Kollegen sinnlos mit Sätzen wie „Deine Mudder arbeitet auf ’nem Fischkutter – als Geruch“ anzusprechen. Doch mit der Zeit wurde es immer schwieriger sich diesem Witztypus zu entziehen, der (dank des Internets) omnipräsent auf der Abwertung einer imaginären Mutter basiert. In der Form „Deine Mudder zieht Traktoren auf DSF“ schafften es diese Witze aber übrigens sogar in einen Tomte-Song.

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