Produktbiografie: Meine Öko-Meilensteine

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Graues Umweltpapier 1985-1989: Unschuldige Grundschulzeit in einem Münchner Vorort mit Eltern, die seit Anfang der 80er die Grünen wählen. Unsere Angst hieß „Ozonloch“, unsere Hoffnung der Verzicht auf FCKW. Tschernobyl war schrecklich, zeigte aber auch endlich, wer Recht hatte: Die Grünen. Dass ich nur auf Umweltpapier schrieb, war klar. Damals war das noch schmutzig-grau und saugte Tinte wie verrückt. Einzig der kleine „Rettet-die-Wale“-Punkt entschädigte mich dafür, nicht so reines Weiß wie meine Mitschüler zu haben.


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Illustration: Julia Schubert

Ausgespülte Joghurtbecher ab 1990: Ich wuchs in einem Landkreis mit einer der strengsten Mülltrennungsgesetze auf. Warf man in anderen Teilen der Republik noch Batterien auf den Kompost, mussten bei schon uns Joghurtbecher getrennt (es waren gefühlte 15 verschiedene Mülltüten) entsorgt werden. Da die Becher aber schnell zu stinken begannen, mussten sie vorher gespült werden. Das wiederum sorgte reichlich für präpubertären Konfliktstoff.


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Illustration: Julia Schubert

Die B-Frage 1991-1998: Jedes Jahr wieder: „Willst Du nicht mal Birkenstock-Hausschuhe haben? Dein Bruder hat auch welche.“ Auch wenn ich heute weiß: Die Schuhe sind gesund und es gibt Modelle, die sehen gar nicht mal so schlimm aus. Birkenstock-Sandalen sind dermaßen mit einem pubertären Abgrenzungsprozess verbunden, dass es mir bis ins hohe Alter unmöglich sein wird, sie zu tragen.


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Illustration: Julia Schubert

Meine erste Bionade 2003: Ein lauer Rekordsommerabend an der Isar: Benno, Flo und ich mit einer handlichen Flasche in die Abendsonne grinsend. Und es handelte sich nicht um Bier. Spätestens Anfang 20 wird einem klar, dass es nicht unbedingt cool ist, zu jeder Gelegenheit Alkohol zu trinken. Im Freundeskreis häufen sich die „Ich mach jetzt mal Alkohol-Pause“-Sätze und dann ist Bionade die beste Substitutionsmöglichkeit – nicht so süß wie Spezi, nicht so öko wie Club-Mate.


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Illustration: Julia Schubert

Avocado aus dem Bio-Markt - heute: Avocados der Sorte „Hass“ sind kleiner und hässlicher als die große, grüne Variante, schmecken aber viel besser. Einmal aufgeschnitten oxidieren sie sehr schnell und sehen dann – zugegeben – etwas eklig aus. Es gibt sie nur im Bio-Markt. Meine Mitbewohner, beide nicht so die Obst-/Gemüsetypen, projezieren ihre ganze Bio-Antipathie auf diese kleinen, schwarzen Dinger. Aber ich mag Hass.

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