Produktbiografie: Philipps wirre Frisuren

Zu einer Biografie gehören nicht nur Schulabschlüsse und Wohnorte, sondern auch die Produkte, Frisuren und Moden, die man bisher mitgemacht hat. Deswegen zeichnen jetzt.de-Redakteure ab sofort ihre Konsum-Lebenslinien öffentlich nach. Heute: Philipp Mattheis und seine wirre Frisuren-Biografie
philipp-mattheis
Default Bild

Illustration: Julia Schubert

Volahiku-Frisur. 1995 bis 1997 Zwischen 15 und 17 erreichte meine pubertäre Verhaltensauffälligkeit ihren Höhepunkt. Diese Frisur war kein Haarschnitt, sondern ein wirrer Hybrid aus Punk, ADS und Rasierapparat. Damit sagte sie viel über mein Inneres. Die meiste Zeit trug ich ein Baseballcap, wenn möglich auch noch eine Kapuze darüber. Das sah zwar komisch aus, war aber im Vergleich zu dem, was danach folgte, eine meiner besten Frisuren.


Default Bild

Illustration: Julia Schubert

Rasta-Zöpfe. 1997 Eine Frisur, für die ich mich wirklich schäme. Zum Glück hatte ich sie nicht lange. Ein Grund für diesen ästhetischen GAU war das Mädchen, das mir das Kunsthaar einflocht. Von ihr hätte ich mir auch eine Tonsur schneiden lassen. Nach und nach löste sich das Kunsthaar und schon nach zwei Wochen sah ich aus wie "Krusty the Clown" während einer Chemotherapie.


Default Bild

Illustration: Julia Schubert

Dreadlocks. 1997 bis 1998 Richtige Dreadlocks erfordern sehr viel Aufmerksamkeit, Arbeit und Pflege. Doch die konnte ich ihnen nicht geben. Das Resultat waren ungleichmäßige, mehr oder weniger verfilzte Würste, die nach diversen Substanzen rochen. Ein Foto aus diesen Tagen klebt immer noch in meinem Führerschein.


Default Bild

Illustration: Julia Schubert

Glatze. 1999 bis 2000 Nach meinem Zivildienst ging ich ein Jahr auf Weltreise. Gut sah das nicht aus, aber die Glatze steht für Verzicht, Uneitelkeit und Pflegeleichtigkeit. Der perfekte Haarschnitt nach Trennungen und bei Haarausfall. Außerdem gibt es viele Mädchen, die einem die ganze Zeit den Kopf streicheln, weil sie dieses Gefühl so lustig finden. Eine Frisur, auf die ich im Alter mit Sicherheit noch einmal zurückkommen werde.


Default Bild

Illustration: Julia Schubert

Beckham-Iro. 2003 bis 2004 Diese Frisur war nie cool. Mittlerweile aber sieht man sie nur noch in Großraumdiskotheken, wo Menschen mit silbernen Stecker im Ohr Wodka-Bull trinken. Aber es gab eine Zeit da waren "Schwabing-Iros" angesagt. Naja, das dachte ich zumindest… Immerhin sagte ich "Nein", als der Friseur mich fragte, ob er die Spitzen blond färben solle.


Aktuell: Irgendwann Ende 20 führt man eine Langzeitbeziehung und hat einen geregelten Tagesablauf . Man beginnt immer öfter Sätze mit "Bei mir war das früher so..." und trägt einen Kurzhaarschnitt.

Text: philipp-mattheis - Illustration: Lucille Mietling

  • teilen
  • schließen