Radl-Platten: Steff liefert Musik aus

Seit er seinen kleinen Plattenladen im Münchner Westend zumachen musste, bringt Steff Hautkappe die Platten selber zu seinen Kunden – mit dem Fahrrad.
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Illustration: Julia Schubert

Wie lange gab es deinen Plattenladen "Sunnymoon"? Im April wären es elf Jahre gewesen, aber ich habe zwei Monate vorher Schluss gemacht. Das Geschäft ist immer schwieriger gelaufen, vor allem wegen der riesigen Konkurrenz im Netz. Ich glaube, meine Kunden waren trauriger als ich. Es gab sogar einen Nachruf. Seit März lieferst du Platten aus. Warum hast du dich dafür entschieden, zum Radlkurier zu mutieren? Das war zuerst eigentlich als Service für meine Stammkunden gedacht. Und seit ich auf Online-Versand umgestiegen bin, sitze ich sehr viel am Rechner. Da brauche ich Ausgleich. München ist auch eine tolle Radlstadt, die keine großen Berge hat, die man erklimmen müsste. Und der ökologische Aspekt ist bei meinen Kunden auch sehr gut angekommen. Wie funktioniert dein Lieferdienst? Der Kunde bestellt die Platte auf der Homepage (sunnymoon.info), per Mail, Telefon oder SMS. Wenn ich sie nicht vorrätig habe, bestelle ich sie und dann wird ein Übergabeort ausgemacht. Die Lieferung dauert meistens zwischen zwei und fünf Tagen. Ich merke jetzt schon, dass die Kunden ihre Platten schnell haben wollen. Mehr als ein paar Tage wollen die nicht warten. Ich fahre zu jeder Adresse innerhalb des Mittleren Rings. Wohin lieferst du? Ich habe schon bei Konzerten Platten ausgeliefert, bin in den Biergarten geradelt und natürlich zu Leuten nach Hause. Ich hatte auch schon ein Treffen auf der Leopoldstraße und da habe ich mir zum ersten Mal überlegt, ob das, was ich tue, überhaupt legal ist. Darf ich auf einer Münchner Straße Platten verkaufen, oder in einer Kneipe – nach 22 Uhr? Wie viele Kunden schaffst du am Tag? Momentan sind es ja noch sehr wenige und ich versuche, meinen Liefer-Dienst auf einmal die Woche zu beschränken. Das meiste bisher waren 18 Adressen, dafür habe ich drei Stunden gebraucht. Hast du einen Musik-Schwerpunkt? Ich habe eigentlich nur Musik der Independent-Szene. Natürlich kann ich auch Musik der Major-Plattenfirmen bestellen und ausliefern, aber die Drogerie-Märkte sind da einfach besser dran. Die arbeiten mit Mengenrabatten und sind da unschlagbar. Deshalb bin ich auch eher auf Vinyl spezialisiert. Das ist der definitiv sicherste Tonträger, den man schon selbst kaputt machen muss, um die Dateien zu zerstören. CDs können nach ein paar Jahren kaputt gehen. Allerdings muss man erkennen, dass Tonträger ein Luxus geworden sind. Eine Platte oder eine CD kauft man sich zuletzt, wenn am Ende des Monats noch Geld da ist. Und lohnt sich das? Mit Lieferservice und Online-Versand bin ich auf jeden Fall schneller in den schwarzen Zahlen, weil fast alle Unkosten, die ich mit dem Plattenladen hatte, wegfallen. Ob es sich wirklich lohnt, werde ich erst sehen, wenn ich es eine Weile gemacht habe. Bild: privat

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