Rockstar mit Plastikgitarre

Das Spiel „Rock Band“ setzt auf einen neuen Typus: den sozial aktiven Computerspieler. Seit dieser Woche gibt es auf jetzt.de eine neue Kolumne. Sie beschäftigt sich monatlich mit den neuesten Trends auf dem Computerspiel-Markt.
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Illustration: Julia Schubert

Im Februar wird Electronic Arts ein neues Spiel veröffentlichen, das Garagenrockbands in anderer Form wieder auferstehen lassen könnte. Das Spiel heißt „Rock Band“ und hat in den USA bereits beim spielenden Publikum eingeschlagen wie ein Gratiskonzert von Metallica. Die sonst eher lässig auf Sofas herumlungernden Spielernaturen greifen für „Rock Band“ auf ein Plastiksortiment bestehend aus Gitarre, Bassgitarre, Drums und Mikrofon zurück und bewegen mehr als nur ihre Finger. Die Instrumente werden mit einem Kabel an die Konsole angeschlossen. Aufgabe der Spieler ist es, im richtigen Moment die richtigen Töne zu treffen, um so den Song möglichst real nachzuspielen. An die 50 Songs stehen zur Auswahl. Darunter Klassiker, wie etwa The Clash „Should I Stay or Should I Go“, Rolling Stones „Gimme Shelter“, aber auch jüngere Songs, wie zum Beispiel „Wave of Mutilation“ von den Pixies oder „When You Were Young“ von The Killers. In verschiedenen Spielmodi können die Nachwuchskünstler solo oder als Gruppe ihre Technik weiter verfeinern und so immer tiefer in die glamouröse Welt des virtuellen Rockbusiness einsteigen. Auf Videoportalen wie YouTube kann man zur Zeit sehen, dass das tatsächlich Spaß machen kann. Schon gibt es erste Stimmen, die von einer Musiker- und Bandrenaissance durch „Rock Band“ ausgehen. .

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Illustration: Julia Schubert

Fest steht, dass es vielen Spielern, egal ob jung oder alt, unheimlichen Spaß macht, in die Rolle von Pseudorockstars zu schlüpfen. Dabei ist „Rock Band“ keineswegs das erste Spiel, das auf den Musiktrend aufspringt. War es zunächst lautes Karaokebrüllen auf Partys mit „SingStar“, das für einen hohen Unterhaltungswert – auch für unbeteiligte Zuschauer – sorgte, griffen wenig später schon Spieler zu den Plastikgitarren von „Guitar Hero“. Der Trend soll heißen: Weg vom sozial verkrüppelten Nerd, der einsam seine Zeit verzockt, hin zu agilen gut gelaunten, jungen Menschen, die zusammen Spaß haben und unvergessliche Nachmittage als Rockstars verbringen. Der geforderte Grad an körperlicher Aktivität soll den Spielern sogar den Schweiß auf die Stirn treiben. Nicht übel für ein Videospiel. Zumindest wünscht sich wohl der Entwickler dieses Image. VonUnternehmerseite kann auf jeden Fall von einem neuen Trend gesprochen werden. Da der Reiz dieser Spieltitel mit der Auswahl der Musiktitel steht und fällt, ist es nur folgerichtig, dass die Firmen in regelmäßigen Abständen neue Tracks in Form von kostenpflichtigen Downloads anbieten. Damit zeichnet sich ein Erfolg versprechendes und lukratives Geschäftsmodell für die Unternehmen ab – stetig tröpfelnde Kleinstbeträge, gezahlt von süchtigen Spielern.

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