Schlittenkunde

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Der Autoschlauch Liebhabergefährt mit einfachem Charme. Das Auftauchen eines prallgepumpten Schlauches wird an Schlittenbergen in aller Welt als spektakulärer Höhepunkt gehandelt. Extravagante Abwürfe durch Trampolinwirkung möglich. Andererseits aber auch elegantes Gleiten über Bodenwellen und kleinere Schluchten. Unerreichte Opulenz durch „römisches Liegen“, gepaart mit bequemer Federung. Für den Exotenbonus sind allerdings oft beiliegende Väter in Kauf zu nehmen. Schlecht kontrollierbare Drehbewegungen führen dazu, dass mancher Reifenrodler ohne vorherigen Sichtkontakt mit dem Hinterkopf voran in ein winterliches Gebüsch brettert.

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Illustration: Julia Schubert

Der Holzschlitten Klassiker. Zeichnet sich durch Haltbarkeit und Anwendungsvielfalt aus. Zur geselligen Abfahrt „a deux“ mit anschließendem Schneeflockenwegküssen so geeignet wie zur Beförderung eventuell daraus hervorgehender Säuglinge. Wenn die Abfahrt in der 90-Grad-Sitzposition zu langweilig wird, bieten sich folgende Alternativen an: „Lurch“ – auf dem Bauch mit Kopf nach vorn. „Hackl“ – auf dem Rücken mit gerecktem Kopf hinten. „Scheiterhaufen“ – zu viert aufeinander. Krönender Abschluss jeder Holzschlitten-Anwendung ist die „Kette“, bei der mehrere Schlitten verbunden werden und auf einen Schlag ungeahnte Verletzungen möglich sind.

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Illustration: Julia Schubert

Die Plastiktüte Zweckentfremdeter Notbehelf. In Sachen Flexibilität unschlagbar, vor allem dank des günstigen Packmaßes und Anschaffungspreises. Die Rodeltüte aus PVC ist traditioneller Anlass erster ökopädagogischer Debatten zwischen Kindern und Eltern, deren Papiertüten und Jutesäcke völlig ausscheiden. Federung und Fahrkomfort der Plastiktüte weisen Mängel auf, dafür ist die Kontrolle in brenzligen Situation verhältnismäßig einfach (aufstehen und weggehen). Besonders geeignet sind großformatige Discounter-Tüten. Praktischer Nebeneffekt der Plastiktüte: Auf der Rodelbahn ausgeschlagene Zähne können in ihr leicht nach Hause transportiert werden.

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Illustration: Julia Schubert

Das Rutschblatt Bob-Surrogat, das in den späten 80er Jahren aufkam. Beliebt bei Müttern, da es mit Ablauf der Saison zwischen der Winterkleidung im Schrank zu verstauen ist und darüber hinaus in seiner Form an den gesunden Apfel gemahnt. Kommt im professionellen Bereich selten zum Einsatz. In der Anwendung nur zögerliche Ekstase, da stets Unsicherheit darüber herrscht, ob noch das Rutschblatt oder schon der Hosenboden fährt. Gefühl der Benachteiligung gegenüber stärker motorisierten Schlittenfahrern. Beschleunigung verläuft unkontrolliert und unfreudig, Unebenheiten auf der Fahrbahn werden direkt an die Wirbelsäule weitergegeben.

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Illustration: Julia Schubert

Der Zipfelbob Vollplastikpatent in ergonomischer Rutschform. Langlebige und robuste Konstruktion, erzielt enorme Geschwindigkeit mit guter Kontrolle dank weit vorausfahrender Füße. Skibrille erforderlich, da der aufgischtende Schnee genau auf Augenhöhe niederkommt. Nicht gesellig, typisches Gefährt von Einzelkindern. Der Zipfelbob bietet wenig Möglichkeit für Experimente, da es zum Beispiel unmöglich ist, falsch herum aufzusitzen. Ziemlich sportlich, allerdings mühsam bergan zu tragen. Sehr beliebt bei Vätern, wenn zehn Minuten vor der Abfahrt in den Winterurlaub noch die Zipfelbobs von drei Kindern in den ausgelasteten Kofferraum unterzubringen sind.

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