"Sex wird schon so lange manipuliert"

Auf der Website "Fuck for forest" zeigen sich Menschen beim Sex - für einen guten Zweck.
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Die Schwedin Leona Johansson (26) und der Norweger Tommy Hol Ellingsen (32) betreiben (sic!) seit fünf Jahren ein Projekt, das den Regenwald retten soll: fuckforforest.com. Die beiden schlafen miteinander, laden dazu gerne Freunde ein, filmen alles und lassen Internet-Porno-Gucker dafür bezahlen. Das Geld spenden sie an Hilfsoganisationen in Südamerika. Wie genau das alles funktioniert, hat Leona im jetzt.de-Interview erklärt. jetzt.de: Leona, mit dem Verkauf von Pornographie wollt ihr den Regenwald retten. Siehst du generell einen Zusammenhang zwischen Sex und Politik? Leona: Sex wird schon so lange manipuliert. Von der Medien- und Werbelandschaft - und auch von der Politik. Wenn man es schafft, die Sexualität der Menschen zu kontrollieren, hat man sehr viel Macht über sie. Heute noch haben so viele ein verkrampftes Verhältnis zu Sex. Wenn man es schafft, die Leute mit möglicherweise Verbotenem nervös zu machen, hat man ihre Aufmerksamkeit und kann Botschaften verbreiten. Legitimiert ihr nicht einfach nur eure Lust mit ein bisschen Aktivismus? Natürlich machen wir Fotos und Videos von Menschen, die Spaß an Nacktheit und Sex haben. Viele Besucher von fuckforforest.com gucken sich sowieso gerne Pornos an und wir zeigen ihnen echten Sex, der nicht geplant und nicht inszeniert ist. Wir wollen auch sexuell erziehen. Wir wollen zeigen, dass man spielerisch mit Sex umgehen und ihn dadurch viel mehr genießen kann. Achten die Betrachter überhaupt auf eure Naturschutz-Parolen? Auf jeden Fall! Die Situation des Planeten ist so heftig, überall gibt es Probleme mit der Umwelt, und überall wird den Leuten davon erzählt. Das hängt allen längst zum Hals raus. Wenn man das Thema aber mit Humor mixt, ist es für viele einfacher, darüber nachzudenken.

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Illustration: Julia Schubert

Eure User zahlen 15 Euro im Monat. Wieviel geht an euch, wieviel an Projekte für den Erhalt des Regenwaldes? Wir verdienen daran überhaupt nichts. Nur die Miete für die Wohnung, die unser Hauptquartier ist, bezahlen wir von den Beiträgen. Im Winter können wir ja nicht draußen drehen. Aber wir profitieren auf andere Weise. Zum Beispiel werden wir oft eingeladen und dürfen auf vielen verschiedenen Festivals weltweit einen Info-Stand aufbauen. Ein weiterer Bonus ist, dass wir durch fuckforforest.com viele Leute kennen lernen. Wir haben auch eine Praktikantin, die bei uns wohnt, und die finanziell vom Staat unterstützt wird. In Norwegen hat die Regierung die Zuschüsse gestrichen, als rauskam, was genau ihr macht. Wie habt ihr die deutsche Regierung dazu gekriegt, zu zahlen? Es war ein großer bürokratischer Aufwand, aber da wir als gemeinnützige Organisation eingetragen sind, klappt das. Wo genau schickt ihr das Geld für den Regenwald hin? Es gibt zwei Projekte, in Costa Rica, und in Ecuador. In Costa Rica haben wir 60 Hektar Land gekauft, das wir erhalten wollen. Und in Ecuador unterstützen wir die Aktion "SeedsDream", die heimische Völker zusammenführt und für das Wachstum des Regenwaldes sorgt. Tommy ist gerade in Brasilien und versucht, ein paar gute Projekte zu finden, denen wir helfen können. Einige Organisation wollen euer Geld gar nicht. Der WWF zum Beispiel nahm nichts von euch an, weil ihr 2004 auf der Bühne eines Rockfestivals Sex hattet. Bereust du diesen Akt? Nein. Ganz am Anfang war fuckforforest.com nur eine Idee. Wir hatten verschiedene Ansätze, kamen in Kontakt mit einer Rockband und haben das einfach gemacht. Von da an ist alles explodiert, auf einmal hatten wir das volle Medieninteresse auf unserer Seite. Der Sex auf der Bühne war unser Einstieg. Wie ist der Umgang mit den Medien? Ich war erst ängstlich und nicht daran gewöhnt, mit Journalisten zu sprechen. Aber da Sex gut in den Medien funktioniert und wir auch was für den Planeten tun, haben uns alle nett behandelt. In euren Videos spielen neben dir und Tommy vor allem Freunde von euch mit. Kann man sich für eine Rolle bewerben? Jeder kann mitmachen, es ist ein offenes Projekt. Ich kann nur nicht garantieren, dass mein Freund, meine Freunde und ich mit allen ins Bett steigen. Gibt es Eifersucht? Ich habe hier viel über Eifersucht gelernt. Eifersüchtig wird man nur aus rein egozentrischen Gründen: Warum habe ich gerade keinen, mit dem ich schlafen kann? Eifersüchtige Menschen haben keine Probleme mit bestimmten Situationen, sondern mit sich selbst. Empfindest du fuckforforest.com als harte Arbeit? Phasenweise schon. Wir müssen viel organisieren, E-Mails beantworten und natürlich die Projekte am Leben halten. Habt ihr Vorbilder? Yoko Ono und John Lennon haben schon gute Sachen gemacht. Und die 70er an sich waren toll, mit all dem Sex, Drugs and Rock'n'Roll. Wünschst du dir manchmal, in den 70ern zu leben? Das wäre sicher mal cool, aber die Gegenwart ist ja auch sehr interessant. Außerdem hatten die damals kein Internet.

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