Stimmt das echt?

Jede Stadt hat ihre Mythen – wir haben zwölf Münchner Gerüchte auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft
max-scharnigg

Sie sind wie alte Bekannte, die man immer wieder trifft: im Biergarten oder auf einer Party bekommt man sie erzählt und manche sind schon richtig alt. Gerüchte über diese Stadt, die immer einer vom anderen gehört hat und die bestimmt fast ganz wahr sind. Nur kann man das im Biergarten leider nicht nachprüfen. Wir haben mal die Top-Gerüchte dieser Stadt untersucht.

Default Bild

Illustration: Julia Schubert

Gerücht 1: Im Siegestor gibt es oben einen Raum, in dem man legendär gut Partys feiern könnte. Wahrheit: Es gibt oben im Siegestor zwar einen Raum, aber ohne jede Erschließung, fensterlos und ohne Luftaustausch. Das ist eher ein baubedingter Hohlraum, den man durch eine kleine Tür und dann über eine Steigleiter betreten kann, bei Wartungsarbeiten wird der manchmal genutzt. Die Benützung für Partys ist allerdings aus unserer Sicht völlig ausgeschlossen. Pressestelle Baureferat München Gerücht 2: Im Fahrradkeller des Oskar-von-Miller-Gymnasiums wurde ein Film der Schulmädchenreport-Reihe gedreht. Wahrheit: „Das kann ich nicht bestätigen, aber auch nicht ganz ausschließen. Die Außenaufnahmen für einige der Schulmädchen-Filme wurden natürlich in Schwabing gedreht, das ist ja an vielen Stellen gut zu erkennen. In einem Film sieht man auch mal ein Schild auf dem „Zentralgymnasium“ zu lesen ist, das aber ist nicht das Oskar-von-Miller-Gymansium. Ich habe keine Räume entdeckt, die eindeutig dem Gymnasium zuzuordnen sind.“ Sebastian Kuboth bietet geführte Filmtouren durch München an, bei denen die Originalschauplätze bekannter Filme und Serien besucht werden. Gerücht 3: Die Werkstätte vom Meister Eder ist irgendwo im Lehel Wahrheit: Das Gebäude mit dem legendären Hinterhof und der Werkstatt stand bis 1985 im Lehel. Es gehörte der Bayerischen Versicherungskammer, die es eigentlich schon 1982 nach der ersten Pumuckl-Staffel abreißen lassen wollte. Die Serie lief aber so gut, dass viele Einsendungen den Bayerischen Rundfunk erreichten, man möge doch bitte an den Schauplätzen weiterdrehen. Das Gerücht besagt jetzt, dass erst durch die persönliche Intervention von Franz Josef Strauss auch die nächsten Staffeln in der alten Werkstatt gedreht werden konnten – einer seiner Söhne war angeblich großer Pumuckl-Fan. Sebastian Kuboth


Gerücht 4: Man schafft es mit dem Auto in zwei Stunden von München bis zum Gardasee Wahrheit: Fakt ist, es sind etwa 380 Kilometer von München an die Nordspitze des Sees nach Riva del Garda. Bei einer (unrealistischen) Durchschnittsgeschwindigkeit von 200 km/h wäre das Ziel also in zwei Stunden zu erreichen, normalerweise braucht man aber eher vier Stunden. Dazu Gussi Czakert vom Nobel-Autohaus König: „Also, Anfang Autobahn bis Anfang Lago wäre in zwei Stunden zumindest machbar. Mein Mann hat es jedenfalls einmal von Anzing nach Bardolino (ca. 421 km, Anmerkung der Redaktion) mal in zwei Stunden und 59 Minuten geschafft.“ Gerücht 5: Hinter der Leinwand im Filmcasino wurde mal eine Leiche gefunden. Wahrheit: Stimmt, Ende Juli im Jahr 1996 fiel den Zuschauern im Filmcasino am Odeonsplatz ein immer stärkerer Geruch auf. „Taubendreck“, vermuteten die Platzanweiser damals zunächst. Doch später fand die Polizei in der Dachverschalung vor der Leinwand die acht Tage alte Leiche eines griechischen Übersetzers. Der 53-Jährige war von Schutzgelderpressern bedroht und schließlich entführt und erdrosselt worden. Die Tat geschah im Zuschauerraum des Kinos, zu dem einer der Täter als Mitglied der Putzmannschaft den Schlüssel besaß. Über eine Steigleiter hinter der Leinwand hatten die beiden den Toten in einen Verschlag über der Decke gehievt. Gerücht 6: Die Polizei steht hinter einem Busch am Siegestor und passt Radfahrer ohne Licht ab. Wahrheit: „Das mit dem Busch möchte ich doch bitte dementieren. Was stimmt ist: Wir machen sehr viele Fahrradkontrollen auf der Ludwigstraße auch am Siegestor, gerade an der Kreuzung dort gibt es oft Rotlichtverstöße. Auf der Ludwigstraße fahren wegen der Universität eben sehr viel Radfahrer und es passieren auch viele Unfälle dort, deswegen ist das natürlich ein Schwerpunkt für uns.“ Claudia Haas, Polizei München
Gerücht 7: Viktualienmarktstandbesitzer sind alle Millionäre Wahrheit: „Das kann ich sofort und energisch dementieren. Mein Konto spricht jedenfalls eine ganz andere Sprache. Was aber stimmt: Bis 1972, also bevor die Fußgängerzone gebaut und die Supermärkte überall waren, gab es tolle Umsätze am Markt. Damals sind die Händler zum Teil zweimal am Tag in die Großmarkthalle gefahren, weil sie ausverkauft waren. Es gibt auch heute noch Betriebe in der zweiten oder dritten Generation, die von dem Ersparten aus dieser Zeit gut leben können. Aber wenn man sich sonst so umschaut: Es hören auch welche auf, weil es sich nicht mehr rentiert. Was auch so ein Gerücht ist, dass der alleinige Besitz eines Standl hier so viel wert wären. Aber im Gegenteil, bei einem Verkauf ihres Standls wird nicht der Geschäftswert einberechnet, sondern nur das, was wirklich drinnen ist, also ein paar alte Regale und Theken.“ Christine Hirschauer, Vorstandsvorsitzende der Interessengemeinschaft der Viktualienmarkthändler Gerücht 8: Christian Ude ist schwul. Deswegen fährt er immer in einen Hotspot der Szene nach Griechenland in den Urlaub und engagiert sich so für die schwul-lesbische Szene der Stadt. Wahrheit: „Nehmen Sie bitte zur Kenntnis, dass Sie es mit einem bekennenden und praktizierenden Hetero zu tun haben und das ist auch gut so.“ Christian Ude auf einer Versammlung der „Rosa Liste“ im November 2007 Gerücht 9: Der Gärtnerplatz ist komplett untertunnelt und in dem Gewölbe gibt es eine einzige große Saunalandschaft, in der es jede Nacht hoch hergeht. Zustieg zu diesem unterirdischen Vergnügen ist an der „Deutschen Eiche“. Wahrheit: „Also in unseren Kellergewölben sind zwar Saunen, aber die erstrecken sich nur innerhalb unserer Grundstücksgrenzen von Reichenbachstraße 13 bis zur Buttermelcherstraße und damit eher weg vom Gärtnerplatz. Geheimgänge sind mir keine bekannt. Ich höre das Gerücht ehrlich gesagt auch zum ersten Mal. Das verbreitet doch bestimmt der Volksmund, der auch denkt, der ganze Gärtnerplatz wäre schwul. Da würde es doch passen, wenn drunter der Moloch sitzt.“ Wolfgang, Empfangschef der „Deutsche Eiche“
Gerücht 10: Alle Kneipen in Schwabing gehören Iris Berben. Wahrheit: „Fest steht auf jeden Fall: Viele Kneipen in München gehören immer noch Gabriel Lewy, der früher einmal der langjährige Lebenspartner von Iris Berben war.“ Jossi Loibl, Chefredakteur des Münchner Gastroführers „Delikatessen“ Gerücht 11: Die dritte und vierte Startbahn am Flughafen ist bereits asphaltiert. Man hat nur als Tarnung Gras drüber wachsen lassen Wahrheit: „Das Gerücht mit der dritten Startbahn kenne ich schon, seit mit dem Bau des Flughafens begonnen wurde. Dass es auch noch eine vierte Bahn geben soll, ist mir aber neu. Fakt ist, dass wir gerade mit dem Feststellungsverfahren für die dritte Startbahn durch sind und jetzt das Anhörungsverfahren abwarten und erst dann kann mit dem Bau der dritten Bahn begonnen werden.“ Peter Prümm, Pressestelle Flughafen Gerücht 12: Seit der Münchner Flughafen in Betrieb ist, hat sich das Stadtklima verändert - durch die großen asphaltierten Flächen wird so viel Wärme abgestrahlt, dass sich die Wolken auflösen. Wahrheit: „Kann man vollkommen verneinen. Schon allein weil die Stadt München eine wesentlich größere versiegelte Fläche darstellt. Über größeren Städten gibt es natürlich Veränderungen in der Mitteltemperatur, die Oberflächen speichern die Wärme und geben sie, vor allem nachts wieder ab, es ist also immer ein bisschen wärmer als im Umland. Wir haben auch eine Studie zum Flughafen durchgeführt, heraus kam, dass sich im Umkreis von einem Kilometer nur um ein paar Zehntel Grad die Temperatur erhöht hat.“ Gerhard Hofmann, Deutscher Wetterdienst München

Text: max-scharnigg - Illustration: Katharina Bitzl

  • teilen
  • schließen