Überzeugen durch Stil statt Moral

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Die Schildchen mit dem braunen Blatt sind klein und unauffällig. „Naturmode“ steht vorne auf dem Umweltpapier, sonst nichts. Sie teilen dem Käufer diskret mit, dass die Baumwolle dieses Kleidungsstücks aus kontrolliert ökologischen Anbau kommt. „Ich mache keine Propaganda für Bio“, sagt Petra Mark. Muss sie auch nicht machen. Ihre grüne Mode findet auch so ihre Käufer – weil sie gut aussieht. Seit fünfzehn Jahren entwirft die Münchner Modedesignerin Kleidung. Umweltfreundlich war ihre Mode von Anfang an, auch wenn nicht ganz freiwillig. Ihre ersten Stücke nähte sie aus Stoffen, die sie auf Flohmärkten fand. „Wiederverwertung war damals aber nur einer der Gründe“, sagt sie. Einerseits mochte sie die schrillen Muster der 70er-Jahre, anderseits fehlte ihr für andere Materialien schlicht und einfach das Geld. Recycling-Mode wurde nach und nach zu ihren Markenzeichen – noch heute hängen Röcke aus alten Gardinen und Kleider aus betagten Sweatshirts auf der Kleiderstange.

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Illustration: Julia Schubert

Mode ohne Moral: Modelle von Petra Mark Als ihre Boutique endlich gut lief, beschloss Petra, einen Schritt weiter zu gehen: Vor einem Jahr fing sie an, ihren Laden in der Damenstifstraße auf Öko umzustellen. „Die Hälfte aller Sachen in meinem Laden sind jetzt Bio“, sagt Petra. „Es sollen aber 100 Prozent werden.“ Bis dahin hängen Bio- und konventionelle Klamotten wild durcheinander. Ohne die Schildchen kann man sie nicht voneinander unterscheiden: Alle Schnitte sind gleich frech, alle Farben satt. Nur beim Fühlen merkt man den Unterschied: Der eisblaue Mantel – pflanzlich gefärbt und aus naturgewalkter Wolle – fühlt sich samtiger an, als sein herkömmliches Pendant. Obwohl die Biotextilien doppelt so teuer sind, bemüht sich Petra, ausschließlich aus solchen Stoffen zu nähen: „Es macht auch mehr Spaß aus ihnen zu schneidern.“ Konventionelle Materialien kauft sie nicht mehr ein, nur die Restbestände muss sie noch aufbrauchen. Bei ihren geliebten Flohmarktstoffen kommt Petra allerdings in die Zwickmühle – sie sind nur selten ökologisch. Hier sucht sie den Kompromiss: „Ich werde sie zumindest biologisch färben.“ Auf Werbung verzichtet die Designerin. Die Kleidung soll für sich selbst sprechen. Sie weist die Kunden nicht einmal auf die Herkunft der Stoffe hin. „Fast niemand fragt explizit danach, die meistem entscheiden nach der Optik“, erzählt sie. Bio hat aber seinen Preis: Ein Pullover aus Ökobaumwolle kostet zum Beispiel 110 Euro, 30 Euro mehr als ein konventioneller. „Es ist utopisch, Biomode billig anzubieten. Hersteller, die das behaupten, würde ich mit Vorsicht genießen“, warnt Petra. Ihre Bioklamotten bleiben trotzdem keine Ladenhüter. Weil die Stoffe angenehmer seien, zahlten ihre Kunden bereitwillig mehr. Vielleicht ist genau das Petras Geheimnis: Nicht die moralische Schiene fahren, sondern mit Stil überzeugen. Einige ihrer Stücke haben es schon auf die Seiten von Elle, Maxi und U-Mag geschafft. „Ich bin kein radikaler Öko“, erzählt Petra. „Aber wer Bio lebt, muss es konsequent tun. Auch wenn meine Biomode ein Flop wäre – ich hätte es durchgezogen.“ Nicht nur der Umwelt zuliebe, auch sich selbst. Mehr über grüne Mode auf jetzt.de - Das Interview mit Martin und Anton von Armedangles - Die aktuelle Folge der grün&gut- Kolumne: ökologisch korrekte Jeans

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