Unter dem Pflaster der Strand

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Anfang April haben die "Urbanauten" vom Münchner Stadtrat den Zuschlag erhalten: Sie dürfen ihren Kulturstrand auch dieses Jahr wieder aufschütten. Außerdem wurden die Standorte für die nächsten vier Jahre festgelegt. Was 2005 am Professor-Huber-Platz mit dem Kunst- und Kulturprojekt „Unter dem Pflaster der Strand“ begann, hat sich mittlerweile in eine große Wanderdüne verwandelt. Voll sommerlicher Vorfreude wagen wir einen Blick in die Zukunft und haben die Kulturstrand-Standorte auf ihre Tauglichkeit getestet.

Standort 2011: Universität

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Illustration: Julia Schubert



Strandfaktor: Die Achse „Universität-Eisbach“ ist eine äußerst mächtige Allianz, die sich jedes Jahr pünktlich zum Beginn des Sommersemesters formiert. Schon so manche Generation von Studenten nötigte sie dazu, mit triefend nassen Badeshorts die allerallerletzte Nachhol-Prüfung zu schreiben oder wegen des zu hohen Sandanteils zwischen den Zehen der Bibliothek verwiesen zu werden.

Bademöglichkeit: Uni-Brunnen (Urban Legend: auf dem Grunde des Brunnens befinden sich angeblich harpunenartige Widerhaken) oder Eisbach

Kiosk in der Nähe: Der VIP-Obststand vom Didi oder der Klon auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

Regenschutz: Die Gewölbe der Universität oder der Ludwigskirche eignen sich bei einem plötzlichen Hagelschauer hervorragend für ein erstes Anbandeln mit dem zukünftigen Gspusi aus dem Mediävistik-Proseminar.

So kommt man hin: U-Bahn Haltestelle Universität.

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Standort 2012: Vater-Rhein-Brunnen

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Illustration: Julia Schubert


Strandfaktor: Die mächtige Schiffsschraube vor dem Deutschen Museum auf der anderen Straßenseite erinnert zwar wenig an Strand, dafür aber sehr an Meer. Ab in die Welt von Jules Vernes!

Bademöglichkeit: Das knietiefe Wasser des Brunnens wird mit allerlei Bierkästen schnell zugeparkt sein. Notfalls kann man aber auf das Müllersche Volksbad ausweichen.

Kiosk in der Nähe: Fehlanzeige. Dafür gibt es aber unglaublich viele Sushi-Restaurants.

Regenschutz: Die Unterführung unter der Ludwigsbrücke und von da aus ins Muffatwerk oder ins Museum Lichtspiele-Kino.

So kommt man hin: Mit der 18er-Tram „Codename: Nautilus“. Haltestelle Deutsches Museum.

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Standort 2013: Corneliusbrücke

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Illustration: Julia Schubert



Strandfaktor: Fast könnte man sich hier ein bisschen so wie Robinson Crusoe fühlen. Wären die anderen Deppen nicht auch schon alle hier und gäbe es die Autos im Rücken nicht.

Bademöglichkeit: Die Kiesbänke am Deutschen Museum. Machete nicht vergessen!

Kiosk in der Nähe: Der Kiosk-Klassiker an der Reichenbachbrücke ist nur eine Brücke entfernt. Die Fraunhofer Schoppenstube ist auch gleich um die Ecke. Warnung: Nichts für Leichtmatrosen.

Regenschutz: Gibt es nicht. Hier wird man noch richtig nass, wie in der guten, alten Zeit.

So kommt man hin: U-Bahn-/Tramhaltestelle Fraunhoferstraße.

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Standort 2014: Sendlinger Tor-Platz

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Illustration: Julia Schubert



Strandfaktor: Eindeutig der Ballermann Münchens. Die Sonne (Überwachungskameras) knallt einem erbarmungslos auf den Kopf, eine Quallenplage (Taubenplage) herrscht und ständig hat man Angst, geradewegs in einen Seeigel (Methadonspritze) zu latschen. Umzingelt von Apotheken und dem Innenstadtklinikum müsste dies theoretisch der Ort sein, an dem sich die eigenen Überlebens-Chancen auf ein Maximum erhöhen. Sicher fühlt man sich hier deshalb trotzdem nicht wirklich.

Bademöglichkeit: Fehlanzeige. Als Ausgleich für die fehlenden Bademöglichkeiten kann man sich in der unmittelbaren Umgebung hervorragend innerlich benässen: Pimpernel, Schnelle Liebe, Blumenbar, Erste Liga, Kreuz 16, Kirsch&Co, Milchbar, Harry Klein, 59to1 und die hoffentlich bald neu eröffnete X-cess-Bar sind nur einen Kokosnusswurf entfernt.

Kiosk in der Nähe: Zahlreiche Dönerbuden reihen sich hier wie Perlen an einer Kette.

Regenschutz: Fluchtmöglichkeiten gibt es hier überall. Vielleicht hat ja zur Bespaßung das Karl-Valentin-Museum noch geöffnet.

So kommt man hin: U-Bahn-/Tramhaltestelle Sendlinger Tor.

Text: markus-okur - Illustrationen: Autor

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