Unter Uhren

In Bars sitzen wir oft unter Kunstwerken, ohne das Geringste über sie zu wissen. In unserer Kneipenkunst-Serie erzählen wir die Geschichten dieser Bilder. Heute: Das Café Puck.
therese-meitinger

Um die Uhr kommt man nicht herum. Sie prangt nicht nur prominent über dem Tresen, sie war auch schon immer da. Zumindest, seit das Café Puck in der Türkenstraße eröffnet hat, und das ist mittlerweile 19 Jahre her. Gebaut hat das antike Stück ein Londoner Uhrmachermeister, das Design, bei dem dunkles Eisen ein eckiges Ziffernblatt umrahmt, ist schlicht, reduziert, aber elegant.

Default Bild

Illustration: Julia Schubert



Das Café Puck ist heute selbst ein bisschen so. Die Inneneinrichtung hat sich seit den frühen Neunzigerjahren nicht wesentlich geändert. Glasvitrinen für die Alkoholika erinnern zwar an wildere Feierzeiten, als das Puck noch ein Party-Lokal für LMU-Studenten war. Mittlerweile ist es aber vor allem für sein Frühstück bekannt, es strahlt Gediegenheit und Zurückgenommenheit aus, als wäre das Motto: „Bloß kein Firlefanz!“ 

„Ich bin kein Fan von zu vielen Bildern. Das wirkt schnell überladen“, sagt Christoph Klingele, der Besitzer. Exakt zwei Bilder hängen an der Wand, auch sie gehören von Anfang an zum Inventar. Klingele hat sie in Auftrag gegeben, er wandte sich damals an die junge Studentin Julia Eggeringhaus. Die hatte bereits das Café-Logo entworfen und die Speisekarte illustriert. Für die Bilder bekam sie nun völlig freie Hand. „Das Briefing war wirklich nur: Mach einfach mal“, sagt Christoph Klingele. 

Also machte Julia. Mit Acrylfarbe und einem breiten Spatel gestaltete sie zwei großformatige Bilder, die typisch waren für ihren damaligen flächigen Stil. Ein Bild zeigt eine offene Szene, in der Paare draußen an Cafétischen sitzen, im Hintergrund ist der Eiffelturm zu sehen. Auf dem anderen haben es gesichtslose Menschen unter dunklen Regenschirmen recht eilig. „Ich habe einfach gemalt, was ich mir unter Paris und London vorgestellt habe. Groß recherchiert habe ich nicht“, sagt die Künstlerin heute. Wichtiger als Detailgenauigkeit war ihr, dass die Bilder möglichst abstrakt wirkten. „Damals musste alles abstrakt sein.“ Zwei konkrete Gegenstände aus dem Café Puck sind auf den Bildern allerdings zu finden: die Glasvitrine – und die Eisen-Uhr. Die Idee, mit einer alternativen Umgebung für die Gegenstände zu spielen, kam Julia spontan beim Malen.

Auch Klingele hat die Uhr inspiriert. „Ich finde die einfach wunderschön“, sagt er. „Sie ist klassisch-zeitlos. Dadurch passt sie auch in fast jedes Ambiente.“ Konsequenterweise hat er sie nicht nur im Café Puck behalten, bei seinen anderen gastronomischen Projekten begleitet sie ihn ebenfalls. Eine Attrappe der Uhr hängt als Namensschild an der Außenfassade des jüdischen Restaurants Café Schmock, an dem Klingele zeitweilig beteiligt war. Und im Großwirt spielt das Uhrenmodell ebenfalls eine Rolle: In der Neuhausener Wirtschaft, an deren Wiedereröffnung Klingele gerade arbeitet, soll eine exakte Nachbildung über den Tresen ragen. 

Julia, die Studentin von damals, heißt mittlerweile Williams. Nach ihrem Abschluss zog sie nach San Francisco, um Illustration zu studieren. Anders als an deutschen Unis kam es dort nicht so sehr darauf an, möglichst schnell seinen eigenen Stil zu entwickeln. „Es ging mehr ums Handwerk.“ Das gefiel ihr: Sie blieb insgesamt acht Jahre in den USA, studierte, unterrichtete an der Uni, heiratete einen Amerikaner und entdeckte das Storyboard-Zeichnen für sich. Heute lebt Williams wieder in München. Sie hat mittlerweile einen englischen Mann und arbeitet vor allem für die Filmbranche. Die beiden Straßenszenen, die sie damals für das Café Puck malte, sieht sie heute eher kritisch, erkennt perspektivische und proportionale Fehler. „Jetzt weiß ich natürlich, was ich als junge Studentin alles falsch gemacht habe. Aber das ist ja auch schon wirklich lange her.“

Text: therese-meitinger - Foto: Juri Gottschall

  • teilen
  • schließen