Vom Aussterben bedroht: Original Münchner Filz

Individuell gestaltete Bierfilzl sind in Münchens Kneipen selten geworden. Dabei können sie so schön sein. Ein Untersetzer-Überblick
roland-schulz

Forschungsbrauerei

Default Bild

Illustration: Julia Schubert

Ausgabeort: Bräustüberl der Forschungsbrauerei, Unterhachinger Straße 76 in Alt-Perlach Aufmachung: So muss ein Bierfilzl sein: ohne Schnickschnack, aber mit den zwei wichtigsten Informationen drauf – wo trinke ich, und was trinke ich. Das kommt drauf: Selbstverständlich ein „St. Jakobus Blonder Bock“, das Starkbier der Forschungsbrauerei, die sich der Entwicklung neuer Brauarten verschrieben hat – aber vor allem gutes Bier macht. Und im Keferloher serviert. Allerdings nicht das ganze Jahr über: Gerade hat die Forschungsbrauerei zu. Ende Februar ist wieder offen. Das passiert danach: Man findet den Weg zurück zur S-Bahnstation Perlach nicht mehr. Alternativverwendung: Diese Filzl stützen schiefe Tische, vertragen aufgekritzelte Ergebnisse vom Kartenspiel und tun alles, was ein ordentlicher Filzl können muss – nur Häuser kann man wegen der Form damit nicht bauen.


Trader Vic’s

Default Bild

Illustration: Julia Schubert

Ausgabeort: „Trader Vic’s“-Bar im Bayerischen Hof am Promenadeplatz Aufmachung: Dieser Untersetzer offenbart die ganze Tragik des Bierfilzls: Zwischen einem richtigen Filzl und einem schnöden Schaumsauger für Pilsgläser liegen Welten. Dafür hat das „Trader Vic’s“ noch lustige Manschgerl drauf gedruckt, die so aussehen, als gäbe es die Asterix-Folge „Asterix in der Südsee“. Das kommt drauf: Wenn Bier, dann Pils – oder gleich einen „Tiki Puka Puka“. Das passiert danach: Man gleitet wie auf Schienen durch die Disneyland-Bambusdekoration. Oder: Schlägerei mit Mitgliedern bekannter Britpop-Bands. Alternativverwendung: Die lustigen Figuren drauf kann man prima abpausen, wenn man eine leere Brezn-Tüte dabei hat. Bleistift gibt es an der Bar – das ist immerhin der Bayerische Hof; hier werden (fast) alle Wünsche erfüllt.


Schwarzer Hahn

Default Bild

Illustration: Julia Schubert

Ausgabeort: Schwarzer Hahn, Ohlmüllerstraße 8 in der Au Aufmachung: Schon der stolzgeschwellte Hahn verrät, was einen hier erwartet: Eine gradlinige Kneipe ohne Schnörkel, die sich gerne als In-Kneipe gibt. Das kommt drauf: Original Budvar oder eines der vielen anderen Biere, die der nicht brauereigebundene Schwarze Hahn anbietet. Wobei man hier meist aus der Flasche und im Stehen trinkt, so dass der Bierfilzl eher Accessoire ist. Das passiert danach: Der Bierfilzl stinkt durchdringend nach Rauch – der Schwarze Hahn hat in seinen besten Stunden eine Feinstaubbelastung, gegen die der Mittlere Ring wie ein Luftkurort wirkt. Alternativverwendung: So schön der stramme Filz ist – im Hahn wäre ein labbriger Bierfilz auch nicht übel, weil man sich den gegen die Krachmacher-Musik in die Ohren stopfen könnte.


Unionsbräu

Default Bild

Illustration: Julia Schubert

Ausgabeort: Unionsbräu, Einsteinstraße 42 in Haidhausen Aufmachung: Da hat jemand seinen Thomas Mann gelesen: München leuchtet, zumindest auf diesen Filzln. Dass es sich bei dem komischen Münchner Kindl aber um die Frau des Brauereibesitzers handeln soll, ist nur ein unter Betrunkenen diskutiertes Gerücht. Das kommt drauf: Das naturtrübe Helle, das hier gebraut wird. Das passiert danach: Die Suche nach der im Zwischengeschoss verborgenen Toilette beginnt. Später dann: Rakete-Bar am Johannisplatz. Alternativverwendung: Frisbee-Scheibe. Dieses Sonnenrad da drauf, das muss sich einfach drehen. Und wer es im Unionsbräu schafft, seinen Filzl vom einen Ende des Braukellers zum anderen zu werfen, ist ein Held.


Trachtenvogl

Default Bild

Illustration: Julia Schubert

Ausgabeort: Trachtenvogl, Reichenbachstraße 47 im Glockenbachviertel Aufmachung: Der Untersetzer vom Trachtenvogl hat einen ebensolchen drauf. Schön einfach. Das kommt drauf: Tegernseer. Es gibt aber auch Astra. Das Café ist also so was wie ein Bastard aus Oberland und Hamburg, was die Hirschgeweihe im Rotlicht erklären könnte, die hier hängen. Das passiert danach: Nach 30 Minuten werden die Beine lahm, weil man wieder mal keinen Sitzplatz gefunden hat. Da kraxelt man einfach die enge Treppe in die Katakomben runter, aufs Klo, dann ist alles wieder gut. Alternativverwendung: Die Untersetzer sind viel zu schön, um da Bierstrichlisten drauf zu führen. Schade, dass sie so labbrig daher kommen. Sonst könnte man glatt das Bierfilzl-Sammeln anfangen.

Text: roland-schulz - Fotos: Katharina Bitzl

  • teilen
  • schließen