Was war da denn drin?

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Crux (Ledererstr. 3) Das Bier: Hofbräu Helles 0,33l gibt's für 2,80 Euro. Früher. . . wohnten hier die Löwen des Herzogs. Das Gebäude wurde 1264 gebaut und ist das zweitälteste nichtkirchliche Bauwerk der Stadt. Erst stand darin der höfische Löwenkäfig, später war es das Falkenhaus. Noch später – und noch bis Mitte des letzten Jahrhunderts – „zerwirkte“ man oben bayerisches Wild und verkaufte es im Erdgeschoss. Heute. . . ist das Kreuzgewölbe schwarz gestrichen und durch eine Wand aus Glasbausteinen geteilt. Gutaussehendes Personal bedient gutaussehende Hipster und Hiphopper: Seit das Crux im Oktober öffnete, hat Münchens siechende Rap-Szene endlich wieder ein neues Zuhause. Und weil nach der Schließung der Registratur die Technoszene auch Trost brauchte, gibt es jeden Freitag Elektro. Rote Sonne (Maximiliansplatz 5) Das Bier: Tegernseer Hell und Tannenzäpfle Pils kosten 3,30 Euro. Früher. . . trafen sich hier Futuristen und Dadaisten in einem Prunkhotel. Das wurde im Krieg zerbombt. Später startete im Keller die erste lesbische Disco der Stadt, das „Fortuna“, wo in den Neunzigern berüchtigte Techno-Afterhours stattfanden. Die Chefin von damals betreibt heute eine Zoohandlung. Heute. . . ist die Musik stets futuristisch, ohrenbetäubend und lässt sich auf dem frei schwingenden Eichenparkett stundenlang betanzen. Dadaisten trifft man auch noch ab und zu: Mädchen mit aufgemalten Schnurrbärten, Jungs mit Gameboy-Halsketten – und fast immer den Alten, der auf der Tanzfläche imaginäre Rechtecke abschreitet. Baby! (Maximiliansplatz 5) Das Bier: Radeberger Pils und Estrella Damm für 4,50 Euro. Früher. . . kochte hier Eckart Witzigmann für Politiker und Staatsgäste. Das „Aubergine“ war das erste deutsche Restaurant mit drei Michelin-Sternen. Bis man Witzigmann die Konzession entzog. Heute. . . hängt der Kronleuchter noch am selben Fleck wie damals. Die Wände sind inzwischen weiß gestrichen oder verspiegelt. Vor der Tür steht eine „Selekteurin“, die sogar schicke Anzugträger höflich abweist, wenn ihre Namen nicht auf der Liste stehen. An manchen Abenden trifft man hier auf den Topmodel-Peyman und Samy Deluxe. Sogar Pete Doherty war einmal da. Aber nur 20 Minuten. Dann nahm er die Schwester der Clubmanagerin an der Hand und fuhr ins Atomic Café. Atomic Café (Neuturmstr. 5) Das Bier: Augustiner, auch hier geschrumpft auf 0,33l, für 3 Euro. Früher. . . standen hier Klaus und Erika Mann auf der Bühne. In dem bekannten Revuetheater „Bonbonniere“ fand im Januar 1933 die Premiere ihres politischen Kabaretts „Die Pfeffermühle“ statt – wenige Wochen vor Hitlers Ernennung zum Reichskanzler, wegen der sie später emigrierten. Heute. . . stehen im Schnitt vier Bands pro Woche auf der Bühne. Das Händchen der Booker ist berühmt: Nicht selten füllen die Bands beim nächsten Besuch plötzlich die Tonhalle. Das „Atomic“ hat seit langem die beste Mittwochsparty, den legendärsten Backstageraum und die filigransten Türsteher der Stadt. Und ist inzwischen auch außerhalb Münchens so bekannt, dass es in Indiekreisen die Visitenkartenfunktion übernimmt, die sonst das Oktoberfest innehat. Elli Disco (Elisenstr. 3) Das Bier: Paulaner und Heineken kosten im 0,33l-Format 3 Euro. Früher. . . aß man hier, gegenüber vom Alten Botanischen Garten, das feinste Vitello Tonnato der Stadt. In den Achtzigern bewirtete ein Edel-Italiener den Laden. Heute. . . tanzen Studentinnen der Kommunikationswissenschaft mit blonden Jungs in Weste, denen die „Erste Liga“ nicht schillernd genug, das „P1“ zu steif und das „Baby!“ zu posh ist. Die „Elli“ hat schwarze Spiegelwände und an der Decke einen sauteuren zehn Meter langen LED-Teppich. Der Club ist klein, hat die kraftvollste Anlage der Innenstadt – und das interessanteste, aber auch verwirrendste Raumkonzept. Weshalb man manchmal Angst hat, sich nach zwei Gin Tonic unter Umständen zu verlaufen.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Erste Liga (Thalkirchner Str. 2) Das Bier: Staropramen, das zweitbeliebteste tschechische Pils, kostet 3,80 Euro. Früher. . . empfing einen hier, gleich am Eingang zum Glockenbachviertel, die Galionsfigur des Schwulenviertels: der New York Club. Das war Anfang der Achtziger. Seither sind verschiedene schwule Clubs in den Keller ein- und wieder ausgezogen, zuletzt The Stud, der einzige Laden mit Swingerclub-Lizenz. Heute. . . tanzt man hier auf dem leuchtenden Schachbrett, der immer noch fabelhaftesten Tanzfläche der Stadt. Den besten Cuba Libre mischt der langhaarige tätowierte Barmann, der aussieht wie Osolemirnix aus Asterix. „Liga-Sound“ ist heute eine stadtweit verbreitete umgangssprachliche Beschreibung für den Disco-House des Labels Gomma. Dessen Chefs legten sieben Jahre lang jeden Donnerstag hier auf. Übrigens war einer der Räume früher mal ein Darkroom.

Text: jan-stremmel - www.ersteliga.com

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