Was wir gelesen haben

Mitarbeiter der jetzt.de-Redaktion erzählen von dem Buch, das sie zur Seite gelegt haben, das sie gerade lesen und das sie lesen wollen.
jetzt-Redaktion
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Illustration: Julia Schubert



Habe ich gerade gelesen: „So ruhet in Frieden“ von John Ajvide Lindqvist
  So war’s: Lindqvist will eine Geschichte über Untote erzählen, die anders als alle Horror-Filme, Splatter und Vampirserien ist. Mit „So finster die Nacht“ ist ihm genau das gelungen: Der Film zu diesem Buch war ein ziemlicher Arthouse-Hit. Bei "So ruhet in Frieden" ist es anders. Der zwölfjährige einsame Oscar verliebt sich im Film in Eli, die aussieht wie zwölf und auch gern noch ein normales Mädchen wäre – in Wahrheit aber eben Vampir ist. Leider geht dem Buch die Spannung ab und man kann die Geschichte nie so richtig greifen. Schade. Und enttäuschend.

  Lese ich gerade: „Istanbul – Erinnerungen an eine Stadt“ von Orhan Pamuk
  So ist’s: Ich mag Istanbul und schon deshalb genieße ich es, dieses Buch zu lesen. Es gewährt einen guten Einblick in die Welt der alten, richtigen Istanbuler wie Nobelpreisträger Pamuk einer ist. Vor kurzem war ich in der Stadt und stellte mir vor, dass hinter all den Fenstern der schmucken Holzhäuser in der Altstadt jene Menschen wohnen, wie sie Pamuk beschreibt. Ich fühlte mich fast ein bisschen zuhause.

  Will ich lesen: „Der Junge im gestreiften Pyjama“ von John Boyne
  Deswegen: Ich hatte schon angefangen, aber es war einfach unerträglich: Da ist dieser kleine Junge, der umziehen muss, weil sein Vater Soldat ist. Als er zum ersten Mal aus dem Fenster des neuen Hauses schaut, sieht er Stacheldrahtzäune. Anders als er weiß der Leser, was das zu bedeuten hat. Und genau dieses Wissen macht es schwer, die Geschichte zu ertragen. 

Steffi Hentschke
 
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  Habe ich gerade gelesen: „Im falschen Licht“ von Carlo Schäfer
  So war’s: Langatmig, mit teilweise richtig nervigen Charakteren. Ein Hauptkommissar, der ein bisschen an Louis de Funes in langsam erinnert. Er arbeitet mit einem anstrengend tollpatschigen Team, das einen mysteriösen Mord aufdeckt und am Ende sogar noch einen Hundemörder fängt. Man muss sich durchkämpfen, ehe auf den letzten Seiten etwas Seltsames passiert: Auf einmal hat man doch alle Figuren ins Herz geschlossen und könnte noch Stunden weiterlesen. Genial.

  Lese ich gerade: „Liebestänze“ von Rainer Schmidt
  So ist’s: Ein sehr gutes Buch über elektronische Tanzmusik der 90er Jahre und die dazugehörige Lebenswelt zwischen zuviel Drogen und endlosen Berliner Clubnächten. Das Beeindruckende: Rainer Schmidt schreibt so fantastisch gut, dass man beim Lesen die wummernden Bässe richtig spüren kann. Wer mit elektronischer Musik bisher nichts anfangen konnte, wird sie nach diesem Buch lieben. Der Autor hat übrigens jede einzelne Seite von bekannten DJ’s, Rentnern, Kindern, Schriftstellern und vielen mehr einsprechen lassen und die daraus entstandenen 300 Clips online gestellt.

  Will ich lesen: „Logoland“ von Max Barry
  Deswegen: Wurde mir von meinem Mitbewohner empfohlen. Es spielt wohl in der Zukunft und zeigt unsere Welt in der Radikalversion. Der Klappentext verrät: Jeder Mensch ist käuflich, es geht nur noch um Konsum, und für eine gute Werbung nimmt man gerne ein paar Menschenleben in Kauf. Für mich klingt’s schräg, aber meistens sind lesenswerte Bücher ja so. 

Julia Siedelhofer

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  Habe ich gerade gelesen: „In Schrebers Garten“ von Klaas Huizing
  So war’s: Es geht um Paul Schreber, den Sohn des durch die Schreber-Gärten bekannt gewordenen Orthopäden, der eine gräuliche Erziehung durchstehen musste und als Erwachsener an Schizophrenie erkrankte. Ich fand es spannend und leicht zu lesen. Um es richtig gut zu finden, hätte es mich aber, so blöd das klingt, mehr mitnehmen müssen. Allerdings habe ich danach die Biographien der Schreber-Familie nachgelesen. Ist ja auch ein guter Effekt einer Lektüre.
 
Lese ich gerade: „Der Name der Rose“ von Umberto Eco
  So ist’s: Wurde Zeit, dass ich das mal nachhole. Und es ist, wie man immer sagt: Gleichzeitig spannend und klug, beziehungsweise viel klüger als man selbst.  

Will ich lesen: „Würdest du bitte endlich still sein, bitte“ von Raymond Carver
  Deswegen: Dieses Buch hat man mir geliehen, seitdem liegt es rum und ich schaffe es nicht, es zu lesen. Wahrscheinlich, weil ich immer denke, Erzählungen liest man eher so nebenbei (macht man dann aber nie). Als nächstes nehme ich es mir aber wirklich vor, denn erstens: ist die deutsche Übersetzung des Titels sogar noch besser als das Original („Will you please be quiet, please?“) und zweitens: passiert in Carvers Geschichten manchmal einfach nichts und trotzdem weint man am Ende. So stelle ich mir das zumindest vor. Und überhaupt pfeifen doch seit Jahrzehnten die Vöglein von den Dächern, jeder, der den Kurztext mag, müsse Carver lesen.
 
Nadja Schlüter



 
Habe ich gerade gelesen: „Zwei an einem Tag“ von David Nicholls
  So war’s: Eine Liebesgeschichte, wie sie sein sollte – ohne schrecklich abgedroschene Romantiklügen und Happy End, eine Geschichte, die genau so in der Realität tatsächlich passieren könnte. Gleichzeitig ist es ein gefühlvolles Buch, das man nicht mehr weglegen möchte.

  Lese ich gerade: „Lila, Lila“ von Martin Suter
  So ist’s: Ein unscheinbarer Student erfindet sich als Schriftsteller, um mehr Aufmerksamkeit von seiner Traumfrau Marie zu bekommen. Dabei verstrickt er sich immer weiter in ein Netz aus Lügen und Intrigen. Ich bin noch im zweiten Kapitel, aber allein die Tatsache, dass es ein Suter ist, macht dieses Buch lesenswert.
 
Will ich lesen: „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ von John Irving
  Deswegen: Wurde mir von mehreren Leuten empfohlen und steht auch schon eine gewisse Zeit in meinem Bücherregal. Bisher hat mich der dicke Schinken abgeschreckt, aber langsam wird es Zeit.

Verena Kuhlmann

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  Habe ich gerade gelesen: „IQ84“ von Haruki Murakami
  So war’s: Hat ziemlich lange gedauert, das Buch hat 1021 Seiten. Macht aber nichts, weil es sehr spannend ist. Murakami erzählt die Geschichten von Aomame und Tengo, immer abwechselnd widmet er ein Kapitel ihr und eines ihm. Natürlich laufen die Geschichten am Ende zusammen, nach und nach wird die Verbindung deutlicher. Wie meistens in Murakami-Büchern ist eine gehörige Portion Mysteriöses dabei: eine seltsame Sekte, eine Art Paralleluniversum und die „Little People“, Phantasiewesen, die vielleicht mehr sind als nur Phantasiewesen. Wie meistens in Murakami-Büchern werden all diese Rätsel am Schluss nicht so klar aufgelöst, wie man es sich gewünscht hat.

  Lese ich gerade: „Super Sad True Love Story“ von Gary Shteyngart
  So ist’s: Der Roman ist vor allem deshalb spannend, weil er eine Art Gedankenexperiment ist, in dem Shteyngart sich fragt, was aus unserer Gesellschaft wohl mal wird. Er ist dabei sehr kreativ und steigert Veränderungen, die jetzt schon spürbar sind, ins Absurde. Alle Menschen tragen zum Beispiel einen so genannten Äppärät bei sich, einen Nachfolger des Smartphones, der unablässig Daten streamt und allen anderen Äppärät-Trägern verrät, wie hoch Cholesterinspiegel, Kontostand und „Fickfaktor“ des Besitzers gerade sind. Das ist lustig und interessant zu lesen, aber jetzt, nach der Hälfte des Buches, muss ich sagen, dass sich diese Masche langsam erschöpft hat und die Geschichte selbst mich irgendwie nicht so richtig in ihren Bann gezogen hat.
 
Will ich lesen: „Der feine Unterschied“ von Philipp Lahm
  Deswegen: Die Saison kommt gerade ein bisschen in Fahrt und da kann ein bisschen Futter für den Fußball-Smalltalk nicht schaden. Allerdings habe ich noch meine Zweifel, ob ich wirklich durchhalten und das ganze Buch lesen werde.  



Text: jetzt-Redaktion - Foto: fruitloop°/photocase.com

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