Weltstadt im Nerz

Ob Dachlawine, Hitzestreifen oder Zipfelbob: Die wichtigsten Stichworte der Kälte-Saison findest du in unserem Münchner Winteralphabet.
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Illustration: Julia Schubert


Aggressionsabbau
Funktioniert sehr gut bei einer Schneeballschlacht. Die flashmobartige Zusammenrottung von Schneeballschlachtenbummlern ist in deutschen Großstädten in den vergangenen Jahren ja stark in Mode gekommen. In München gab es verschiedene Versionen, zum Beispiel „Dafür gegen Dagegen“ oder „München-Ost gegen München-West.“ Die Termine erreichen einen meistens über die von den Urbanauten gegründete Facebook-Gruppe „Die größte Schneeballschlacht aller Zeiten“ oder die Twitter-Timeline (@Partyguerilla).
 
Boardergruß
Erst einschlagen, dann die Faust gegeneinander stupsen – so begrüßt sich, wer sich zur Szene der Snowboarder zählt. Und das sind in und um München ziemlich viele.
 
Christkindlmarkt
Jawohl, Christkindlmarkt, nicht: Weihnachtsmarkt. Der angenehmste seiner Art ist übrigens am Weißenburger Platz in Haidhausen zu finden.
 
Dachlawine
Ein Wort, das man Menschen aus schneearmen Regionen schnell beibringen sollte. Die kennen diese winterliche Gefahr von oben nämlich oft nicht und erschrecken sich wahnsinnig, wenn ihnen so ein gepresstes Eis-Schnee-Gemisch vor die Füße donnert.

Einparken
Wird schwer, wenn der alte Schnee einem die Parkplatzgröße mit eisigen Umrandungen vorgibt. Dafür hat man dann eine Ausrede für das Berühren des Vorder- und Hinterautos.
 
Feuerzangen-Bowle
Der weltweit größte Bottich mit diesem Getränk steht im Dezember und Januar in München am Isartor. Zweieinhalb Meter Durchmesser hat der Topf, fasst 9000 Liter Bowle und am Rand werden etwa eben so viele Rühmann-Witze gerissen.
 
Giesinger Berg
Großer Guerilla-Rodel-Geheimtippp. Manchmal, wenn man schneller ist als der Räumdienst, kann man früh morgens dort hinunter rodeln.

   

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Illustration: Julia Schubert



Hitzestreifen
Betritt man im Winter ein Kaufhaus wie Konen, fühlt sich das an, als würde einem die uralte Morla aus der Unendlichen Geschichte warm in den Nacken atmen. Der Hitzestreifen am Eingang kann aber praktisch sein, wenn man auf eine verspätete Verabredung warten muss.
 
Inversionswetterlage
Oben warme Luft unten kalte – gut für alle, die in die Berge fahren, aber schlecht für diejenigen, die in der Stadt bleiben müssen. Dort steigt bei Inversionswetterlage im Winter nämlich die Feinstaubgrenze in den allerrötesten Bereich und sorgt für so ziemlich das Gegenteil von dem, was man sich unter erfrischender Gebirgsluft vorstellt.

Jagatee
So nennen sich alle Glühwein-Derivate jenseits von 1400 Höhenmetern.
 
Kastanien
Der Winter hier wäre härter, wenn es die Maroni-Stände nicht gäbe. Hervorgetan hat sich der Stand in der Nähe vom Jagd- und Fischereimuseum. Der Verkäufer kann entweder nicht gut zählen oder packt auch mal nur aus Freundlichkeit 15 statt zehn Kastanien in die Tüte.
 
Lachen
Beste Gelegenheit zur Aufheiterung in der Innenstadt bieten die unbeholfenen Eisläufer, die im Winter auf der Mini-Eisfläche am Stachus herumstolpern.

 

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Illustration: Julia Schubert



Milchreis
Der Frozen-Yoghurt-Laden „I Love Leo“ (Kaulbachstraße 37) verkauft im Winter auch Milchreis und bestreut ihn mit saisonalen Geschmäckern.
 
Nymphenburger Kanal
Unbedingt machen: Eisstock schießen auf dem zugefrorenen Kanal und dabei zwischen grantigen Ur-Münchnern im Kamelhaarmantel stehen.
   
Olympiaberg
Der amtliche Schlittenberg Münchens – bei optimalen Bedingungen überlaufen wie die Wiesn am zweiten Wochenende.
 
Parkplatz-Schlittern
Nacht und Neuschnee - das ist die Kombination, aus der Jungsträume gemacht sind. Denn jetzt braucht man nur noch einen leeren Parkplatz und Mut im Gasfuß und im Handbremsen-Arm, und schon fühlt man sich wie Walter Röhrl.

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Illustration: Julia Schubert

 

Quarktaschen
Wer ins Skigebiet Spitzingsee (siehe S) fährt, muss einen Pflichthalt in Hausham einlegen. Die Bäckerei Kandlinger (Naturfreundestrasse 1) macht die besten Quarktaschen der Welt.
   
Rodelstrecken
Es gibt zwei verschiedene Philosophien: Entweder, man stapft den Berg durch den Schnee hinauf, oder man fährt mit dem Lift. Den Stapfern seien der Pürschling und das Hörnle empfohlen, den Liftlern der Wallberg und der Blomberg.
 
Spitzingsee
Das wohl am schnellsten von München aus erreichbare Skigebiet. Mit hübschen Tiefschneeabfahrten und Funpark.
 
Tollwood
Das gehört mittlerweile fest zum Münchner Winter: In Chai-Tee-Schwaden eine verrückte Mütze kaufen (O-Ton: „Gutes Geschenk!“) und dann doch lieber Bratwurst statt Linsenfladen essen.

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Illustration: Julia Schubert


 
Unverspurt
So soll er sein, der Tiefschneehang. Es gibt ein paar Skigebiete, die von München aus gut zu erreichen sind und bei Neuschnee keine Pistenraupen einsetzen. Das Ergebnis: Tiefschnee-Pisten. Zu finden am Wallberg oder auf der Dammkar-Abfahrt im Karwendel.
 
Vogelhäuschen
Sorgt auf dem eigenen Balkon nicht nur für Begeisterung unter den Nachbarn. Als Alternative bietet sich die Musterfutterstelle für Wildvögel des LBV an, die im Englischen Garten beim Rumfordschlössl eingerichtet wurde.
 
Wintereinbruch
Egal wann er erfolgt, man darf davon ausgehen, dass die Stadt, die S-Bahn-Stammstrecke und die Streudienste davon wieder überrascht sein werden.
 
XXL-Schnitzel
Skihunger? Auf dem Rückweg aus den Bergen von der A8 nach Hofolding abbiegen und zum Schnitzel-Werner fahren.
 
Zipfelbob
Wichtiger Ausrüstungsgegenstand für einen Winter in München. Läuft auch unter dem Namen Knüppel- oder Pimmelbob, offizieller Produktname ist Minibob. Es handelt sich dabei übrigens um ein regionales Produkt: Das Teil wurde in den Siebzigern in Tutzing am Starnberger See erfunden.




Text: christian-helten - Illustrationen: Katharina Bitzl

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