Weltwärts mit 580 Euro von der Regierung

Entwicklungsministerin Wieczorek-Zeul über den neuen Freiwilligendienst im Ausland
peter-wagner

Wer zwischen 18 und 28 Jahren alt ist und nach der Schule oder der Ausbildung eine zeitlang in einem Hilfsprojekt im Ausland mitarbeiten will, bekommt künftig Unterstützung von der Bundesregierung: Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul startet am heutigen Montag in Berlin den Freiwilligendienst „weltwärts“. Was das genau ist? jetzt.de hat vorab mit der Ministerin über das Programm gesprochen. Die erste Ankündigung, dass es einen Freiwilligendienst geben soll, gab es schon im Januar diesen Jahres. Haben Sie Rückmeldungen bekommen, ob auch genug Interesse vorhanden ist? Die Nachfrage ist wirklich überwältigend. Allein auf die Ankündigung Anfang des Jahres haben sich in kurzer Zeit über 2.000 junge Leute gemeldet. 70 Prozent davon waren junge Frauen. Auch von den Hilfsorganisationen haben wir sehr positive Rückmeldungen bekommen.

"Wir wollen, dass internationales Engagement nicht vom Geldbeutel abhängt, sondern einem möglichst breiten Kreis junger Menschen offen steht." Entwicklungsministerin Wieczorek-Zeul im Gespräch mit jetzt.de. Foto: AP Welche Idee steckt hinter dem „Entwicklungspolitischen Freiwilligendienst“? Mit dem neuen Förderprogramm „weltwärts“ wollen wir jungen Menschen ermöglichen, nach der Schule oder Ausbildung in Projekten in Entwicklungsländern für 6 bis 24 Monate mitzuarbeiten. Dort werden sie wirklich gebraucht und machen gleichzeitig wichtige Erfahrungen, die heute von unschätzbarem Wert sind: Fremdsprachen, kommunikative Fähigkeiten, interkulturelle Zusammenarbeit, soziale Kompetenz. Die Möglichkeit, in Hilfsprojekten mitzuarbeiten gab es ja schon immer. Was ändert sich mit ihrem Projekt? Die Freiwilligendienste, die es bisher gibt, sind immer mit einer Kostenbeteiligung für die Freiwilligen verbunden – das ist in der Vergangenheit für Viele eine zu hohe Hürde gewesen. Wir wollen aber, dass internationales Engagement nicht vom Geldbeutel abhängt, sondern einem möglichst breiten Kreis junger Menschen offen steht. Deshalb haben wir „weltwärts“ im Bundesentwicklungsministerium initiiert. Wieviel Geld wollen Sie den Teilnehmern zuschießen? Insgesamt stellen wir pro Jahr bis zu 70 Millionen Euro zur Verfügung, das reicht für etwa 10.000 Einsatzplätze pro Jahr. Für die Freiwilligen stellen wir den Trägerorganisationen einen Zuschuss in Höhe von 580 Euro pro Person und Monat bereit, der alle notwendigen Kosten abgedeckt. Das schließt die Reisekosten ein, Vorbereitung und Betreuung, Versicherung, eine ortsübliche Unterkunft und Verpflegung und noch ein kleines Taschengeld. Den Freiwilligen selbst sollen keine Kosten entstehen. Der Dienst erinnert an das „Peace Corps“ in den USA, für das sich US-Jugendliche ab 18 Jahren für 27 Monate verpflichten koennen. Ist das Ihr Vorbild? Das „Peace Corps“ ist in einem ganz anderen historischen Kontext entstanden und mit „weltwärts“ nicht zu vergleichen. Uns geht es um ein Gemeinschaftsprojekt mit der Zivilgesellschaft in Deutschland und in Entwicklungsländern, während das Peace Corps ein rein staatliches Programm ist. John F. Kennedy kündigte die Peace Corps-Idee bereits 1960 an. Warum gibt es solch ein Programm bei uns erst jetzt? Die Nachfrage ist in den letzten Jahren gestiegen. Immer mehr junge Menschen interessieren sich im Zuge der Globalisierung für einen Freiwilligendienst in Entwicklungsländern. Wann startet der Freiwilligendienst? „weltwärts“ geht am Montag offiziell an den Start. Ab da beginnen die Trägerorganisationen, Stellen für die Freiwilligen auszuschreiben. Die Ersten sollen bereits Anfang nächsten Jahres ausreisen. Und wieviele Leute sollen jährlich gefördert werden? Die Rede war von 10 000 Plätzen pro Jahr. Nach den Schätzungen der Trägerorganisationen gehen wir davon aus, dass wir bereits in 2008 bis zu 3 000 junge Leute entsenden können. Wir sind zuversichtlich, dass wir in den nächsten Jahren an die 10 000er-Marke herankommen. Dass die Nachfrage wirklich groß ist, hat die Resonanz auf die Ankündigung Anfang des Jahres gezeigt. Können Sie ein paar Beispiele nennen, in welche Länder man gehen kann oder in welche Projekte? Der Freiwilligendienst wird rund um den Globus grundsätzlich in allen Entwicklungs- und Schwellenländern möglich sein: Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa. Was man dort tun kann: Zum Beispiel AIDS-kranke Kinder in Südafrika betreuen oder Solaranlagen in Tansania aufbauen helfen, sich um Kinder aus benachteiligten Familien in Bolivien kümmern oder in einer Grundschule in Indien mitarbeiten. Die Palette ist sehr breit. Wo kann ich mich bewerben? Bewerben kann man sich direkt bei den Entsendeorganisationen. Auf der neuen Internetseite weltwärts.de kann man sehen, welche Organisationen mitmachen.