Früher, als die Welt noch einfacher war, da gab es ein paar Regeln. Eigentlich war es sogar eine Formel, und wenn man die befolgte, konnten sich sehr viele Menschen auf einen Song einigen und man hatte: einen Sommerhit. Die Regeln sind sehr banal: eingängige Melodie, simpler Text, tanzbarer Rhythmus. Dazu soll der Song gute Laune und Urlaubsstimmung verbreiten, in den Sommermonaten platziert sein und es aus eigener Kraft und für längere Zeit in die Charts schaffen. Der offizielle WM-Song, zum Beispiel, kann damit kein Sommerhit werden. 

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Das Entscheidende ist jetzt: Das sind keine Merkmale, die sich einfach nur aus Tradition oder Hörgewohnheit eingespielt haben. Es ist ein Kriterienkatalog. Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat ihn aufgestellt. Das größte Marktforschungsinstitut des Landes ermittelt die offiziellen deutschen Charts. Und es kürt eben auch den offiziellen deutschen Sommerhit. Subjektiv. Nach seinem Katalog. 

Wir reden bei Sommerhits – zumindest bei denen von früher – also weniger über Musik, als vielmehr über ein großes Marketing-Setzkasten-Set, zusammengesteckt in Plattenfirmen-Schaltzentralen, das über Formatradios direkt in der GfK-Liste landet. Einfachste Milchmädchenrechnung: 1 + 1 = „Coco Jamboo“. Simpler Text mal Urlaubsstimmung zum Quadrat ergibt „Whoah! We’re gonna have a party / Whoah! In the Mediterranean Sea“. 

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Man kann das hassen. Es ist stumpf, schlicht und es kann mit seiner schwülen Hirnlosigkeit zu schwerer Dehydrierung der Seele führen. Aber: Aus dem Kopf kriegt man diese verfluchten Songs ja trotzdem nicht. Und das ist gar nicht so schlimm, wie es im ersten Moment klingt. Denn mit der Musik ist ja auch die Zeit verknüpft, in der wir sie gehört haben. Was toll ist. Kaum etwas bündelt die Erinnerung an einen Sommer schließlich so nachhaltig wie ein Ohrwurm. Und Ohrwürmer, da kann man sich entleiben wie man will, das sind sie ja eben doch alle, diese Sommerhits. 

Deshalb haben wir einen Weg gesucht, wie man beides haben kann: Die wohlig warmen Bilder, die sie uns ins Hirn merenguen – und Eleganz. Dafür haben wir das Designkollektiv Schoener gebeten, die markantesten Titel der vergangenen 25 Jahre zu zeichnen. Ewige Hits, von „We’re Going To Ibiza“ bis „Dragostea Din Tei“, aber eben in zeitgemäß.

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Die Ergebnis siehst du hier. Und in unserem digitalen jetzt-Magazin, das man ab heute in der SZ-App downloaden kann. Und später natürlich auch hier online lesen kann. Ein Sommerheft übrigens, unter anderem mit einem Menschen, der sein Hobby zum Beruf gemacht hat: Arschbombenspringen vom Zehner. Außerdem: mit einer Abrechnung mit dem Freibad, einem Lob auf den vielleicht allerbesten Weg, sich an vergangene Zeiten zu erinnern (Düfte), und einer Reportage von einem Surf-Contest, der in Wahrheit ein gut getarnter Sauf-Contest ist. 

Und eine gute Nachricht haben wir auch noch: Der erfolgreichste Sommerhit (nach GfK-Kriterien) ist, anders als man wohl denken würde, keiner von den ganz kokos-öligen. Es ist Lykke Lis „I Follow Rivers“ aus dem Jahr 2012. Aus einer Zeit also, in der die Linie von den Schaltzentralen der Majorlabels schon seltener direkt in die GfK-Listen führte. Durch Streaming- und Downloadportale ist die Welt nämlich komplizierter geworden. Und die Konsumenten mündiger. Neue Musik findet man nicht mehr nur bei Bayern 3, Urlaub macht man nicht mehr nur unter Palmen. Die neue Regel, die das mit sich bringt: Fast alles geht. Vielleicht noch nicht bei der GfK. Aber bei uns. Gute Sommerlektüre wünscht: die jetzt-Redaktion. 

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PS: Wir verlosen 50 große Poster mit den designten Sommerhits. Einfach eine Mail mit dem Betreff „Poster“ an info@jetzt.de schreiben!

Text: jakob-biazza - Illustration: Schoener