Wichtigster Unterschied: der Preis

Die jetzt.muenchen-Redaktion hat sich den Kopf waschen lassen – bei sechs unterschiedlichen Friseuren
jetzt-redaktion

Die Frage "Warst du beim Friseur?" ist nicht nur die Mutter als rhetorischen Fragen, sie ist auch ein hervorragender Hauptsatz. Um diesen aber überhaupt hören zu können, muss man eine wichtige Entscheidung treffen: Man muss einen Menschen finden, der so vertrauenswürdig ist, dass man es ihm oder ihr erlauben kann, mit einer Schere am eigenen Kopf rumzufummeln. Nur: Wie findet man einen guten Friseur?

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Illustration: Julia Schubert

Die jetzt.de-Redaktion hat sich in München auf die Suche begeben und sechs Hair-Stylisten ausprobiert - von günstig bis teuer, von ganz billig bis sehr werthaltig. Die Friseur-Besuche und vor allem die Foto-Ergebnisse gibt es auf der nächsten Seite.


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Illustration: Julia Schubert

1. Salon Hedy Bosch Preis: 38,50 Euro Wer geht hier hin? Oma Meißner zum Beispiel, weil hier alle ihren Namen kennen und sich geschlagene eineinhalb Stunden Zeit für ihre Dauerwelle nehmen. Wie lange gibt es den Laden schon? Seit 1968, bereits in der zweiten Generation. Trinkgeld? Kommt mit in die urige Kasse, die bestimmt schon seit der Eröffnung in diesen Laden gehört. Genau wie der Kronleuchter. Aufenthaltsdauer: 1 Stunde 15 min. Welchen Schnitt würden Sie mir empfehlen? „So ein flotter Bob, das wäre doch mal was!“ Was unterscheidet eigentlich einen teuren Haarschnitt von einem billigen? „Erst einmal sind die Angestellten dort nur angelernt, die haben gar keine Friseurausbildung. Das sieht man den Frisuren dann auch an, die sind komisch gefärbt oder arg hart durchgestuft. Deswegen schneiden wir Stufenschnitte ja auch mit dem Messer! Da geht dann alles richtig schön ineinander.“ Welche Kunden nerven am meisten? „Die, die einen Termin haben und dann einfach nicht kommen. Das ist ärgerlich!“ eva-schulz


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2. Deniz Friseur Studios Preis: Acht Euro Wer geht hier hin? 95 Prozent Männer, viele Türken, aber auch preisbewusste Deutsche, die auf sauber ausrasierten Nacken Wert legen und nicht sehr viel Zeit haben. Beobachtete Durchschnitss-Haarlänge: 2,75 cm Wie lange gibt es den Laden schon? Seit rund 15 Jahren in der Pestalozzistraße Trinkgeld? Viele Kunden runden auf, von acht Euro auf zehn Euro. Aufenthaltsdauer? 13min 47sek Welchen Schnitt würden Sie mir empfehlen? „Schön im Nacken und an den Koteletten anrasieren und in der Kopfmitte etwas länger stehen lassen, leicht Iro-mäßig gelen.“ Was unterscheidet eigentlich einen teuren Haarschnitt von einem billigen? „Bei uns kostet eigentlich alles acht Euro – würden wir nicht acht Euro, sondern mehr nähmen, könnten wir uns mehr Zeit nehmen.“ Welche Kunden nerven am meisten? Kurz-vor-Ladenschluss-Kommer, Wetter-Erzähler. Und wenn bei uns viel los ist, ist es in unserem kleinen Laden meist sehr laut, dann muss man oft nachfragen - das stört dann auch. Specials? Nasen- und Ohrhaar-Rasur, Wimpernzupfen (ja, auch für Männer!) mit gekreuzten Seiden-Fäden Dirk-Brambring


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3. Rudolf Euler, Naturfriseur Preis: Für Erstbehandlungen (Durchbürsten der Haare und Zurechtrücken der Kopfhaut unter Berücksichtigung der Meridiane, Waschen, Schneiden und Föhnen) 80 Euro. Wer geht hier hin? Stammkundinnen aller Altersgruppen; in letzter Zeit auch viele junge Leute Trinkgeld: Ja; nicht zwingend. Welchen Schnitt würden Sie mir empfehlen? „Dein Haar ist total verschnitten. Der Bob wirkt sich energetisch negativ aus, da dich die nach unten gerichtete Diagonale runter zieht. Der bisherige Stufenschnitt und deine ungünstige Haarstruktur bringen zu viel Schwere an den falschen Stellen. Mit dem neuen Schnitt wird dein Haar schwungvoller aussehen; für eine energetisch perfekt ausgewogene Frisur braucht dein Haar allerdings die richtige Pflege mit Schweinsborstenbürsten, fermentierten Naturprodukten und natürlich einige weitere Behandlungen.“ Was unterscheidet eigentlich einen teuren Haarschnitt von einem billigen? „Qualität und Langfristigkeit – ein guter Haarschnitt wächst eher mit als raus. Der verantwortungsvolle Friseur legt Wert auf Ganzheitlichkeit; er beachtet die gesamte Physiognomie des Menschen, die natürliche Schwingung und Bewegung des Haars, erfasst obendrein das Naturell seiner Kundin und stimmt die Frisur individuell darauf ab.“ Welche Kunden nerven am meisten? „Grundsätzlich keine, weil ein Naturfriseur hauptsächlich Stammkunden hat, die wissen, was sie erwartet und sich auf die Behandlung einlassen. Kunden, die so etwas nicht zu schätzen wissen – etwa Männer, die hereinplatzen und „Haarschnein!“ rufen, schicke ich wieder nach Hause. Und sollte eine Kundin doch einmal entnervt wirken, ist nach dem „Herausbürsten“ viel von dieser Negativität verschwunden.“ judith-urban


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4. Bash Club Preis: 45 Euro (plus 5 Euro Trinkgeld) Wer geht hin: „Wir sind kein Promi-Laden, wir sind ein Szene Laden“, sagt die Betti. „Der Michi zum Beispiel (Michael Graeter Anm. der Red.) kommt auch oft. Saulustiger Typ, der ist so witzig, glaub man gar nicht.“ Wie lange gibts es den Laden schon? Seit 1996, aber erst seit drei Jahren in der Sendlinger Straße Trinkgeld? Zwischen 20 und 50 Euro pro Tag und FriseurIn Specials: Beim Haarewaschen sitzt man auf einem Massagestuhl. Der Warteraum ist irgendwie marokkanisch eingerichtet. Alle sich im Raum befindenden Personen sehen aus, wären sie von Detlef D! Soost gecastet worden. Aufenthaltsdauer: 47 Minuten Welchen Schnitt würden Sie mir empfehlen? „Ich würd an den Seiten etwas rausnehmen und das Deckhaar länger lassen.“ „Ich hätte gerne so etwas wie einen Afro.“ „Klar, das wird auch cool!“ Welche Kunden nerven am meisten? „Vor unserer Tür steht ein Schild „Haarschnitt unter Vorbehalt“. Vier Kunden wurden rausgeschmissen, seit ich da bin. Die saßen alle auf dem Stuhl, auf dem du jetzt sitzt. Die waren einfach sauunfreundlich und haben sich aufgeführt. Aber meine Chefs stehen voll hinter mir.“ philipp-mattheis


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Illustration: Julia Schubert

5. C&M Company Wer geht hier hin? Trotz der Nähe zur Uni nicht nur Studenten, sondern überraschend viele ältere Damen und auch mal eine Familie. Wie lange gibt es den Laden schon? Seit 2008. Trinkgeld? Für die meisten scheint so eine Friseurkette wie Fast Food zu sein – da muss man nichts geben. Preis: Elf Euro Welchen Schnitt würden Sie mir empfehlen? „Da mach’ma was ganz Peppiges, das passt besser zu dir. Fransig im Nacken, stufig um die Ohren und dann hinten ein bisschen hochtopieren.“ Was unterscheidet einen teuren Haarschnitt von einem billigen? „Da gibt überhaupt keinen Unterschied. Außer eben: Der Preis. Wir haben alle eine klassische Friseurausbildung, der eine schneidet so, der andere so, was besser oder schlechter ist, bleibt ja dem individuellen Geschmack überlassen.“ Welche Kunden nerven am meisten? „Die, die meinen, mir erzählen zu müssen, wie ich Haare zu schneiden habe. Das sind meistens die älteren Damen. Die geben mir dann Anweisungen, wie ich die Schere halten soll und solche Sachen. Da werde ich sauer und sage auch mal was. Immerhin habe ja ich die Ausbildung gemacht und nicht die.“ mercedes-lauenstein


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6. Hairstyling Homeservice, Heidemarie Weck Wer geht hier hin? Mütter mit Kindern, alte Menschen mit Mobilitätseinschränkung, Behinderte, Geschäftsleute mit wenig Tagesfreizeit. Insgesamt wird das Angebot der Friseurin, nach Hause oder zum Arbeitsplatz zu kommen, sehr gut angenommen. Preis: 45 Euro Trinkgeld: Ich habe fünf Euro gegeben, obwohl ich mal gehört habe, dass man eigentlich nur angestellten Friseuren Trinkgeld geben soll. Gesprächsthemen: Wie man selbst mit Aktien handelt, die Vorteile der Selbständigkeit. Die nächsten Frisurentrends (Locken, Weiblichkeit) Aufenthaltsdauer: Ziemlich genau eine Stunde. Christina-Waechter

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