Wo ist hier? Jörg Albrecht sucht im Theater nach Heimat

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Woher kommst du? Gerade aus Berlin, geboren in Bonn, gewachsen im Ruhrgebiet. Was willst du hier? Sprache und Körper in Bewegung anschauen und alles auf AUFNAHME schalten, für München, das ich fast nur aus Büchern und Filmen kenne.

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Illustration: Julia Schubert

Was bringst du mit? Einen Heimatfilm mit dem Titel "Worin noch niemand war", der Film ist aber kein Film, sondern ein Theatertext über den Versuch, Heimat vom Land in die Stadt zu holen. Und weil die Heimat, die deutsche, voller Terror steckt, kann das dann nur zu Terrorismus führen. Was interessiert dich am Thema Heimat? Weil das für mich seit Jahren immer wieder aufblitzt: Was macht Heimat eigentlich aus? Freunde? Der Raum, in dem du wohnst? Das, was in der Heimat geschehen ist? Im Stück ist es eher der Wunsch vier junger Menschen, mit ihrem Körper endlich existent zu sein in einem Alltag, in dem du ständig Bewegungen und Aussagen machst, die so viele vor dir auch schon gemacht haben. Wo soll da Heimat sein? Vielleicht am ehesten noch im Heimatfilm. Was ist für dich Heimat? Eine Lampe mit vier Wänden aus Dias, die mir Freunde vor Jahren geschenkt haben. Darauf sieht man meine Freunden und viele Bruchstücke aus den letzten fünf Jahren. Diese Lampe leuchtet immer in meinem Zimmer, wo immer das gerade ist. Du schreibst nicht nur Theaterstücke, sondern hast neben einem Roman, Essays und anderen Texten sogar Libretti geschrieben. Wie kommt man denn dazu? Das kam unerwartet. 2004 wurde mein Text "Nasenbluten" in der Zeitschrift „Bella Triste“ veröffentlicht und daraufhin bat mich die Staatsoper Hannover, etwas für ihre experimentelle Opernreihe zu schreiben. "Notstrom" hatte ein halbes Jahr später in einem alten Heizkraftwerk Premiere. Die Arbeit daran hat meine Texte, Prosa wie Theater, noch stärker an die Rhythmik herangebracht. Der Rhythmus ist sehr wichtig, weil in ihm ja auch schon so viel passiert. Jetzt arbeite ich mit dem Musiker phon°noir aus Berlin an Hörspielen und Texten, die mit der Musik verzahnt sind, als wären sie selbst ein Teil Musik. Welchen Münchner würdest du gerne kennen lernen? Andreas Neumeister, diesen Champion der Listen und der Rhythmen, der den schönsten Goldfisch der Buchcovergeschichte auf sein Buch "Gut laut" gesetzt hat. Danke, nicht nur dafür! Was soll dir mal nachgesagt werden? Dass meine Texte hörbar sind wie Musik. Mehr Informationen zum "4. Wochenende der Jungen Dramatiker" am 30. September und 1. Oktober in den Kammerspielen in München gibt es hier Foto: privat

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