Vorsätze im Abo

Eine englische Kleinstadt will mittels SMS ihre Bewohner dazu bewegen, sich gesund zu ernähren und sich körperlich zu betätigen, um Fettleibigkeit zu bekämpfen. Welchen Motivations-Appell würdest du gerne ab und zu auf dem Display lesen?
julian-schmitzberger

„Iss kleinere Prtionen“, „Nimm ofter mal die Treppe“ oder „Achte auf eine ausgewogene Ernährung, indem du Obst und Gemüse isst“. Schon mal eine SMS mit vergleichbaren Inhalt bekommen? Nein? Dann bist du wohl keiner der Freiwilligen, die sich für das neuste Präventivprogramm der englischen Gemeinde Stoke-on-Trent gemeldet haben. Über ein Viertel der dort lebenden Erwachsenen sind zu dick. Die Gemeinde, die bereits eine Straße nach ihrem berühmtesten Sohn Robbie Williams benannt hat, gibt jährlich über 50 Millionen Pfund aus, um die Folgen von Fettleibigkeit zu behandeln. Nun dreht die Stadtverwaltung den Spieß um: Erinnerungs-Nachrichten, die zum bewussten Umgang mit Nahrungsmitteln und körperlicher Betätigung mahnen, sollen Kosten für die Behandlung von Übergewicht einsparen und das Leid fettleibiger Menschen lindern. Die Pilotrunde des Programms ist auf 10 Wochen angesetzt und 500 willige Engländer werden sich per Kurznachricht dazu auffordern lassen, auf ihre Gesundheit zu achten.

Illustration: Julia Schubert

Nicht Kuchen essen! Beweg dich du Faultier! Würdest du solche SMS gerne bekommen?

Ob diese Maßnahme Geldverschwendung oder Pionierarbeit ist, sei dahingestellt. Aber es wäre doch recht nützlich, wenn man einen Dienst hätte, der einem zwar ein schlechtes Gewissen einredet, dafür aber dabei hilft, persönliche Ziele zu erreichen. Gegen Motivationsprobleme kann man schlecht alleine ankämpfen. Unser Alltag ist voll mit Versuchungen und der Geist lässt sich leicht von seinen Vorsätzen ablenken. Und selbst zielorientierte Menschen sind nicht vor unterbewussten Verdrängungsmechanismen immun, die das Ego bei Laune und die Messlatte für Erfolge unten halten.

Jeder hat doch eine Macke oder eine festgefahrene Verhaltensweise, die er gerne ändern würde. Oder wäre einer kleinen Erinnerung nicht abgeneigt, die einen dazu bringt, den Müll runterzutragen, damit man nicht extra gehen muss. Hättest du auch gerne eine Gedächtnisstütze, die dich dazu bewegt, nicht mehr in der Nase zu popeln? Würdest du vielleicht gerne ab und zu eine Nachricht mit dem Inhalt „Jap. Du hast dich schon wieder am Hintern gekratzt. Und ja, das haben alle gesehen“ bekommen? Oder wie wäre es mit täglichen Botschaften, die dich daran denken lassen, dass du mal wieder deine Eltern anrufen wolltest? Für was würdest du gerne Erinnerungs-Nachrichten bekommen? Freiwillige vor!

Text: julian-schmitzberger - Illustration: Katharina Bitzl

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