Das jetzt.de Original

Eine alte Serie, neu belebt: Die jetzt.de-Originale. In diesem Label bitten wir jede Woche zwei aktive jetzt-User, unseren Lückentext auszufüllen. Heute: fyra und nixbewiesenausserich
mercedes-lauenstein
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Illustration: Julia Schubert



Ich heiße in echt Stefanie, bin schon 29 Jahre alt und seit 2009 auf jetzt.de bekannt als fyra. Früher hieß ich „streifi“, aber 2007 hatte ich nach sechs Jahren von jetzt.de die Faxen dicke – was ich 2009 bereute. Hier schreibe ich vor allem Kurzgeschichten und bin mit einigen sehr netten jetzt-Usern befreundet. Im echten Leben wohne ich derzeit in Berlin und dort wohne ich wohl auch noch bis zum Ende meines Lebens. Die Stadt ist wie die USA: man muss nie weg, man hat ja alles! Hier habe ich ziemlich ausführlich studiert und arbeite jetzt was mit Journalismus und Internet. Und das macht mir richtig Spaß, weil ich nebenbei auch noch meinem DIY-Fimmel frönen kann. Im Internet findet man mich sonst noch auf DaWanda, wo ich das Selbstgemachte ziemlich erfolgreich an den Mann bringe. Aber das Genähe hat auch einen ideellen Wert, weil ich dabei am besten den Kopf ausmachen kann. Was übrigens niemand so gut kann wie ich, ist, die Attribute „laut und peinlich“ als auch „sensibel und anhänglich“ in einer Person zu vereinen. Und was ich schon immer einmal heimlich über meine Familie loswerden wollte, ist: Omilein, fleischlos Essen ist nicht „unnormal“! Schluss mit lustig ist, wenn Jemand ständig sagt „Ich hab keine Zeit, ich muss noch...“ Müssen muss man gar nichts. So sehe ich das mittlerweile.

Jetzt.de bedeutet für mich das Loswerden von Geschichten und Gedanken. Darauf gestoßen bin ich durch meinen kleinen Bruder, der meinte, auf jetzt.de könne ich mich textmäßig ein bisschen austoben. Das Erinnernswerteste, was mir hier jemals passiert ist, waren meine frühen Schreibkooperationen „Typisch Ossi, typisch Wessi“/“Typisch Jungs, typisch Mädchen“ mit dem ehemaligen jetzt-User fukusushi und außerdem natürlich die vielen Jetztler, die ich in den Jahren schon in echt treffen konnte. bluemerant und julian_galant sind auch Bestandteil meines in-Echt Lebens. Das Schönste auf jetzt.de ist, dass man immer wieder Leute trifft, denen es ähnlich geht. Egal, welches Thema. Von jetzt.de gelernt habe ich, dass rein virtuelle Lästereien und Stänkereien auch in echt auf den Magen schlagen können. Ohne jetzt.de hätte ich nie dieses Rund-Um-Glücklich-Gefühl, wenn ich einen Text gedacht, geschrieben und veröffentlicht habe. Und wenn dann auch noch konstruktives Feedback kommt - herrlich. Die Userin klinsmaus schlage ich als jetzt.de-Original vor, weil sie die Schreibaktionen der Gruppe „Schreiben und Kapitalismus“ ins Leben ruft und uns alle mit Engelsgeduld anleitet und antreibt. Und natürlich, weil sie schreibt, schreibt, schreibt und jetzt.de mit ihren unterhaltsamen Geschichten schöner macht. Und zu guter Letzt wünsche ich mir von jetzt.de, dass manche Redaktionstexte vorm Veröffentlichen ein bisschen besser redigiert werden...



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Illustration: Julia Schubert



Ich heiße Daniel bin 30 Jahre alt und seit 30.09.2004 auf jetzt.de bekannt als nixbewiesenausserich. Hier verschwende ich vor allem viel Zeit mit dem Lesen von zufälligen Texten. Im echten Leben wohne ich derzeit in München und dort werde ich vermutlich auch noch eine Weile mein Unwesen treiben. Im Internet findet man mich sonst noch auf Facebook und Myspace. Wobei. Eigentlich findet man mich auch bei den, äh, Lokalisten. Aber das Profil dürfte ziemlich verwaist sein. He, wo ich so drüber nachdenke, es gab da noch diese Community namens ‚Donttellanyone.de‘, das fällt mir aber eben erst beim darübernachdenken ein. Besser findet man mich sowieso in echt als im Internet, ich kann dann auch besseren Kaffee machen als virtuell, da versau ich immer die Crema. Höm. Was übrigens niemand so gut kann wie ich, ist dramatisch unspektakulär keine Karriere machen. Und was ich schon immer einmal heimlich über meine Familie loswerden wollte, ist hier total unangebracht, aber jeder der meine Familie kennt, weiss dass alle ziemlich kleine Knödelgehirne haben die sich hauptsächlich für gutes Essen interessieren, haha...nein im Ernst, total dufte dass es die gibt, mit all ihren Macken, Familie find ich total wichtig und so, bis es dann irgendwann halt wieder reicht, ich bin beispielsweise gerade recht froh darüber wieder etwas Abstand zu haben nachdem ich die letzten Monate öfters als mir Lieb war bei der Familie war, der Münchner Wohnungsmarktlage wegen. Schluss mit lustig ist, wenn keiner mehr lacht, hoffentlich dauert das aber noch ein Weilchen.

Jetzt.de bedeutet für mich damals irgendwie ziemlich viel, das lag und liegt an diesem genialen Namen: jetzt.de. Klingt zwar doof, aber ich habe da weiss der Henker nicht was alles hineinprojiziert. Daher auch mein Name. Mein Profil hier war und ist vielleicht immer noch etwas, das ich mit Bedacht pflegte und pflege, irgendwie hatte ich immer schon so eine Art Respekt vor der Frage, wie man sich selbst denn nun also in der nahezu endlosen ultimativen Internetöffentlichkeit präsentiert. Im Nachhinein betrachtet, habe ich wohl ziemlich versagt, was meine Textemässigen Qualitäten und Leistungen angeht, bald nach ein oder zwei Jahren hier hatte ich meine erst noch rebellischen Intentionen, die Infokalypse auszulösen aufgegeben und widmete mich doch öfters den Forumseiten meines Freelancerspieleservers als den Publikationen von jetzt.de und seinen Usern. Naja. Und meienr bescheidenen Selbstbeweihräucherung. Darauf gestoßen bin ich durch natürlich das Heft, das schöne. Das Erinnernswerteste, was mir hier jemals passiert ist waren definitiv die paar Male an denen ich User getroffen habe in echt und außerdem sonst eigentlich nix. Jetzt.de findet im jetzt statt, haha. Naja, fast drei jetzt-Freunde sind auch Bestandteil meines in-Echt Lebens. Das Schönste auf jetzt.de ist der logout button! Von jetzt.de gelernt habe ich, dass es einen Haufen Sachen gibt, die den Leuten im Kopf herumschwirren und die diese offenkundig machen müssen, dürfen, können. Viel davon kann ich nicht, kenn ich nicht und manchmal will ich auch garnix davon wissen, weil das ja dann doch so teenieschmonz ist, denke ich jedenfalls. Aber gut: Die Dinge ändern sich, und doch wieder nicht so wie man denkt, früher war alles besser aber jetzt darüber zu klagen hilft uns morgen auch nicht weiter. Viel bla bla muss auch nix aussagen. Ohne jetzt.de hätte ich nie den verkannten Helden in mir gefunden. Den User eisengrau schlage ich als jetzt.de-Original vor, weil ich hier jemanden vorschlagen tun soll. Und zu guter Letzt wünsche ich mir von jetzt.de eine Frau, ein Auto, ein Haus, zwei Kinder und vielleicht sogar einen Hund. Katze tuts auch. Zwei große Pizza Phantasia und den ‚du schaust dir zufällig Texte an‘ – Button zurück. Bezahlten Urlaub. Neue Zähne. Ein MiniUBoot. Was zu Rauchen. Eine Eingebung, die mir hilft, diesen Fragebogen auf 666 Wörter aufzublähen. Einen Grundkurs in kreativem Schreiben. Mist. 625 Worte. 627. Verzählt ?



Text: mercedes-lauenstein - Fotos: privat Collage: Katharina Bitzl

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