300 Euro für Stipendiaten - ist das fair?

Zum ersten September wird das einkommensunabhängige Büchergeld von 150 auf 300 Euro pro Monat erhöht. Schön für Stipendiaten - aber auch unfair für BAföG-Empfänger?
charlotte-haunhorst

300 Euro sind als Student ziemlich viel Geld. Eine Monatsmiete in einer Stadt wie Stuttgart oder Köln, ein ordentliches Netbook oder die Bahncard 50 für die nächsten zwei Jahre könnte man davon bezahlen. So viel Geld jeden Monat zusätzlich zu haben, wäre theoretisch also eine ziemlich super Sache. Wenn man allerdings seine Eltern beim wöchentlichen Sonntagstelefonat danach fragen würde, doch zukünftig bitte 300 Euro mehr rüberwandern zu lassen, wäre die Reaktion wohl ziemlich vorhersehbar: "Spinnst du??".

Erfreulicherweise müssen Stipendiaten der großen deutschen Begabtenförderungswerke ab dem ersten September nicht mehr ihre Eltern anrufen, um nach mehr Unterstützung zu fragen. Dann wird das sogenannte "Büchergeld" nämlich von momentan monatlich 150 auf 300 Euro erhöht. Diese Idee hatten CDU und FDP bereits 2009 im Koalitionsvertrag festgelegt, eine erste Erhöhung von 80 auf 150 Euro erfolgte 2011.

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Illustration: Julia Schubert

300 Euro extra für Studenten mit Stipendium - ist das fair gegenüber BAföG-Empfängern?

Der Grundgedanke des Büchergeldes ist ziemlich umstritten. Anders als die Stipendien selber wird es nämlich nicht nach den BAföG-Regeln, also abhängig vom Einkommen der Eltern, berechnet. Stattdessen bekommt jeder Stipendiat automatisch auch Büchergeld ausgezahlt, selbst wenn die Eltern Millionäre sind. Die Begründung, damals noch von Bildungsministerin Annette Schavan: "So sorgen wir dafür, dass die Stipendiatinnen und Stipendiaten sich auch in Zukunft mit gutem Handwerkszeug für ihr Studium ausrüsten können. Und dazu gehören heute nicht bloß Bücher, sondern zum Beispiel auch Computer und Software."

Das kann man logisch finden - schließlich haben nicht alle reichen Eltern automatisch auch Lust, das Geld ihren Kindern für ein neues Macbook hinterherzuwerfen. Im Gegenteil: Oft wird in diesen Familien akribisch bei den Unterhaltszahlungen am BAföG-Höchstsatz festgehalten.
Kritiker halten dem entgegen, dass in Deutschlands Begabtenförderungswerken eh bereits überproportional viele Kinder aus wohlhabenden Akademikerfamilien gefördert werden. Anstatt also noch mehr Geld in familiär gut situierte Studierende zu stecken, könnte man das Büchergeld auch in zusätzliche Stipendien investieren. So hätten am Ende auch Studenten aus schlechteren Verhältnissen mit soliden Noten Chancen auf finanzielle Unterstützung. Zwar gibt es für diese Fälle bereits das Deutschlandstipendium in Höhe von 300 Euro pro Monat - die bekommen dann allerdings kein Büchergeld. Wer gar kein Stipendium bekommt, kann natürlich weiterhin BAföG beantragen. Das muss allerdings nach Studienende zurückgezahlt werden und beim Höchstsatz von 670 Euro ist Schluss. Wer dann noch 300 extra für Bücher oder Computer haben will, muss arbeiten gehen.

Auch innerhalb der Begabtenförderungswerke sorgte das neue Büchergeld nicht nur für Freude. Offiziell begrüßen die Einrichtungen natürlich die Erhöhung. Intern formten sich allerdings Gruppen wie "Stipendienkritik" oder "Stipendienspenden", die dazu auffordern, das Büchergeld an bedürftigere Studierende zu spenden und langfristig wieder abzuschaffen. Stattdessen sollte das BAföG-System ausgebaut werden - im Sinne der Bildungsgerechtigkeit. So altruistisch sind dann aber doch nur wenige. Nach eigenen Angaben wurden im letzten halben Jahr gut 6000 Euro gespendet. Bei 25.000 Stipendiaten deutschlandweit mit jeweils 150 Euro Büchergeld pro Monat nicht sehr viel.

Wie siehst du diese Debatte? Bist du vielleicht BAföG-Empfänger und fühlst dich unfair behandelt, wenn andere 300 Euro umsonst extra bekommen? Hast du ein Stipendium und das Zusatzgeld trotzdem bitter nötig? Oder ist dir das alles egal, weil du eh von deinen Eltern finanziert wirst?


Text: charlotte-haunhorst - Bild: Elisabeth Grebe Fotografie / Photocase.com

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