Der IS verübt "Terror", in der Ukraine ist gerade eine "Krise" und der "Syrien-Konflikt" dauert auch schon ewig an. Manche Menschen würden sagen, in diesen Regionen herrscht "Krieg", der laut Definition ja einen "organisierten, mit Waffen gewaltsam ausgetragenen Konflikt zwischen Staaten bzw. zwischen sozialen Gruppen der Bevölkerung eines Staates" bezeichnet. Das Wort "Krieg" scheint allerdings der Voldemort der Jetztzeit zu sein - keiner will es verwenden.

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Bestes Beispiel dafür ist ein Artikel im US-Magazin "Salon", in dem die fünf beliebtesten Euphemismen von Präsident Barack Obama für "Krieg" aufgelistet werden: Mal spricht er von einem "Kampf", dann von einem "Prozess", am allerliebsten allerdings von einem "Bemühen", dem die US-Truppen nun nachgingen, um gegen den IS zu kämpfen. Dass er dabei über kriegerische Maßnahmen gegen eine Terrorgruppe spricht, die Menschen vor laufender Kamera die Kehle durchgeschnitten und, nach eigenen Angaben, mehr als 1000 Menschen mit Waffen hingerichtet haben, wird so schöngeredet.

Manche behaupten, Euphemismen seien etwas Schlechtes, weil sie Tatsachen schönreden und ihnen so den Schrecken, aber auch die Relevanz nehmen. Wissenschaftler streiten wiederum selbst häufig über die korrekte Definition des Wortes "Krieg". Gilt der Begriff erst, wenn es in einem gewaltsamen Konfiikt in einem Jahr mehr als 1000 tote Kombattanten gab, wie David Singer und Melvin Small in ihrem „Correlates of War"-Projekt festlegen? Oder reichen auch 200 Tote? Oder hat Krieg vielleicht gar nicht so viel mit der Anzahl der Opfer zu tun, sondern viel mehr mit der Art des Konflikts und welche Gruppen daran beteiligt sind?

Was ist deine Definiton von Krieg? Und für welchen der aktuellen Konflikte gilt sie aus deiner Sicht? Oder findest du, am Ende geht's ja um die Sache und deshalb ist's egal, welchen Begriff man anstatt "Krieg" wählt?



Text: charlotte-haunhorst - Bild: photocase.com / kallejipp