Allez, les Prügeljugend? Der Wer-streikt-besser?-Ticker

Wenn die protestieren haben alle Angst. Aber warum nur sind die französischen Schüler so viel wilder als wir?
fabian-fuchs
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Illustration: Julia Schubert

Das hätten die Stuttgarter auch gerne: Während dort die Eltern ihren Kindern noch brav Entschuldigungszettel schreiben, damit diese zum gemütlichen Hauptbahnhofs-Dooffinden antreten können, zittert die französische Regierung vor der Wut der französischen Jugendlichen. Den massiven Streikaufruf der Gewerkschaften, das Ende der Benzinversorgung und der Müllabfuhr könne man aussitzen - so etwa klingen die Botschaften, die seit Tagen aus dem Elysée-Palast dringen. Aber wenn wie jetzt Schüler und Studenten in die Proteste einsteigen, dann fürchtet sich die Ministerriege von Präsident Sarkozy vor einer schnellen Eskalation. Denn mit Menschenketten und Trillerpfeifkonzerten halten sich die französischen Jugendlichen nicht lange auf, brennende Autos und gewaltsame Ausschreitungen gehören unbedingt zu ihrer Protestkultur. Sieht man sich die Bilder der jungen Schüler an, die wildschön-gefährlich und mit unbedingter Entschlossenheit gegen ein eher schlappes Thema wie die Heraufsetzung des Renteneinstiegsalters um zwei Jahre auf lächerliche 62 protestieren, dann kann man nicht anders, als tatsächlich ein Revolutions-Gen bei ihnen zu vermuten. Tatsächlich berufen sich nicht wenige der Demonstranten auch ganz unbescheiden auf die Mutter aller Revolutionen und skandieren wie von selbst „Resistance!“ Was ist bei den französischen Jugendlichen anders als bei uns, warum sind sie so radikalisiert? Fehlt uns einfach die historische Grundlage des Dagegen-Seins? Wie schnell wäre bei uns ein landesweiter Streik der Schüler und Studenten zu organisieren, wer würde überhaupt mitmachen und welcher von den Politikern hätte Angst davor? Und wie lange würde es in Baden-Würtemberg dauern, bis die erste Schule brennt?

Text: fabian-fuchs - Foto: dpa

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