#anteilnahme? #öffentlich?

Michael Schumacher hatte einen schweren Skiunfall. Das ist tragisch - und für viele Anlass, ihre Bestürzung in sozialen Netzwerken kundzutun. Ist das eine Stütze für Angehörige, Freunde und Fans? Oder befremdende Selbstinszenierung?
elias-steffensen

Boris Becker ist mit dabei. Auf Englisch. Und das sind ja schon zwei Umstände, die die Sache verdächtig machen: „Let us all pray for @realschumacher michael for a full and speedy recovery !!!“, twitterte der einstige Tennisprofi am 30. Dezember, um seine Anteilnahme für den bei einem Skiunfall verunglückten Michael Schumacher kundzutun.  

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Illustration: Julia Schubert


Schon zwei Tage vorher hatte Dirk Nowitzki versichert, seine Gedanken seien „bei Schumi“. Lukas Podolski wünschte „All the best for you, my friend!“ und Lewis Hamilton ließ die Welt wissen, sowohl er, als auch seine Familie beteten für den ehemaligen Formel-1-Fahrer. Und die Liste der Wünschenden geht von Rosberg über Schürrle und Boateng zu Lisicki, Fisichella, Kerber und Hambüchen immer weiter. Viel Gott, viel Gebet und noch mehr Sportmetaphern verpackt in Hashtags liefen da also auf.  

Daran wäre inhaltlich zunächst wohl wenig auszusetzen. Die Gedanken sind frei. Will sagen: Ob jemand jetzt beten möchte oder nicht, das soll bitte unbedingt ihm oder ihr persönlich überlassen bleiben. Aber das Medium, und die damit verbundenen Öffentlichkeit? Wirkt das nicht befremdend? Bekommt es nicht ein Geschmäckle?

Das soll nun um Himmels willen nicht zynisch klingen, weshalb die Frage nicht rhetorisch gemeint ist, sondern ratlos: Braucht’s das? Und wenn ja: Wofür? Wie empfindest du die Anteilnahme in den sozialen Netzwerken - egal ob nun für Schumacher oder sonstwen? Ist sie für dich Selbstdarstellung der Absender? Oder eine echte Hilfe für die Betroffenen, die Angehörigen, für Fans, für Freunde?  

Und damit das nicht nur schwarz/weiß ist: Wenn du öffentliches Kondolieren und Genesungswünsche im Netz grundsätzlich okay findest – gibt es trotzdem eine Grenze für dich? Einen Punkt, an dem es dir zu viel wird? Sag’s uns. Öffentlich natürlich ...

Text: elias-steffensen - Foto: bloomberg

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